Goldgräberstimmung wegen Corona-Masken
Buchholzer Unternehmer spricht über chaotische Zustände

Patrick Linder mit einem Karton Schutzmasken. Diese werden auch an Privatpersonen verkauft
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os. Buchholz. Anfang April entfachte das Bundesgesundheitsministerium in Deutschland so etwas wie eine Goldgräberstimmung: Es schrieb die Lieferung von FFP2-Schutzmasken aus, um in der Corona-Krise nach der Einführung der Maskenpflicht in nahezu allen öffentlichen Räumen der Knappheit von Mund-Nasen-Schutz gerade im medizinischen Bereich Herr zu werden. Die Folge des sogenannten "Open-House"-Verfahrens war, dass "alle wie wild losgelegt haben", sagt Patrick Linder. Der Unternehmer aus Buchholz beteiligte sich an dem Bieterverfahren und berichtet von mitunter chaotischen Verhältnissen, die offenbar einige Gewinner und viele Verlierer hervorgebracht haben.

Durch ihre Kontakte in die Textilindustrie in China hatte die Firma Linder, die im Buchholzer Gewerbegebiet am Trelder Berg beheimatet ist, Zugang zu Produzenten von medizinischen FFP-2-Masken, die in der Corona-Krise vor allem im medizinischen und Pflegesektor dringend benötigt wurden und bis heute werden. Deshalb bot das Unternehmen mit. Wegen der genannten Frist bis zum 30. April habe man insgesamt nur 40.000 Masken angeboten, die zudem CE-zertifiziert sind. Dabei hatte es von Seiten des Bundesgesundheitsministeriums zunächst geheißen, dass auch eine chinesische Qualitätsnorm reiche.

Rennen um verfügbare Masken

Zwei Wochen später - nach Erteilung des Zuschlags - forderte das Ministerium die schärfere, und erheblich teurere, CE-Zertifizierung (alternativ ein Schnelltest der DEKRA oder DGUV) für die Masken nach und verlängerte gleichzeitig die Frist für die Lieferung. Das führte zu einem regelrechten Rennen um verfügbare Masken. Patrick Linder verweist auf die Mail eines anderen Bieters, der sich in Buchholz meldete: Er benötige innerhalb von nicht einmal zwei Wochen 1,2 Millionen FFP-2-Masken, die er dem Bundesgesundheitsministerium verkauft hatte - offenbar ohne selbst über die Lieferkapazitäten zu verfügen.

Viele Bürger ein gutes Geschäft gemacht

Viele Bürger hatten dafür offenbar gezielt eine haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft (UG) mit geringem Kapitaleinsatz gegründet. Bei einem Einkaufspreis von etwa 2,50 Euro pro Maske für nicht zertifizierte Ware (echte CE-zertifizierte Masken liegen bei ca. vier Euro/Stück), die bereits geliefert worden waren, und einem durch das Ministerium garantierten Preis von 4,50 Euro pro Maske haben viele Bürger ein gutes Geschäft gemacht: "Da der Bund keine hundertprozentige Kontrolle der gelieferten Masken gewährleisten konnte, dürften viele schwarze Schafe über Nacht zu Millionären geworden sein", erklärt Patrick Linder. Zudem habe das Verfahren mutmaßlichen Betrügern Tür und Tor geöffnet. Er mutmaßt, dass derzeit für 95 Prozent der im Markt befindlichen Masken kein CE-Zertifikat, sondern nur gefälschte Unterlagen oder Zertifikate einer nicht für Schutzmasken zugelassenen Zertifizierungsstelle vorliegen.

Zentrale Eingangsprüfung in Thüringen

Ein weiteres Problem für alle Bieter, auch für Linder, gab es durch die Organisation des Lieferprozesses sowie Zollbestimmungen: Alle Lieferanten sollten zum Stichtag 30. April an ein einziges Logistikzentrum in Thüringen liefern, um dort eine zentrale Eingangsprüfung vorzunehmen. Gleichzeitig hielt der Zoll Lieferungen zurück, weil er angeblich keine Teillieferungen weiterschicken konnte, die Ware aus China aufgrund chaotischer Verhältnisse in der Luftfracht aber nur kartonweise geliefert wurde. Um seine Kunden, die händeringend auf die Masken warteten, die über Tagen beim Zoll in Leipzig lagen, endlich beliefern zu können, wandte Linder sich an den CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Grosse-Brömer. Dieser stellte den Kontakt zu den zuständigen Stellen beim Zoll her, tatsächlich erhielt Linder wenig später seine Masken, die er u. a. an die Krankenhäuser in Winsen und Buchholz weitergab. Grosse-Brömer betont, dass er gerne geholfen habe: „Gerade die vergangenen Wochen haben einmal mehr verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass die Menschen vor Ort einen Abgeordneten haben, den Sie unmittelbar erreichen und ansprechen können. So kann man einerseits konkret helfen und andererseits die Probleme der Menschen im Wahlkreis in Berlin schildern.“

Patrick Linder hat nach Einschaltung eines Anwalts mittlerweile die Masken bezahlt bekommen. Andere Lieferanten warten nach einem Bericht der Bild-Zeitung noch auf das Geld aus Berlin, sodass jetzt mehrere Bieter das Bundesgesundheitsministerium verklagt haben. Ausgang offen.

Corona und der Datenschutz: Adresslisten dürfen nicht offen ausliegen
Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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