AfD-Spitzenkandidaten zu Gast beim WOCHENBLATT
Von Sonnenflecken und dem möglichen Dexit

Beim Besuch in Buchholz: (v. li.) die AfD-Politiker Henning Schwieger, Marina Graul, Joachim Wundrak und Rainer Sekula
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os. Buchholz. Auf seiner Tour durch den Landkreis Harburg hat der niedersächsische AfD-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Joachim Wundrak (66), beim WOCHENBLATT-Verlag Station gemacht. Der Ex-General wurde im Mai bundesweit durch seine gemeinsame Kandidatur mit der Bundestagsabgeordneten Joana Cotar bei der Wahl zum Spitzenduo für die Wahl am 26. September bekannt. Dort unterlagen sie gegen Alice Weidel und Tino Chrupalla. In Buchholz dabei waren der AfD-Direktkandidat im Landkreis Harburg, Henning Schwieger, sowie die Kandidaten für den Buchholzer Stadtrat, Marina Graul und Rainer Sekula.
Wundrak warf den anderen Parteien vor, "Klimaaktionismus" zu betreiben. Dass der Anstieg der Temperaturen weltweit menschgemacht sei, sei wissenschaftlich nicht bewiesen. Vielmehr sei die Erhöhung der CO₂-Konzentration in der Erdgeschichte normal, die Temperatur folge dem mit Verspätung. Es gebe Hinweise, dass sich die Erderwärmung bereits abschwäche bzw. zurückgehe, behauptete Wundrak. Er machte das an Sonnenflecken fest.
Auch bei der Klimawende sieht Wundrak Deutschland auf dem falschen Weg. Die Grundlast, also die Grundversorgung mit Energie, sei allein mit Windkraftanlagen nicht zu bewerkstelligen. Man müsse in "grundlastgeeignete Energien" investieren, z.B. in neuartige Kraftwerke. Er sei ein Fan der Kernenergie, betonte Wundrak. Ob die aber reaktiviert werden könne, "da muss man genau in die Verträge schauen". Die beste Mobilitätslösung für die Umwelt sei der moderne Dieselmotor.
Als "strategisch richtig und gerechtfertigt" sieht der Spitzenkandidat die Forderung im Wahlprogramm der AfD, dass Deutschland die EU verlassen solle. Allerdings sei es fraglich, ob man den Dexit vor der Bundestagswahl so deutlich äußern sollte. Grund: Die Deutschen seien mehrheitlich für den Verbleib in der EU. Wundrak hält die Union für nicht reformierbar, die Selbstermächtigung aus Brüssel habe mittlerweile beängstigende Formen angenommen. Er sei für ein "Europa der Vaterländer mit Verträgen, die auch eingehalten werden", und eine Neuorganisation der EU nach dem Vorbild der EWG (die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft war die 1957 von Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, den Niederlanden und Deutschland gegründete Vorgängerunion der heutigen EU, d. Red.).
Die AfD, bilanzierte Wundrak, sei die einzige Partei, die die "nationalliberale Selbstständigkeit" beibehalten wolle und Politik für den deutschen Steuerzahler mache.

AUF EIN WORT

Wenn es eng wird, wird es (pseudo)wissenschaftlich

Beim Gespräch mit den AfD-Spitzenkandidaten aus Land, Landkreis und Kommune ist mir deutlich geworden: Diese zu einheitlichen Aussagen zu bewegen, ist so, als wenn man einen Pudding an die Wand nageln möchte. Das, was im Wahlprogramm geschrieben ist, wird relativiert. Und wenn man nicht weiter weiß, flüchtet man sich in (Pseudo)Wissenschaft.
Wenige Tage nach der Flutkatastrophe in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz z.B. zu behaupten, die Klimaerwärmung sei nicht menschengemacht und es gebe Zeichen, dass die Erwärmung schon gebremst sei, lässt mich schlucken. Das sollte Joachim Wundrak den Angehörigen der Gestorbenen einmal direkt ins Gesicht sagen. Stattdessen schwadroniert der Ex-General von einem "physikalisch falschen Bild", Pflanzen, die bei hoher CO₂-Konzentration am besten gedeihen, und den Vorhersagen des Club of Rome aus den 1970er Jahren. Und Rainer Sekula betont, dass laut Spektrum vor 270 Millionen Jahren die CO₂-Konzentration zehn- bis 15-mal so hoch gewesen sei wie jetzt. Dann ist ja alles in Ordnung! Puh!
Beispiel Dexit: Im Wahlprogramm der AfD steht dieser, man merkt Wundrak aber an, dass er nicht hinter der Forderung steht. Fest steht für ihn nur, dass die EU schlecht für Deutschland als großen Einzahler ist. Das Geld solle lieber in Deutschland direkt investiert werden. Also was jetzt? Raus aus der EU oder drinbleiben? Und wenn raus, welche Vor- und Nachteile bringt das?
Beispiel Energiemix: Für Joachim Wundrak steht fest, dass der jetzige Energiemix in Deutschland Murks ist. Die Alternative: Kernenergie?! Und Schaffung einer "grundlastgeeigneten Energie". Spätestens hier merkt man, dass Klima- und Energiepolitik nicht die Kernkompetenzen der AfD sind.
Beispiel Mittelstandspolitik: Wundrak will den deutschen Mittelstand stärken, indem er internationalen Konzernen weniger Subventionen zahlt. Zudem sollen die Riesen in den Nationalstaaten ihre Steuern zahlen. Amazon zahlt also künftig Steuern in Winsen? Ja, sagt Wundrak. Er weiß: Bevor das geschieht, engagiert er sich eher in einem Bündnis für Flüchtlinge. Oliver Sander

Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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