Bürgermeister-Stichwahl in Buxtehude
Ralf Dessel oder Katharina Mewes - Zwei unterschiedliche Profile für die Rathausspitze
- Katharina Mewes und Ralf Dessel
- Foto: Mewes, Goldlichtstudios / Daniela Ponath
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Ralf Dessel und Katharina Mewes wollen an die Spitze des Buxtehuder Stadthauses. Doch welche Fähigkeiten verlangt das Amt – und was bringen die beiden Kandidierenden dafür mit?
Am Sonntag, 27. September, entscheiden die Buxtehuderinnen und Buxtehuder in der Stichwahl, wer künftig die Stadtverwaltung führt. Ralf Dessel verpasste im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit knapp. Gegen ihn tritt Katharina Mewes von der BBG/FWG an.
Dabei geht es um weit mehr als Repräsentation. Der hauptamtliche Bürgermeister ist Verwaltungschef, vertritt die Stadt nach außen und setzt mit der Verwaltung die Beschlüsse der politischen Gremien um. Gleichzeitig kann er nicht allein entscheiden: Der Rat bleibt das Hauptorgan der Kommune. Daher führt ein Bürgermeister/ eine Bürgermeisterin nicht nur die Verwaltung führen, sondern arbeitet auch mit unterschiedlichen politischen Kräften zusammenarbeiten und organisiert Mehrheiten für Vorhaben.
Unterschiedliche politische Unterstützung
Auch deshalb ist interessant, wer hinter den beiden Kandidierenden steht. Der parteilose Ralf Dessel wird von CDU, SPD und FDP unterstützt. Die drei Parteien verzichteten zugunsten Dessels auf eigene Kandidaturen. CDU und SPD begründeten ihre Unterstützung unter anderem mit ihren bisherigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Ersten Stadtrat und seiner Kenntnis der Verwaltung.
Katharina Mewes tritt für die BBG/FWG an. Zusätzlich wird sie von den Grünen unterstützt, die sich in einer Mitgliederbefragung mehrheitlich für ihre Kandidatur ausgesprochen hatten. Als Gründe nannten sie unter anderem die Themen Schulen, Stadtentwicklung und moderne Verwaltung.
Was wird aus den Stimmen für Clemens Ultsch?
Für die Stichwahl richtet sich der Blick auch auf diejenigen, die im ersten Wahlgang Clemens Ultsch von der Linken unterstützt haben. Ultsch ist nicht mehr im Rennen – seine Wählerinnen und Wähler müssen sich nun neu entscheiden.
Eine Empfehlung bekommen sie von ihrer Partei nicht. Die Linke hat nach einer mitgliederoffenen Diskussion mit Dessel und Mewes einstimmig beschlossen, keine Wahlempfehlung auszusprechen. Zur Begründung erklärt der Ortsverband, bei beiden Kandidierenden fehlten ihm ausreichende Schnittmengen für seine sozialpolitischen Kernforderungen, unter anderem bei bezahlbarem Wohnraum, öffentlicher Mobilität sowie Schulen und Sporthallen.
Ralf Dessel: Er kennt das Stadthaus
Dessel bringt einen klassischen kommunalen Verwaltungshintergrund mit. Er absolvierte eine Verwaltungsausbildung und ein Studium an der Fachhochschule für kommunale Verwaltung. Später studierte er berufsbegleitend Rechtswissenschaften und schloss mit dem zweiten Staatsexamen ab. Seit 2007 arbeitet der Volljurist für die Hansestadt Buxtehude.
Zunächst leitete er den Bereich Recht und Standesamt, später übernahm er den Fachbereich Steuerungsdienst, Finanzen, Recht und öffentliche Sicherheit. Anfang 2023 wurde er Erster Stadtrat und damit allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin.
Seine Stärke liegt damit vor allem in seiner langjährigen kommunalen Verwaltungserfahrung und seiner detaillierten Kenntnis des Buxtehuder Stadthauses. Dessel betont selbst, dass er Strukturen, Beschäftigte und laufende Projekte kennt und deshalb keine lange Einarbeitungszeit benötigen würde.
Inhaltlich setzt er unter anderem auf Haushaltskonsolidierung und eine Priorisierung von Investitionen. Schulen, Kitas, Feuerwehr, Bevölkerungsschutz und der Erhalt bestehender Infrastruktur nennt er als wichtige Aufgabenfelder.
Katharina Mewes: Hinterfragen und verändern
Katharina Mewes kommt aus einem anderen beruflichen Umfeld. Sie ist Politik- und Islamwissenschaftlerin und arbeitet seit mehr als zehn Jahren an der Universität Hamburg an der Schnittstelle zwischen Forschung und Verwaltung. Berufliche Erfahrungen sammelte sie zudem in der internationalen Zusammenarbeit.
Politisch ist sie als Ratsmitglied der BBG/FWG aktiv und arbeitet unter anderem in den Ausschüssen für Stadtentwicklung, Umwelt- und Klimaschutz sowie Schule und Sport. In ihrer politischen Arbeit fällt sie dadurch auf, dass sie Verwaltungsvorlagen, Verfahren und Entscheidungen kritisch hinterfragt – etwa bei Schulfragen oder beim Verkehrsversuch in der Bahnhofstraße.
Auch in ihrer Funktion als zweite Vorsitzenden des Buxtehuder Stadtelternrats hat sie wiederholt auf Probleme an Schulen aufmerksam gemacht.
Für das Stadthaus wirbt Mewes mit stärkerer Organisationsentwicklung. Sie will u.a. Arbeitsabläufe überprüfen, Doppelarbeit vermeiden, digitale Angebote verbessern und die Verwaltung stärker an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger ausrichten. Dabei setzt sie auf mehr Eigenverantwortung der Beschäftigten und modernere Strukturen.
Ihr Profil verbindet damit politikwissenschaftliche Ausbildung, Projekt- und Verwaltungserfahrung außerhalb des Buxtehuder Stadthauses sowie kommunalpolitisches und ehrenamtliches Engagement vor Ort.
Was bedeutet die Wahl für das Stadthaus?
Auch organisatorisch unterscheiden sich die Ausgangssituationen.
Wird Ralf Dessel Bürgermeister, kennt der bisherige Erste Stadtrat das Stadthaus bereits bis ins Detail. Dafür müsste anschließend seine bisherige Position als Erster Stadtrat und allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters neu besetzt werden. Auch seine bisherigen fachlichen Zuständigkeiten müssten neu geordnet werden.
Wird hingegen Katharina Mewes Bürgermeisterinm müsste sie sich als neue Verwaltungschefin zunächst intensiv in interne Strukturen, Zuständigkeiten und laufende Verfahren des Buxtehuder Stadthauses einarbeiten.
Die Entscheidung liegt jetzt bei den Buxtehuderinnen und Buxtehudern.
Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
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