FSJler arbeitet mit Geflüchteten

Luca Jäger absolviert sein Freiwilliges Soziales Jahr bei der AWO Migrationsberatung Foto: tk
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Wie ein Freiwilliges Soziales Jahr den Blick auf ein großes gesellschaftliches Thema verändert tk. Buxtehude. "Jeder hat zu diesem Thema eine Meinung, doch wirklichen Einblick haben die wenigsten", sagt Luca Jäger (20). Er meint damit das, was im allgemeinen  Sprachgebrauch das große Thema Flüchtlinge und Integration betrifft. Weil er sich seine Meinung auf Faktenbasis bilden wollte, hat der junge Buxtehuder eine ganz bewusste Entscheidung getroffen: Er absolviert sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in der AWO Migrationsberatung. Seit Sommer 2018 ist er dabei und hat seine Entscheidung noch keine Minute bereut.

"Ein politisch interessierter Mensch war ich schon immer", sagt Luca Jäger. Mit dem Fachabi in der Tasche und der Frage im Kopf, wie es weitergeht, hat er sich bei der AWO beworben. Anfangs hat er bei Beratungen hospitiert und die Abläufe im Buxtehuder AWO-Büro kennengelernt. Und schon nach kurzer Zeit bekam Luca Jäger die Chance, in die praktische Arbeit einzusteigen. Für einen Deutschkursus wurde Hilfe gebraucht. Inzwischen bietet er den Deutschkursus, ein offenes Angebot für geflüchtete Frauen, alleine an. "Diese Tätigkeit macht sehr viel Spaß", sagt der FSJler. Ein eigenes Projekt zu haben, sei super.

Arbeit bedeutet das aber auch. "Man sollte schon gut vorbereitet sein", sagt Luca. Was will ich wie unterrichten, welche Arbeitsbögen sind die richtigen? Wobei der FSJler als Deutschlehrer flexibel sein muss. "Wenn ich merke, dass es nicht gut läuft, brauche ich schnell Ideen für ein bis zwei andere Wege." Das Ziel des Kurses ist es, dass sich die Frauen besser im Alltag in Deutschland zurechtfinden. Das Feedback der Teilnehmerinnen zeige, dass sie das Gefühl haben, voranzukommen.

Weit über die praktische Arbeit hinaus hat Luca Jäger viele neue Eindrücke gewonnen, die ihm einen anderen Eindruck als vor Beginn des FSJ ermöglichen. "Probleme sind mir sehr viel bewusster geworden", sagt er. Geflüchtete würden häufig "viel Gegenwind" bekommen. Auf der anderen Seite würden aber auch viele Menschen mit falschen Vorstellungen nach Deutschland kommen. Es sei schließlich nicht richtig, dass hier jeder sehr schnell eine Arbeit finden könne. Wer unbedingt arbeiten wolle, um auf eigenen Füßen zu stehen, für den sei es "psychisch sehr belastend", das häufig nicht zu dürfen. "Viele der Geflüchteten müssen sich an die Bürokratie in Deutschland erst gewöhnen", sagt Luca Jäger.

Die Menschen schneller in einen Job zu bringen, sei eine vordringliche Aufgabe, zieht der FSJler als ein Fazit seiner bisherigen Arbeit. "Es gibt eine Vielzahl von Menschen, die etwas zurückgeben möchten, das aber nicht können." Sie steckten im bürokratischen Dickicht zwischen Jobcenter und Ausländerbehörde.
Anderen Schulabgängern rät Luca, über ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Flüchtlingsarbeit nachzudenken. Eben weil fast jeder Mensch eine Meinung zu diesem Thema hat, die meisten aber keinen Geflüchteten persönlich kennen. "Ich habe meinen eigenen Blick bekommen, der sich auf Erfahrungen gründet."

Autor:

Tom Kreib

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