Der Ruf nach offenen Kitas wird immer lauter / Wertschätzung für Mitarbeiter scheint zu fehlen Der Ruf nach einer schnellen Wiedereröffnung von Krippen und Kitas wird immer lauter. Verständlich, wenn Eltern oder Alleinerziehende Job, Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen müssen. Bund und Land wollen die Rückkehr zur Normalität in einem Vier-Phasen-Modell schaffen. Von der erweiterten Notbetreuung bis hin zum Regelbetrieb. Letzterer mutmaßlich aber erst, wenn es einen Impfstoff gibt oder die Infektionszahlen langanhaltend im Keller sind.

Von Erzieherinnen ist kaum die Rede

So weit die Fakten: Was mich bei der Debatte in höchstem Maße irritiert, ist die Tatsache, dass von Erzieherinnen und Sozialassistentinnen in Kitas kaum bis gar nicht die Rede ist. Lapidar wird festgestellt, dass es schwierig bis unmöglich sei, Abstandsgebote in Kitas einzuhalten.  Und von Pädagogikexperten unterstützt fordern immer mehr Eltern, dass es für die gesunde Entwicklung von Kindern unumgänglich sei, dass sie mit anderen Kindern zusammen sind. Also Kitas auf und das am besten sofort und für alle. Von der Gesundheit der Kita-Mitarbeiterinnen redet niemand. Auch dort gibt es Menschen mit Vorerkrankungen und solche, für die eine Corona-Infektion lebensbedrohlich wäre. Etwas, das ich noch in keinem der mittlerweile zahlreichen Leitartikel und keiner Kolumne von gestressten Eltern gelesen habe, die ihren Nachwuchs endlich wieder und am besten sofort in die Kita schicken wollen.

Körperkontakt zwingend notwendig

Es soll Putzpläne und Desinfektionsmittel geben und  Kinder sollen lernen, auf Abstand zu bleiben und sich beispielsweise nicht gegenseitig ins Gesicht fassen. Gleichzeitig stellen die Experten für den Vier-Phasen-Plan aber auch fest, das Körperkontakt in Krippe und Kita zwischen Mitarbeitern und Kindern zwingend notwendig sei und dazugehöre, um Vertrauen aufzubauen.

Sorgen der Mitarbeiter werden ausgeblendet

Ich habe den Eindruck, dass die Forderung nach einem schnellen Ende der Notbetreuung und gleichzeitig das Ausblenden der berechtigten Sorgen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einmal mehr und sehr deutlich widerspiegelt, wie die Wertschätzung gegenüber dem Fachpersonal in Krippe und Kitas aussieht: ausgesprochen überschaubar. Das wird schon im normalen Alltag zu oft deutlich und zeigt sich jetzt in noch deutlicherer und sehr viel lauterer Form: Erzieherinnen und Sozialassistentinnen sind Dienstleister,  die sich  um den Nachwuchs zu kümmern haben, ansonsten aber bitteschön nicht laut aufmucken. Übrigens: Dazu passt, dass ich zwar viele Artikel über die "Heldinnen und Helden des Alltags" gelesen habe, Pädagoginnen und Pädagogen darin aber kaum bis überhaupt nicht auftauchen.

Zum Schluss ein kleiner Hinweis an die, die jetzt sehr laut nach unbeschränkter Kita-Öffnung rufen: Fehlt dort das Personal, entweder weil es aufgrund des Risikos nicht arbeiten kann, oder sich die Zahl der Infektionen signifikant erhöht, wird der Fachkräftemangel, der jetzt schon extrem ist, noch weiter verstärkt. Das mag manchen Öffnungs-Fans derzeit schnuppe sein. Ihre Kinder sind dann schon raus aus der Kita.
Tom Kreib


SPD-Politiker zu offenem Brief der Kita-Beschäftigten: "Können Sorgen nachvollziehen"

Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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