800 Kilometer für eine süße Fracht
Buxtehuder und Buchholzer holen Schokolade mit dem Fahrrad
- Die Teilnehmer der Schokofahrt mit ihren Rädern (v. li.): Karl-Heinz Stöver, Sabine Pritzkow, Jan Fischbach, Ilona Scheller und Klaus Peeters in Amsterdam am Eingang zum Firmengelände der Chocolatemakers
- Foto: Karl-Heinz Stöver/Buchholz fährt Rad
- hochgeladen von Nicola Dultz
Neun Tage, fünf Radfahrer und rund 100 Kilogramm Schokolade: Karl-Heinz Stöver und Jan Fischbach aus Buxtehude, Klaus Peeters aus Dannenberg sowie Sabine Pritzkow und Ilona Scheller aus Buchholz haben sich auf eine besondere Reise nach Amsterdam begeben. Ihr Ziel: nachhaltig hergestellte Schokolade, die jetzt auch im Buxtehuder Weltladen und im Buchholzer Reformhaus Dreyer angeboten wird.
Für eine gute Tafel Schokolade kann man schon mal ein paar Kilometer zurücklegen. Jan Philip Fischbach (44) aus Buxtehude hat es gleich auf die Spitze getrieben: Rund 800 Kilometer legte er mit dem Fahrrad zurück, um in Amsterdam Schokolade abzuholen. Vier Tage hin, ein Tag Pause und vier Tage zurück – und das alles für den guten Geschmack und den Klimaschutz. „Sehr leckere Schokolade, sehr schöne Strecken. Mache ich wieder“, lautet sein begeistertes Fazit.
Zum ersten Mal nahm der gelernte Bootsbauer an der besonderen Schokoladen-Radtour teil, die einmal jährlich von der Initiative „Buchholz fährt Rad“ organisiert wird. Gemeinsam mit vier weiteren Radfahrern, Karl-Heinz Stöver aus Buxtehude, Klaus Peeters aus Dannenberg sowie Sabine Pritzkow und Ilona Scheller aus Buchholz machte er sich auf den Weg in die Niederlande.
Mit Muskelkraft statt Lieferwagen
Die fünfköpfige Gruppe war mit Lastenrädern, Tourenrädern und E-Bikes unterwegs. Auf dem Rückweg transportierten die Teilnehmer insgesamt rund 100 Kilogramm Schokolade. Fischbach selbst setzte auf sein Tourenrad – ganz ohne elektrische Unterstützung.
„Ich hatte anfangs Sorge, dass ich mit meinem Tourenrad nicht mit den E-Bikes mithalten könnte“, erzählt der 44-Jährige. Doch die Bedenken erwiesen sich als unbegründet. „Es hat alles super geklappt und richtig Spaß gemacht.“
Radfahren gehört für den Buxtehuder ohnehin zum Alltag. Ein Auto besitzt er nicht. Stattdessen erledigt er möglichst viele Wege auf zwei Rädern. Beruflich arbeitet der gelernte Bootsbauer als Minijobber beim TSV Immenbeck. Ehrenamtlich engagiert er sich in Fahrradwerkstätten und für den Buxtehuder Ewer „Margareta“.
100 Kilometer täglich – und jede Menge schöne Strecken
Etwa 100 Kilometer standen täglich auf dem Programm. Meist startete die Gruppe gegen 8.30 Uhr. Um 10 Uhr gab es eine erste Pause, gegen 13 Uhr wurde zu Mittag gegessen und gegen 17 Uhr stand das Abendessen an.
Übernachtet wurde unter anderem im Dreimädelhaus in Kirchseelte, in Holthausen bei Lingen, im niederländischen Deventer und in Weesp bei Amsterdam.
Auch das Wetter spielte mit: Nur an einem Tag mussten die Radfahrer etwas Regen in Kauf nehmen. Ansonsten konnten sie die abwechslungsreichen Strecken und die gemeinsame Fahrt genießen.
Vom Segelschiff aufs Fahrrad: Schokolade mit besonderer Geschichte
Doch was macht die Schokolade so besonders, dass Menschen dafür Hunderte Kilometer in die Pedale treten? Die Antwort liegt in ihrer Herstellung und ihrem Transport.
Die Bio-Schokolade stammt von den Chocolatemakers. Das Unternehmen arbeitet mit Kakaokooperativen in mehreren Ländern zusammen, darunter Peru, Brasilien, Kolumbien und die Dominikanische Republik. Nach eigenen Angaben setzt es auf faire Bezahlung, ökologische Herstellung und einen möglichst ressourcenschonenden Umgang mit Rohstoffen.
Ein Teil der Kakaobohnen gelangt mit dem Frachtsegler „Tres Hombres“ aus der Karibik nach Amsterdam. Dort werden die Bohnen in einer solarbetriebenen Manufaktur zu Schokolade verarbeitet. Den Weitertransport übernehmen freiwillige Radfahrer. So soll gezeigt werden, dass Waren auch ohne dieselbetriebene Lieferfahrzeuge transportiert werden können.
Die Idee der sogenannten Schokofahrt entstand 2017 in Münster und hat inzwischen zahlreiche Nachahmer gefunden. Der Verein Buchholz fährt Rad beteiligt sich seit Jahren an der Aktion. "Uns ist es auch ein Anliegen, mit der Schokofahrt darauf aufmerksam zu machen, wie eine Tafel Schokolade entsteht und welche Wege dabei zurückgelegt werden“, sagt Peter Eckhoff, Vorsitzender von Buchholz fährt Rad, der schon selbst einige Male auf Schokofahrt war.
Besondere Schokolade jetzt im Weltladen Buxtehude und Reformhaus Dreyer in Buchholz
Die Schokolade wird unter anderem im Weltladen Buxtehude und im Reformhaus Dreyer in Buchholz angeboten. Eine weitere Besonderheit ist, dass sie keinen zugesetzten Zucker enthält und die ganze Kakaobohne verarbeitet wurde.
Für Jan Philip Fischbach war die Reise weit mehr als eine sportliche Herausforderung. Sie verband seine Begeisterung fürs Radfahren mit der Möglichkeit, nachhaltigen Handel ganz praktisch zu unterstützen. Und nach 800 Kilometern im Sattel steht für ihn fest: Es war bestimmt nicht seine letzte Schokofahrt.
Was ist die Schokofahrt und warum radeln Menschen von Buxtehude und Buchholz bis nach Amsterdam?
Die Schokofahrt ist eine Initiative, bei der freiwillige Radfahrer nachhaltig produzierte Schokolade aus Amsterdam ohne Lieferwagen nach Deutschland transportieren. Jan Philip Fischbach und Karl-Heinz Stöver aus Buxtehude, Klaus Peeters aus Dannenberg sowie Sabine Pritzkow und Ilona Scheller aus Buchholz legten dafür rund 800 Kilometer in neun Tagen zurück.
Wo gibt es die nachhaltig transportierte Schokolade aus Amsterdam zu kaufen?
Die Schokolade der Chocolatemakers ist unter anderem im Weltladen Buxtehude sowie im Reformhaus Dreyer in Buchholz erhältlich. Sie wird aus fair gehandelten Kakaobohnen hergestellt, enthält keinen zugesetzten Zucker und verarbeitet die gesamte Kakaobohne.
Wie verlief die Schokofahrt von Buxtehude und Buchholz nach Amsterdam?
Die fünf Radfahrer waren insgesamt neun Tage unterwegs: vier Tage bis Amsterdam, ein Ruhetag und vier Tage zurück. Pro Tag legten sie etwa 100 Kilometer zurück und transportierten auf dem Rückweg rund 100 Kilogramm Schokolade mit Lastenrädern, Tourenrädern und E-Bikes.
Warum gilt die Schokolade der Chocolatemakers als besonders nachhaltig?
Die Chocolatemakers beziehen Kakao von Kooperativen unter anderem aus Peru, Brasilien, Kolumbien und der Dominikanischen Republik. Ein Teil der Kakaobohnen wird mit dem Frachtsegler „Tres Hombres“ aus der Karibik nach Amsterdam gebracht, dort in einer solarbetriebenen Manufaktur verarbeitet und anschließend von freiwilligen Radfahrern emissionsarm weitertransportiert.
Wer organisiert die Schokofahrt von Buchholz und Buxtehude?
Die Tour wurde von der Initiative „Buchholz fährt Rad“ organisiert. Der Verein beteiligt sich seit Jahren an der bundesweiten Schokofahrt. Vorsitzender Peter Eckhoff betont, dass die Aktion nicht nur nachhaltigen Transport ermöglicht, sondern auch über die Herkunft und Herstellung von Schokolade informiert.
Wer ist Jan Philip Fischbach aus Buxtehude?
Jan Philip Fischbach (44) aus Buxtehude nahm 2026 erstmals an der Schokofahrt teil. Der gelernte Bootsbauer besitzt kein Auto, erledigt seine Wege überwiegend mit dem Fahrrad, arbeitet als Minijobber beim TSV Immenbeck und engagiert sich ehrenamtlich in Fahrradwerkstätten sowie für den Buxtehuder Ewer „Margareta“.
Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
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