Von "Schwachsinn" bis "endlich" - Das sagen Buxtehuder zum neuen Rad-Verkehrskonzept auf dem Ottensener Weg

Der Autofahrer überholt die Radfahrerin. An dieser Stelle ist der Ottensener Weg so schmal, dass nur rechts ein Schutzstreifen ist. Links sind Piktogramme  Foto: wd
  • Der Autofahrer überholt die Radfahrerin. An dieser Stelle ist der Ottensener Weg so schmal, dass nur rechts ein Schutzstreifen ist. Links sind Piktogramme Foto: wd
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 "Was halten Sie von dem neuen Radverkehrskonzept auf dem Ottensener Weg"?" wollte das WOCHENBLATT von den Lesern wissen, nachdem eine Redakteurin vor zwei Wochen auf Einladung der Hansestadt Buxtehude mit Vertretern der Stadt von Ottensen bis zur Rennbahn geradelt ist und über das neue Konzept berichtet hatte. Dem Aufruf, von ihren Radfahr-Erlebnissen zu berichten, sind zahlreiche WOCHENBLATT-Leser aus Buxtehude gefolgt.
Was WOCHENBLATT-Leser zum Rad-Verkehrskonzept sagen (die Texte sind z.T. gekürzt):
Michael Guth: "Das Thema wurde mit unseren Nachbarn bereits heiß diskutiert. Das Ergebnis ist allerdings eindeutig: Daumen runter. Verkehr sollte einfach, klar und sicher geregelt sein. Wer sich die Malerei auf der Straße anguckt, fragt sich: Was soll das? Mal Schutzstreifen, mal nur Fahrrad auf dem Asphalt gemalt. Mal auf der Straße fahren und dann wieder auf dem Weg. Die Buxtehuder Verkehrspolitik ist in meinen Augen weiterhin mangelhaft."
Günter Gumprecht: "Das Radweg-Konzept ist in meinen Augen Steuergeldverschwendung. Bis vor Kurzem reichten Fuß- und Radwege am Ottensener Weg noch völlig aus. Hat die Anzahl von Fußgängern und Fahrradfahrern so zugenommen? Wohl eher unwahrscheinlich und dazu hinaus noch extrem gefährlich für alle Beteiligten, zumal zu Stoßzeiten hohes Verkehrsaufkommen herrscht. Fazit: Da haben sich wieder Theoretiker was ausgedacht, um sich zu profilieren."
Michael Gwiasda: "Was für ein Schwachsinn, diese Radführung, und dafür Geld auszugeben. Ohnehin ist der Verkehrsfluss durch die ganzen Neubaugebiete kaum noch möglich, insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten, zu denen man kaum aus Buxtehude rauskommt. Des Weiteren sind die Fußgänger-Wege gerade in diesen Bereich so breit, dass eine Radspur auf der Straße unnötig ist. Hinzu kommt die deutlich erhöhte Unfallgefahr, wenn die Fahrradfahrer auf der Straße fahren, da der Ottensener Weg hierfür überhaupt nicht geeignet ist. Das bessere Konzept wäre gewesen, etwas für die Pendler zu tun, die jeden Tag zur Arbeit müssen."
Burkhard Kalwar: "Meine Erfahrungen mit dem neuen Angebot sind gut. Ich fahre sehr häufig auf dem Ottensener Weg - in Stoßzeiten zum Bahnhof, aber auch in verkehrsruhigen Zeiten - und stelle fest, dass es hier nun deutlich ruhiger zugeht, was die Geschwindigkeit der PKWs angeht. Auch größere Seitenabstände werden eingehalten. Ich fühle mich nun deutlich sicherer. Jedoch fehlt die Aufklärung der Verkehrsteilnehmer. Ich sehe ständig Personen, die sich den Ottensener Weg auf dem Schutzstreifen hochquälen, statt wie früher auf dem Fußweg (mit "Radfahrer erlaubt"-Schild) zu bleiben. Diese Leute glauben, sie müssen auf dem Schutzstreifen fahren, doch es ist kein Pflichtradweg. In dem WOCHENBLATT-Bericht wird richtigerweise auch nie von einem Radweg gesprochen. Aber: Die Stadt und noch weiter oben angesiedelte Ämter und Behörden müssen alle Verkehrsteilnehmer generell aufklären, welche Rechte und Pflichte sie auf den nun häufiger entstehenden neuen Verkehrsinfrastrukturflächen haben. Z.B. darf ein Autofahrer nicht auf der Fläche parken, auf dem sich die gestrichelte Linie befindet (in Ottensen oft zu beobachten)."
Johannes Teichmann: "Ich finde die Veränderung am Ottensener Weg gut, weil endlich etwas Konkretes zur Verbesserung der Radwegsituation in unserer Stadt getan wird. Die Fertigstellung des Radverkehrskonzepts, auf der auch die Umgestaltung der Radwegführung am Ottensener Weg fußt, datiert schließlich von Ende 2013! Da eine größere räumliche Trennung wegen der schmalen Straße nicht möglich war, finde ich die Lösung mit den Schutzstreifen in Ordnung und sollte mehr Menschen dazu bewegen, aufs Fahrrad zu wechseln. Den Schutzstreifen nutze ich selbst regelmäßig und komme damit gut zurecht, auch wenn ich verstehen kann, dass sich einige dabei unwohl fühlen. Zu präsent sind auch mir noch Erlebnisse auf dem Ottensener Weg wie Weghupen und dem Zuruf aus dem Autofenster, ich hätte auf der Straße nichts zu suchen. Der Schutzstreifen macht für alle Autofahrer deutlich, dass die Radfahrer auf der Straße zu akzeptieren sind und auf sie Rücksicht zu nehmen ist. Das funktioniert nach meinen bisherigen Erfahrungen sehr gut."
Hildegard Wesener: "Ich habe die Beobachtung gemacht, dass die meisten Radfahrer nach wie vor den Gehweg benutzen! Man hätte sich die Kosten und Mühen und die Verkehrsbehinderung während der Bauarbeiten sparen und das Geld irgendwo anders sinnvoller einsetzen können!"
Erhard Oltmanns: "Ich nutze bereits seit ca. zwei Jahren mit dem Fahrrad die Straße auf dem morgendlichen Weg zum Buxtehuder Bahnhof. Zum einen ist man schneller, als auf dem geteilten Rad-/Fußweg. Zum anderen war es mir vor allem in der dunkleren Jahreszeit zu gefährlich, durch dunkel gekleidete Fußgänger, Radfahrer ohne Beleuchtung und Autofahrer, die aus Ausfahrten und Seitenstraßen kommen. Ich sehe den neuen Schutzstreifen für die Radfahrer positiv, da die meisten Autofahrer umsichtiger unterwegs sind. Zwei Dinge halte ich jedoch für verbesserungswürdig: Im Dunkeln sind Gullideckel am rechten Rand, die tiefergelegt sind, für Radfahrer äußerst gefährlich. Kann man diese nicht farblich kenntlich machen? Und auch bei den Übergängen vom Radweg auf die Straße und umgekehrt besteht Sturzgefahr, da die Ränder mit höherem Absatz (zumindest im Dunkeln) nicht frühzeitig erkennbar sind."
Ralf Kleine: "Erst wurden vor langer Zeit Bürgersteig zum Schutz der Fußgänger eingeführt, dann kamen die Radwege dazu. Der Erfolg war enorm. Die Anzahl der Unfälle nahm rapide ab. Hamburg versucht, Radfahrer auf die Straße zu verbannen. Die Erfahrung wurde jetzt schon gemacht, dass die Unfallzahlen steigen und Radfahrer unsicher, sogar verängstigt sind und lieber den Radweg benutzen. Zu Buxtehude: Diese Erfahrungen gehen leider an Verkehrsplanern der Stadt Buxtehude spurlos vorbei.
Die Kennzeichnung in Rot bei Einfahrten und Kreuzungen, sind aber eine sehr gute Idee, das hatte ich vor rund 30 Jahren, bei einer Umfrage schon vorgeschlagen. Die gestrichelte Linie auf der Fahrbahn ist überflüssig. Die Mittellinie der Fahrbahn wurde entfernt, was einige Autofahrer verunsichert, da die Fahrspur nicht mehr abgegrenzt ist.
Radfahrer werden trotz Gegenverkehrs überholt. Dadurch wird der vorgeschriebene Sicherheitsabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten und Radfahrer extrem gefährdet. Beim Abbiegen der Autofahrer, werden Radfahrer bei Benutzung der Straße,noch öfter geschnitten, als bei der Benutzung der Radwege.
Generell sollten Radfahrer, die sportlich unterwegs sind, innerorts Straßen benutzen, da hohe Geschwindigkeiten auf Radwegen Autofahrer und Fußgänger überfordern. Alle anderen gehören nicht auf die Straße."
• Weitere Leserreaktionen werden in einer der folgenden WOCHENBLATT-Ausgaben veröffentlicht.

Autor:

Nicola Dultz-Klüver aus Buxtehude

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