"Wir brauchen einen Systemwandel"

Svenja Stadler

Interview mit der Bundestagsabgeordneten Svenja Stadler (SPD) zum Gesundheitssystem

(os/nw). Seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (38, CDU) viele neue Gesetze auf den Weg gebracht. Hat das etwas gebracht? Im WOCHENBLATT-Interview nimmt Svenja Stadler (42), Bundestagsabgeordnete der SPD, Stellung zum aktuellen Gesundheitssystem.
WOCHENBLATT: Wie gesund ist unser deutsches Gesundheitssystem?
Svenja Stadler: Unser Pflege- und Gesundheitssystem droht zu kollabieren. Gesetzlich Versicherte warten oft Monate auf einen Facharzttermin, und es gibt viel zu wenig qualifizierte Pflegekräfte. Darüber hinaus stehen uns aufgrund des demografischen Wandels und des medizinisch-technischen Fortschritts große finanzielle Belastungen bevor. Es bedarf daher eines grundlegenden Systemwechsels.
WOCHENBLATT: Wie sieht Ihrer Meinung nach das Gesundheitssystem der Zukunft aus?
Stadler: Wir brauchen unbedingt einen schnelleren Zugang zu Facharztterminen, höhere Vergütungen für Pflegeleistungen, flächendeckende Tarifverträge und eine solide Finanzierung der Pflegekasse. Fest steht, dass, wenn der Dienst am Menschen unter wirtschaftlichen Druck gerät, dem schleunigst etwas entgegengesetzt werden muss. Und dem Fachkräftemangel kann nur gegengesteuert werden, indem wir für den Pflegeberuf bessere Voraussetzungen schaffen – beispielsweise auch durch eine spürbare Entbürokratisierung.
WOCHENBLATT: Wo sehen Sie aktuell im Landkreis Harburg akuten Handlungsbedarf?
Stadler: Der Landkreis Harburg ist grundsätzlich mit den beiden Krankenhäusern in Winsen und Buchholz gut aufgestellt. Dennoch: Die Krankenhäuser sind einer zunehmend restriktiven Rechnungsprüfungspraxis der Krankenkassen ausgesetzt und es werden oftmals komplexe, hochwertige Krankenhausleistungen in Frage gestellt. Im Prüffokus der Krankenkassen standen zuletzt vor allem Leistungen, die sich auf die Behandlung von Schlaganfällen, auf die geriatrische Frührehabilitation und auf die intensivmedizinischen Behandlungen beziehen. Von dem, was mir aus einzelnen Pflegeheimen im Landkreis vor allem von Angehörigen von Bewohnern zugetragen wird, will ich gar nicht erst anfangen. Das ist beschämend.
WOCHENBLATT: Wie sieht es mit dem Fachkräftemangel im Gesundheitssystem aus?
Stadler: Auch der Fachkräftemangel macht sich in unserem Landkreis bemerkbar. Vor Kurzem kam eine Bürgerin auf mich zu, die gemeinsam mit anderen Menschen regelmäßig Sport in einer Herzsportgruppe betreibt. Da der Gruppe aktuell kein betreuender Arzt zur Verfügung steht, kann sie nicht mehr aktiv sein. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Hausarztversorgung in unserer ländlichen Region dürftig ist. Ein optimaler Zugang zur medizinischen Versorgung sieht anders aus. Das Gesundheitswesen braucht eine bessere Steuerung. Es wird Zeit für einen neuen Ansatz.
WOCHENBLATT: Frau Stadler, vielen Dank für das Gespräch.

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