WOCHENBLATT-Interview mit Stefan Babis
Stadtwerke denken Buxtehudes Zukunft voraus
- Brennt für seine Branche: Stefan Babis, Geschäftsführer der Stadtwerke Buxtehude
- Foto: wd
- hochgeladen von Nicola Dultz
Morgens das Licht einschalten, aufs Handy schauen, warm duschen – für die meisten Menschen ist das selbstverständlich. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, was alles funktionieren muss, damit Strom, Internet und Wasser zuverlässig da sind. Hinter dieser Selbstverständlichkeit stehen bei den Stadtwerken Buxtehude inzwischen 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit viel Weitblick an der Versorgung von heute und morgen arbeiten.
Dazu gehören längst nicht nur Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation. Mit dem Heidebad, dem Hallenbad Aquarella und dem Lehrschwimmbecken in Neukloster betreiben die Stadtwerke auch drei Einrichtungen, die für viele Menschen in Buxtehude unmittelbar zur Lebensqualität gehören. Gleichzeitig steht das Unternehmen vor großen Aufgaben: Wärmewende, der rasante Ausbau der Telekommunikation, E-Mobilität und elektrische Wärmeversorgung verändern die Branche grundlegend. Hinzu kommen politische Unsicherheiten, der Krieg in der Ukraine und der Nahost-Konflikt. Im Gespräch mit dem WOCHENBLATT stehen für Geschäftsführer Stefan Babis drei Themen besonders im Fokus: Energie und Wärmewende, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie Digitalisierung und Telekommunikation.
WOCHENBLATT: Aktuelle Anschläge auf Stromnetze sorgen für Schlagzeilen. Macht Ihnen die Sicherheit Sorgen? Könnte es passieren, dass die Buxtehuderinnen und Buxtehuder tagelang ohne Strom auskommen müssen?
Stefan Babis: Wir gehören zur kritischen Infrastruktur, das ist uns sehr bewusst. Deshalb haben wir die Sicherheit genau im Blick. Hybride Kriegsführung und Cyberkriminalität sind Riesenthemen. Sie werden verstehen, dass ich keine Details nennen kann. Aber wir investieren viel in die Sicherheit und arbeiten unter anderem sehr eng mit dem Landkreis zusammen, der beim Zivil- und Katastrophenschutz auf einem sehr guten Weg ist. Kurz gesagt: Ich habe ein gutes Gefühl hier in der Region.
WOCHENBLATT: Die Füllstände der Gasspeicher sorgen ebenfalls immer wieder für Schlagzeilen. Ist das für Sie ein Thema?
Babis: Die Füllstände beobachten wir natürlich sehr genau und wir machen uns in der Tat Gedanken, aber wir sind durch unsere Beschaffungsverträge gut abgesichert. Mehr können wir nicht tun.
WOCHENBLATT: Wie ist denn die Energiebeschaffung organisiert?
Babis: Auch hier sind wir gut aufgestellt. Energiebeschaffung ist sehr komplex. Wir schalten uns einmal pro Woche zu einem festen Termin mit unseren Geschäftspartnern zusammen, beobachten die Rohstoffmärkte und holen Einschätzungen von Experten ein. Wetterschwankungen, Corona, der Ukraine-Krieg, der Nahost-Konflikt – all das wirkt sich aus. Wir kaufen aber strategisch und langfristig ein und konnten unsere Kunden bisher immer zuverlässig und zu einem guten Preis beliefern.
WOCHENBLATT: Bleiben wir beim Gas und bei der Wärmewende: Werden Sie Ihre Kunden zukünftig mit Gas beliefern können?
Babis: Ja, wir investieren weiterhin in unsere Gasnetze. Die nächsten 20 Jahre sind gesichert. Aber wir können uns dem Transformationsprozess nicht verschließen. Langfristig wird Gas zugunsten alternativer Wärmelösungen an Bedeutung verlieren. Da tut sich unglaublich viel – auch aus unternehmerischer Sicht ist das spannend. E-Mobilität und elektrische Wärme nehmen weiter zu. Wir sind in unterschiedlichste Projekte eingebunden, haben neue Geschäftsfelder entwickelt und arbeiten eng mit anderen befreundeten Stadtwerken zusammen.
Unser strategisches Ziel ist, Energie und Wärme möglichst selbst zu erzeugen und dadurch unabhängiger zu werden – unter anderem mit eigenen Windrädern und PV-Freiflächenanlagen. Dafür haben wir die SWB Erneuerbare Energien GmbH & Co. KG gegründet. Langfristig wollen wir mit Partnern auch ein Fernwärmenetz aufbauen.
WOCHENBLATT: Sie arbeiten bei verschiedenen Projekten bewusst mit anderen Stadtwerken zusammen?
Babis: Ja. Die notwendigen Investitionen sind von einem einzelnen Unternehmen kaum zu stemmen. Mit den Stadtwerken Winsen haben wir schon vor einigen Jahren die Firma WinBux gegründet, die maßgeschneiderte PV- und E-Mobilitätslösungen anbietet. Mit den Stadtwerken Rotenburg und einem privaten Investor planen wir eine PV-Freiflächenanlage an der Autobahnabfahrt Egestorf. Es ist ein guter Zeitpunkt für Kooperationen.
WOCHENBLATT: In Buchholz im Landkreis Harburg werden für den Ausbau von Stromleitungen, Stationen und Trafos in den kommenden Jahrzehnten enorme Summen nötig - 120 Millionen Euro sollen dort investiert werden. Wie sieht das in Buxtehude aus?
Babis: Wir werden in den kommenden Jahren 90 Millionen Euro in zukunftssichere Stromnetze investieren.
WOCHENBLATT: Warum ist dieser Ausbau notwendig?
Babis: Wir wollen nicht erst reagieren, wenn unsere Netze an ihre Grenzen kommen. Wir rechnen schon heute durch, was in zehn oder 20 Jahren gebraucht wird, und investieren entsprechend. Im Bereich Stromversorgung ermitteln wir den Ist-Zustand und schauen, welche technische Ausstattung und welche Kabel künftig notwendig sein werden – zum Beispiel, wenn wir davon ausgehen, dass zukünftig in jedem zweiten Haushalt eine Wärmepumpe läuft und ein E-Auto geladen wird.
Dann simulieren wir unterschiedliche Situationen, bei Sonnenschein ebenso wie bei schlechtem Wetter, und sehen, an welchen Stellen wir handeln müssen. Mit den Maßnahmen müssen wir jetzt beginnen. Unter anderem müssen Trassen gebaut und Personal bereitgestellt werden. Dafür haben wir bereits zwei zusätzliche Mitarbeiter für die Planung von Baumaßnahmen und Ausschreibungen eingestellt. Aber das ist nur eine von vielen Aufgaben.
WOCHENBLATT: Was gehört noch dazu?
Babis: Solche Überprüfungen führen wir in allen unseren zwölf Geschäftsfeldern durch. Das ist ein kontinuierlicher Prozess. Für eine sichere Wasserversorgung haben wir gerade ein neues Wasserwerk in Eilendorf gebaut und planen ein weiteres auf dem Stadtwerkegelände. Baubeginn ist voraussichtlich 2028, in diesem Bereich investieren wir rund 15 Millionen Euro.
Auch das Heidebad und das Aquarella wurden in den vergangenen Jahren modernisiert. Die Infrastruktur sollte für die nächsten 20 bis 30 Jahre reichen. Die beiden Bäder sind für uns nicht nur ein Geschäftsfeld, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Lebensqualität in Buxtehude. Hinzu kommen die Wärmewende und natürlich die Telekommunikation. In diesen Bereich haben wir bereits 30 bis 40 Millionen Euro investiert.
WOCHENBLATT: Wie weit ist der Glasfaserausbau für die Telekommunikation?
Babis: In Buxtehude sind wir fast fertig. Im kommenden Jahr sollen noch Leitungen in Dammhausen und Beckdorf verlegt werden, der Vertrieb läuft bereits. In Apensen ist die Maßnahme abgeschlossen.
WOCHENBLATT: Trotz all dieser Herausforderungen haben Sie Anfang des Jahres zusätzlich den Vorsitz des Wirtschaftsvereins übernommen, nachdem Sie sich dort bereits viele Jahre als Schatzmeister engagiert hatten. Warum?
Babis: Vorweg: Herausfordernde Zeiten sind auch spannende und interessante Zeiten. In unserer Branche ist unglaublich viel los, und es macht mir großen Spaß, das Unternehmen voranzubringen, neue Geschäftsfelder zu entwickeln und unseren Kundinnen und Kunden gute Produkte anbieten zu können.
Aber auch die Wirtschaft in der Region liegt mir am Herzen. Die Herausforderungen und Krisen, über die wir gesprochen haben, betreffen auch andere Unternehmen. Der Wirtschaftsverein ist ein tolles Netzwerk und bietet viele Möglichkeiten zum Austausch.
WOCHENBLATT: Profitieren Sie selbst auch von der Mitgliedschaft?
Babis: Auf jeden Fall. Von KI über Fachkräftebindung bis hin zum Katastrophenschutz wird ein breiter Themenmix angeboten. Da nehme auch ich viel mit.
```htmlWie wollen die Stadtwerke Buxtehude die Energieversorgung der Zukunft sichern?
Geschäftsführer Stefan Babis setzt auf den Ausbau erneuerbarer Energien, eigene Windkraft- und Photovoltaikprojekte sowie den Aufbau eines Fernwärmenetzes mit Partnern. Ziel ist es, Energie und Wärme künftig möglichst selbst zu erzeugen und unabhängiger von externen Märkten zu werden.
Wie viel investieren die Stadtwerke Buxtehude in den Ausbau des Stromnetzes?
Die Stadtwerke Buxtehude planen, in den kommenden Jahren rund 90 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung des Stromnetzes zu investieren. Damit sollen steigende Anforderungen durch Wärmepumpen, E-Mobilität und den wachsenden Strombedarf langfristig bewältigt werden.
Ist die Gasversorgung in Buxtehude trotz Wärmewende weiterhin gesichert?
Nach Angaben von Geschäftsführer Stefan Babis investieren die Stadtwerke weiterhin in ihre Gasnetze. Die Versorgung gilt für die kommenden 20 Jahre als gesichert. Langfristig soll Erdgas jedoch schrittweise durch alternative Wärmelösungen und erneuerbare Energien ergänzt beziehungsweise ersetzt werden.
Wie weit ist der Glasfaserausbau der Stadtwerke Buxtehude?
Der Glasfaserausbau in Buxtehude ist nach Angaben der Stadtwerke nahezu abgeschlossen. Im kommenden Jahr sollen noch Dammhausen und Beckdorf erschlossen werden. In Apensen ist der Ausbau bereits beendet. Insgesamt haben die Stadtwerke 30 bis 40 Millionen Euro in den Bereich Telekommunikation investiert.
Wie bereiten sich die Stadtwerke Buxtehude auf Cyberangriffe und Krisen vor?
Als Betreiber kritischer Infrastruktur investieren die Stadtwerke nach eigenen Angaben kontinuierlich in die Sicherheit ihrer Systeme. Dazu gehören Maßnahmen gegen Cyberkriminalität und hybride Bedrohungen sowie eine enge Zusammenarbeit mit dem Landkreis Stade im Bereich Zivil- und Katastrophenschutz.
Welche weiteren Investitionen planen die Stadtwerke Buxtehude neben Energie und Telekommunikation?
Neben dem Stromnetz investieren die Stadtwerke rund 15 Millionen Euro in ein neues Wasserwerk auf dem Stadtwerkegelände, das voraussichtlich ab 2028 gebaut wird. Zudem wurden das Heidebad und das Aquarella modernisiert. Insgesamt beschäftigen die Stadtwerke Buxtehude heute rund 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in zwölf Geschäftsfeldern.
Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
|
| Webseite von Nicola Dultz | |
| Nicola Dultz auf Facebook | |
| Nicola Dultz auf Instagram | |
| Nicola Dultz auf YouTube | |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.