Massenrausch in Handeloh: "Ich hielt die Kapseln für harmlos"

Stefan S. wusste angeblich nicht, dass die Psycho-Droge mittlerweile verboten ist    Fotos: archiv/dpa
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Blaulicht-Meldungen der letzten Tage

Blaulicht

Schläge mit Schlagstöcken und Holzlatten
Neue Erkenntnisse zur Massenschlägerei in Stade

(pau/jd). Blutüberströmte Männer hinter einer Sporthalle, brutale Schläger und ein Großeinsatz der Polizei: An der Berufsbildenden Schule III geriet am vergangenen Wochenende ein Streit beim Freizeitfußball völlig außer Kontrolle. Am Ende gab es mindestens sechs Verletzte, vier von ihnen mussten ins Krankenhaus. Und Stade steht erneut vor der Frage: Warum eskalieren Konflikte in der Hansestadt immer wieder derart heftig? Kurz vor 22 Uhr gingen mehrere Notrufe bei der Polizei ein. Zeugen...

Blaulicht

Zeugen gesucht
Einbrecher in Seevetal hebeln Terrassentür auf

Unbekannte Täter sind am Dienstag, 13. Oktober, in eine Wohnung eines Mehrfamilienhauses an der Bürgermeister-Heitmann-Straße in Seevetal eingebrochen. Die Tat ereignete sich zwischen 13 und 20 Uhr. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei gelangten der oder die Täter vermutlich über den von einer hohen Hecke umgebenen Garten auf die Terrasse der Wohnung. Dort hebelten sie mit einem unbekannten Werkzeug die Terrassentür auf und verschafften sich so Zutritt. Anschließend durchsuchten sie die...

Blaulicht

Schwerer Verkehrsunfall
Transporter prallt bei Tönnhausen gegen Baum – Fahrer verletzt

Auf der Kreisstraße 2 bei Tönnhausen hat sich am Dienstagmorgen gegen 6 Uhr ein schwerer Verkehrsunfall ereignet. Am Ortsausgang in Richtung Hunden streifte der Fahrer eines Mercedes-Benz Sprinters aus bislang ungeklärter Ursache einen Baum. Anschließend kam der Transporter am Fahrbahnrand zum Stehen. Da zunächst vermutet wurde, dass der Fahrer in seinem Fahrzeug eingeklemmt sei, wurden neben dem Rettungsdienst die Feuerwehr Tönnhausen sowie das Hilfeleistungslöschfahrzeug und der Rüstwagen der...

Blaulicht

Streit in Stade-Bützfleth eskaliert
Polizeihund beißt 40-Jährigen

Schon wieder ist ein Streit in Stade eskaliert: Nachdem es erst am vergangenen Freitagabend eine große Schlägerei mit 50 Beteiligten und mehreren Verletzten gegeben hat, ist es am Dienstagnachmittag zwischen zwei Familien in Stade-Bützfleth zu einem Streit gekommen. Die Polizei rückte mit sechs Streifenwagen zu einer Auseinandersetzung aus, an der zunächst rund 15 Menschen beteiligt waren. Als ein 40-Jähriger trotz mehrfacher Warnungen versuchte, an den Beamten vorbeizukommen, wurde ein...

Blaulicht
Der Rettungskräfte ließ die eingeschlossenen Personen aus dem Fahrstuhl | Foto: Feuerwehr Buchholz
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Buchholz
Aufwändige Rettung aus Aufzug am Bahnhof Buchholz

Am frühen Donnerstagabend, 15. Oktober,  wurden zuerst die Werkfeuerwehr der Deutschen Bahn und darauffolgend auch die Feuerwehr Buchholz und der Rettungsdienst zum Bahnhof in Buchholz alarmiert. In einem der Aufzüge die Reisende zu den Bahnsteigen befördern sollen, kam es zu einem technischen Defekt. Der Aufzug steckte mit sieben Personen zwischen den Etagen fest und ließ sich durch die Feuerwehr nicht mehr bewegen. Auch ein hinzugerufener Techniker konnte den Aufzug nicht in eine korrekte...

Blaulicht
Der Landkreis hatte am 1. Oktober zunächst einen Blitzer-Anhänger in Höhe des Friedhofs in Richtung Heidekreis aufgestellt | Foto: bim
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Welle
Nach tödlichem Unfall auf B3 - Behörden planen erste Verkehrssicherheitsmaßnahmen

Nach dem tödlichen Unfall am 18. September an der B3 in Welle gab es am Freitag, 9. Oktober 2026, einen Ortstermin mit Vertretern der Verkehrsbehörde des Landkreises Harburg, des Straßenbaulastträgers (Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Lüneburg) und der Polizei. "Wir haben uns ein umfassendes Bild der Lage vor Ort verschafft und insbesondere auch die Forderungen der Gemeinde Welle sowie der Anwohnerinnen und Anwohner berücksichtigt", teilt der Landkreis mit.  Dabei wurden sofortige und...

Blaulicht
Eine verletzte Person wird zur medizinischen Versorgung gebracht | Foto: DLRG
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Von der Autobergung bis zur Personensuche
Großeinsatz im Alten Land: 115 Retter proben den Katastrophenfall

Vermisste Menschen auf der Elbinsel Lühesand, versunkene Container nach einem Starkregen, eine Evakuierung über die Lühe und ein schwerer Unfall an einem Baggersee: Was nach einer ganzen Serie dramatischer Ereignisse klingt, war glücklicherweise nur eine Übung. Bei der groß angelegten Katastrophenschutzübung stellten 115 ehrenamtliche Einsatzkräfte aus dem Landkreis Stade ihr Können an verschiedenen Schauplätzen im Alten Land unter Beweis. Beteiligt waren der DLRG-Wasserrettungszug aus dem...

Blaulicht
Der Wagen des 50-jährigen Buxtehuders überschlug sich | Foto: Polizeiinspektion Stade
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Sekundenschlaf am Steuer
Auto überschlägt sich in Sauensiek, Fahrer schwer verletzt

Sekundenschlaf mit schweren Folgen: Ein 50-jähriger Autofahrer aus Buxtehude ist am Mittwochnachmittag in Sauensiek gegen eine Ampelanlage geprallt und hat sich mit seinem Nissan überschlagen. Der Wagen blieb auf der Fahrerseite liegen. Der schwer verletzte Mann konnte sich nicht selbst befreien. Gegen 16.15 Uhr war der Buxtehuder mit seinem Nissan Qashqai auf der Hauptstraße aus Richtung Beckdorf unterwegs. Nach Angaben der Polizei schlief er offenbar für einen kurzen Moment am Steuer ein und...

Blaulicht

Fall von "schwerer Kindesmisshandlung"
Sechsfachmord von Stade: Gutachten bestätigt Schütteltrauma bei Baby

Es gibt neue Erkenntnisse zur Vorgeschichte der Stader Bluttat vom 29. Juni mit sechs Toten: Bereits im April vermuteten Ärzte eine schwere Misshandlung der kleinen Tochter des mutmaßlichen Täters Fatih G. Die Eltern bestritten die Vorwürfe. Jetzt erhärtet ein medizinisches Gutachten den damaligen Verdacht. Auch die Rolle der mutmaßlichen Fluchtwagenfahrerin wirft weiterhin Fragen auf. Es war offenbar der Ausgangspunkt einer verhängnisvollen Entwicklung, die in einer unfassbaren Gewalttat...

Blaulicht

Feuerwehr-Nachwuchs in Oldendorf-Himmelpforten
29 Einsatzkräfte bestehen QS1-Prüfung

Erfolgreicher Abschluss der Feuerwehr-Grundausbildung: 29 Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner aus der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten haben den Kompetenznachweis der Qualifikationsstufe Einsatzfähigkeit (QS1) bestanden. Damit haben sie einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur voll ausgebildeten Feuerwehreinsatzkraft geschafft. Große Freude bei den Freiwilligen Feuerwehren der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten: Nach einer mehrwöchigen Ausbildung und einem abschließenden Prüfungstag haben...

bc. Handeloh/Stade. Bundesweit machte der Massenrausch von Handeloh (Landkreis Harburg) im September 2015 Schlagzeilen. Am Donnerstag begann nun vor dem Landgericht Stade der Prozess gegen den Veranstalter des Seminars, in dem es vor allem um Bewusstseinserweiterung gehen sollte. Weil Stefan S. dafür auch Drogen mitbrachte, lief das Seminar vollends aus dem Ruder. Letztlich mussten alle 27 Teilnehmer und der Angeklagte ins Krankenhaus.

Der Schwurgerichtssaal ist voll besetzt, einige damalige Seminarteilnehmer schauen sich die Verhandlung an. Stefan S. (52), äußerlich Typ Öko mit Stoffhose und Mokassins, muss sich wegen des Besitzes und Überlassens von Betäubungsmitteln zum unmittelbaren Verbrauch verantworten. Mit sanfter, ruhiger Stimme holte der Beschuldigte zu einer langen Erklärung aus. Seine ihm wichtigste Botschaft: „Meine Unachtsamkeit und dass ich das Vertrauen der Teilnehmer enttäuscht habe, ist für mich persönlich das Schlimmste.“

Was war passiert? Der angeklagte Psychotherapeut aus der Nähe von Aachen erklärt das Geschehene aus seiner Sicht. Zum Seminar in dem Tagungszentrum „Tanzheimat Inzmühlen“ habe er 30 Kapseln des Amphetamins 2C-E in „niedriger Dosis“ (zehn Milligramm) mitgenommen. So dachte er nach seinen Angaben zumindest. Wie sich herausstellte, waren die Pillen jedoch mit der Chemikalie „Bromo-DragonFLY“ versetzt, die eine halluzinogene und psychedelische Wirkung hat. „Mein Fehler war es, dass ich mich auf die Angaben des Verkäufers verlassen habe“, sagt Stefan S.

Die Folge: Alle Teilnehmer, darunter Ärzte, Unternehmer, Erzieher, Informatiker und Heilpraktiker, litten unter Krampfanfällen, Atemnot, Paranoia oder Halluzinationen. Den mehr als 160 Rettern bot sich ein dramatisches Bild.

So einen Großeinsatz wie im September 2015 gab es in der Region wohl noch nie. Fast 30 Menschen krümmen sich vor Schmerzen auf dem Rasen des Tagungszentrums „Tanzheimat Inzmühlen“ in Handeloh, halluzinieren, schreien, sind teilweise nackt, bewusstlos oder extrem aggressiv.

Der Hanstedter Arzt Jörn Jepsen, der als erster Notarzt vor Ort war und jetzt auch als Zeuge vor Gericht aussagte, schilderte damals dem WOCHENBLATT die Situation: „Bei unserem Eintreffen lagen mehrere Personen auf dem Rasen, andere im Seminarraum, niemand war mehr ansprechbar.“ Einige der Betroffenen hätten wirres Zeug geredet, andere seien tief bewusstlos gewesen. „Wir hatten den Eindruck, als wenn die Personen massiv unter Drogen gestanden hätten, das war ein dramatisches Bild“, so Jepsen. Bei einigen Personen hätte die Gefahr eines Atemstillstandes bestanden.

Das Tagungszentrum „Tanzheimat Inzmühlen“ glich einem Tollhaus. Schnell war klar: Hier kann es sich nur um einen Drogen-Missbrauch handeln. Seit Donnerstag muss sich nun der Seminarleiter, Psychotherapeut Stefan S., vor dem Stader Landgericht verantworten. Er räumt die Vorwürfe ein, gibt sich reuig - mit kleinen Einschränkungen.

Bereits 2013 habe er die mittlerweile verbotene Substanz 2C-E bei einem Bekannten „legal“ erworben. Wer der Verkäufer war, will Stefan S. nicht verraten. „Ich hielt die Kapseln für harmlos. Zehn Milligramm verursachen keinen Rausch. Ich hätte aber wissen müssen, dass sie inzwischen verboten sind“, so der Angeklagte vor Gericht, bei dem auch ein Fläschchen LSD gefunden wurde, das aber nicht zum Einsatz gekommen sein soll.

Die freiwillige Einnahme der 2C-E-Kapseln - sie sollten der Wahrnehmungs-Erweiterung dienen - hätte er den Teilnehmern zuvor erläutert. Als die Seminar-Teilnehmer die Drogen einwarfen, seien er und seine Frau auf einem einstündigen Spaziergang in der Heide gewesen. Nachdem sie zurückkehrten, trank er nach seinen Angaben Wasser aus einer Karaffe. „Dem Wasser muss auch etwas 2C-E beigemischt gewesen sein“, sagte Stefan S..

Die Einnahme der Substanzen sei nur ein Baustein in dem Seminar gewesen, das ansonsten von vielen gruppendynamischen Elementen geprägt sei. So wurden z.B. Teilnehmer mit verbundenen Augen von einer Begleitperson durch den Wald geführt. „Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters, ob er denn noch einmal ein solches Seminar anbieten würde, antwortete Stefan S.: „Nein, nie wieder.“

Für die Sachschäden an der Tanzheimat sei er aufgekommen. Nach dem Vorfall in Handeloh sei sein Ruf als Psychotherapeut ruiniert. Er arbeite nur noch „minimalst“ in der Therapie. Womöglich werde die Kammer nach einem Urteil seine Zulassung überprüfen. 130.000 Euro Schulden bei Freunden und Banken hätten sich mittlerweile angehäuft. „Ein finanzielles Desaster“, so der nicht vorbestrafte Angeklagte.

Ursprünglich war auch die Frau von Stefan S. mitangeklagt. Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft Stade wurde das Verfahren aber gegen die Zahlung einer Geldbuße eingestellt.

Die Betreiberin der Tanzheimat, Stefka Weiland, sagte am ersten Prozesstag als Zeugin aus. Sie bestätigte, dass sie Stefan S. schon vor dem „Unfall“ drei Jahre gekannt habe. Er und seine Frau hätten bereits öfter Seminare in Handeloh veranstaltet. Noch heute spürt sie bei Buchungen die Nachwirkungen des Dramas. Das Internet vergisst nicht.
Der Prozess wird am 22. November fortgesetzt (9.15 Uhr). Übrigens: Von den Seminar-Teilnehmern wird keiner vor Gericht aussagen.

2C-E alias Aquarust

Stefan S. ist nach eigenen Worten ein Befürworter des umstrittenen Verfahrens der Psycholyse. Dahinter steckt die Einnahme von Rauschgift bei der Heilung von Traumata. Drogen sollen die Seele öffnen und Ängste bezwingen. Dabei kommt auch 2C-E alias Aquarust zum Einsatz. In Deutschland ist die Methode verboten.
In Handeloh habe er keine Psycholyse durchgeführt, betonte Stefan S. vor Gericht. „Ich erkenne jedoch das Bedürfnis des Menschen nach Bewusstseinserforschung an. Bei dem Seminar hätte ich das Mittel aber auch weglassen können“, so der Angeklagte.

Stefan S. wusste angeblich nicht, dass die Psycho-Droge mittlerweile verboten ist    Fotos: archiv/dpa
Mehr als 160 Rettungskräfte kümmerten sich bei dem Großeinsatz in Handeloh-Inzmühlen um die Seminarteilnehmer
Redakteur:

Björn Carstens aus Buxtehude

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