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"Der Hund kann nicht mehr kommunizieren"

Das Kupieren der Ohren, wie bei diesem Pitbull, kann bei dem Tier Verhaltensstörungen und bei Artgenossen Aggressionen hervorrufen (Foto: Deutscher Tierschutzbund)

Mutmaßlicher Fall im Kreis Stade: Ohren kupieren ist Tierquälerei

(ab)
. Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Landkreis Stade wegen Tierquälerei gegen einen Hundehalter: Dieser soll seinem Hund die Ohren kupiert haben lassen. Wie berichtet, hatte es im vergangenen Jahr bereits einen ähnlichen Vorfall in Maschen im Landkreis Harburg gegeben: Dort hatte vermutlich ein Hundehalter seinen zwei Pitbull-Mischlingswelpen die Ohren kupieren lassen. Neben unerträglichen Schmerzen, die einem Hund aus "ästhetischen" Gründen zugefügt werden, handelt es sich beim Kupieren um ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und damit um einen Straftatbestand. Doch nicht nur das: Hunden werde eine wichtige Möglichkeit der Kommunikation genommen, sagt Dr. Katrin Umlauf vom Deutschen Tierschutzbund. Das WOCHENBLATT sprach mit der Expertin über die Verstümmelung und ihre Folgen.

Beim Kupieren der Ohren oder der Rute oder der Entnahme von Organen bei Wirbeltieren handele es sich um einen gravierenden Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, sagt Umlauf. "Dem Hund wird durch das Kupieren ein typisches Ausdrucksmittel genommen. Denn dadurch, dass die Ohren fehlen, können sie sich Artgenossen nur noch bedingt mitteilen." Das könne bei dem Tier selbst zu Verhaltensstörungen und bei anderen Hunden zu Aggressionsverhalten führen, so die Expertin. "Das macht Angst und das wiederum führt unter den Tieren schneller zu Eskalationen."

"Kupiertourismus" nennt die Tierschützerin das, was durch das Kupierverbot entstanden sei: Mit dem Tier würden die Halter ins Ausland reisen, wo der Eingriff vorgenommen werde, beispielsweise in die Ostblockstaaten, aber auch nach Italien, Österreich, Frankreich oder Belgien. "Dieses Vergehen zu ahnden ist nur dann möglich, wenn Hunde mit frisch kupierten Ohren nach Deutschland eingeführt werden", sagt sie.

Beim Kupieren würden mehrere Adern und ca. zehn Nervenstränge durchtrennt, ein Drittel des Ohres bleibe übrig. Der Amputationsschmerz halte bis zu vier Wochen an. Kupiert werde, vermutet die Expertin, um dem Hund ein furchteinflößenderes Äußeres zu geben. "Ein Klischee", meint Umlauf, "aber es trifft häufig zu."

In der Schweiz gebe es schon seit Jahren ein Importverbot für kupierte Hunde. Umlauf: "Das ist leider ein zweischneidiges Schwert, denn dadurch nimmt man auch kupierten herrenlosen Hunden die Möglichkeit, ins Land vermittelt zu werden."

Was die Pitbull-Mischlinge in Maschen betrifft: Nach WOCHENBLATT-Informationen sollen die Hunde beschlagnahmt und in ein liebevolles Zuhause vermittelt worden sein. An dem aktuellen Fall im Landkreis Stade bleibt das WOCHENBLATT dran.