Klare Worte zum Abschied
Ein persönliches und politisches Fazit des Behindertenbeauftragten Jens Nübel
- Mit dem heutigen Tag ist seine Amtszeit beendet: Jens Nübel
- Foto: Heike Grasser
- hochgeladen von Nicola Dultz
Mit dem heutigen Samstag, 31. Januar 2026, endet offiziell die Amtszeit von Jens Nübel als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Hansestadt Buxtehude. Bereits im Juni 2025 hatte er angekündigt, für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen. Nun zieht er eine kritische Bilanz – trotz zahlreicher sichtbarer Erfolge im Bereich Inklusion und Teilhabe.
Engagement für gelebte Inklusion in Buxtehude
In seinen vier Jahren als Beauftragter setzte Jens Nübel deutliche Impulse: Dazu zählen unter anderem die Buxtehuder Inklusionstage (2022–2024), die erste Stadtführung in Gebärdensprache im Jahr 2025 sowie eine Veranstaltung mit der EU-Abgeordneten Katrin Langensiepen, der ersten Parlamentarierin mit sichtbarer Behinderung im Europäischen Parlament.
Ein weiterer Meilenstein war die Einführung des Inklusionspreises der Stadt Buxtehude, mit dem beispielhafte Projekte ausgezeichnet und zur Nachahmung motiviert werden sollen. Landrat Kai Seefried lobte das Engagement Nübels ausdrücklich: „Diese Initiative ist aller Ehren wert.“
Nähe zu den Menschen – aber politische Rückendeckung
Nübel zeigte sich stets bürgernah: Über 30 persönliche Sprechstunden mit rund 210 Ratsuchenden belegen seine Zugänglichkeit und Präsenz im Alltag vieler Betroffener. Zudem initiierte er Workshops für Menschen mit und ohne Behinderung und beteiligte sich an bundesweiten Formaten wie der ARD-Wahlarena zur Bundestagswahl 2025.
Trotzdem kritisiert er den mangelnden Rückhalt durch Politik und Verwaltung: „Meine Vorstellungen von echter Teilhabe stimmen nicht mit denen der Stadt überein.“ Drei Tätigkeitsberichte seien ohne Diskussion geblieben, Entscheidungen zur barrierefreien Stadtentwicklung teils ohne seine Einbindung getroffen worden.
Kritik an Stadtentwicklung und Ausschusspolitik
Besonders enttäuscht zeigt sich Nübel über die Nichtbeteiligung bei der Planung der neuen Halle Nord. Dort fehlen laut ihm grundlegende Elemente wie ein taktiles Leitsystem oder elektrische Türöffner – Maßnahmen, die mit wenig Aufwand von Anfang an hätten berücksichtigt werden können.
Auch der Umgang mit dem Inklusionspreis sei ernüchternd verlaufen. In Ausschusssitzungen sei über Details diskutiert worden, deren Antworten längst vorgelegen hätten – anstatt sich mit der Wirkung der Initiative auseinanderzusetzen.
Die aktuelle Ausschreibung zur Nachfolge des Behindertenbeauftragten sieht Nübel kritisch. Ein wichtiger Passus zur frühzeitigen Einbindung wurde gestrichen – ein Rückschritt in seinen Augen: „Meine Nachfolge wird ein Feigenblatt der Inklusion sein.“ Immerhin: Es liegt bereits eine Bewerbung vor.
In einem offenen Brief forderte Nübel die Ratsfraktionen auf, Stellung zu beziehen. Nur wenige antworteten: Ulrich Felgentreu (Grüne), Katharina Mewes (BBG/FWG) und Anke Lindszus (AfD).
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Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
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