Chancen und Herausforderungen
Wie können Kommunen die Energiewende bewältigen?

Dr. Christian Kuhse, Geschäftsführer Stadtwerke Buchholz | Foto: Stadt Buchholz
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Die Elektrifizierung von Wärme und Verkehr sowie vernetzte Energielösungen werden in Zukunft noch wichtiger, damit die Dekarbonisierung gelingt. Das wurde bei der jüngsten öffentlichen Sitzung des Buchholzer Klimabeirats deutlich, die unter dem Oberthema „Strom“ stand. Etwa 30 Bürger verfolgten die Diskussion vor Ort und online und konnten sich auch mit eigenen Fragen einbringen. Carolin Dähling, Leiterin Politik & Kommunikation von Deutschlands größter Energiegenossenschaft, Green Planet Energy, verdeutlichte die Rolle der Kommunen und befand, dass sich in Sachen Erneuerbare Energien bereits eine Menge getan habe. Dr. Christian Kuhse, Geschäftsführer der Stadtwerke Buchholz, sprach über die Herausforderungen des Stromnetzausbaus, denen sich sein Unternehmen stellen müsse.

Carolin Dähling verwies auf die Statistik des Bundesumweltamts, nach der sich die Emissionen von klimaschädlichen Treibhausgasen in Deutschland seit 1990 halbiert haben. „Wir haben Erhebliches geschafft, müssen aber noch ambitionierter werden“, betonte Dähling. Ein besonders wichtiger Sektor sei dabei die Wärmewende. Eine zentrale Rolle spiele der Austausch von Gasheizungen gegen Wärmepumpen oder lokale Wärmenetze. Rein physikalisch sei die Wärmepumpe eine sehr wichtige Technologie, bekomme der Nutzer doch aus dem Einsatz von einem Kilowatt Strom drei bis vier Kilowatt Wärme.

Unterschiedliche Rollen der Kommunen bei der Energiewende

Die Kommunen könnten bei der Energiewende in unterschiedlichen Rollen tätig werden: als Planerin (etwa bei Bauplänen), als Eigentümerin (von kommunalen Unternehmen und eigenen Dächern, die mit PV-Anlagen ausgerüstet werden können), als Auftraggeberin oder Kundin (z.B. bei der Beschaffung von Strom) oder als zentrale Schnittstelle (für Beratung und Kooperationen mit Wohnungswirtschaft, Gewerbe und Planungsbüros). Carolin Dähling warb dafür, durch Maßnahmen wie Wärmepumpen-Contracting, den Bau von Batteriespeichern oder integrierte Quartierskonzepte die Energiewende weiter voranzutreiben. Sie sagte, dass man dabei nicht starr auf ambitionierte Klimaschutzziele schauen solle. „Es ist besser, zwei Jahre später die Klimaneutralität zu erreichen als geplant, als wenn man jetzt die Ziele verschiebt und sich dann erst einmal jahrelang zurücklehnt und nichts tut“, betonte sie. Dabei seien praktisch alle Lösungen schon vorhanden, man müsse sie nur einsetzen: Quartierskonzepte seien ein bewährtes Konzept, um Strom, Wärme und Mobilität über Grundstücksgrenzen hinweg sinnvoll zu verknüpfen, während Mieterstrommodelle und Wärmepumpen-Contracting bei größeren Wohngebäuden geeignete Mittel seien, um auch Mietwohnungen mit grüner Energie zu versorgen. Auch hier seien oft die städtischen Akteure gefordert, um Klarheit für Bürgerinnen und Bürger zu schaffen und kommunale Wertschöpfung zu sichern.

Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Christian Kuhse rechnete vor, wie groß die finanziellen Herausforderungen beim Stromnetzausbau seien. Für den notwendigen Ausbau von Stromleitungen, Stationen und Trafos rechne er in den kommenden 20 Jahren mit Investitionen von etwa 120 Millionen Euro – und das bei einer aktuellen Bilanzsumme der Stadtwerke-Gruppe von 100 Millionen Euro. Kuhse forderte von der Bundespolitik einen Abbau von Hürden sowie verlässliche Rahmenbedingungen und von der Bundesnetzagentur die Einführung von attraktiveren Eigenkapitalrenditen, damit Stadtwerke für die notwendigen Investitionen auf mögliche Investoren zugehen könnten. Derzeit seien die Renditen gedeckelt, was den Zugang zu Fremdkapital erschwere. Auf die kritische Nachfrage von Klimabeiratsmitgliedern und aus dem Publikum, warum sich die Buchholzer Stadtwerke nicht intensiver bei der lokalen Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien und der Wärmewende engagieren, verwies Kuhse auf die umfangreichen Investitionen von mehr als 60 Millionen Euro bei der Schaffung des Glasfasernetzes durch das Tochterunternehmen Buchholz digital.

In der Sitzung verabschiedete der Klimabeirat zudem seine neueste Stellungnahme zum Thema „Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen“ und beschloss, auch zum Thema „Strom“ eine weitere Stellungnahme zu erarbeiten, die aufgrund der bevorstehenden Kommunalwahl abweichend im Umlaufverfahren beschlossen werden soll. 

Die nächste Sitzung des Buchholzer Klimabeirats am Montag, 23. November, ab 19 Uhr in der Rathauskantine steht unter dem Oberthema „Verkehr“.

Dr. Christian Kuhse, Geschäftsführer Stadtwerke Buchholz | Foto: Stadt Buchholz
Carolin Dähling | Foto: Stadt Buchholz
Der Klimabereit tagte zum Thema "Strom" | Foto: Stadt Buchholz
Redakteur:

Stefanie Hansen aus Buchholz

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