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"Die Linke" sägt am Buxtehuder Shopping-Sonntag

Verkaufsoffene Sonntag locken viele Menschen in die Stadt. Die Linke will die Zahl von jetzt vier reduzieren, Altstadtverein und Einzelhändler finden sie dagegen richtig Foto: archiv
Fraktion will politische Diskussion / Widerspruch von Einzelhandel und Altstadtverein

tk. Buxtehude. Ist das ernst gemeint oder politisches Sommertheater? Die Fraktion der Linken will im Wirtschaftsausschuss über die Notwendigkeit von verkaufsoffenen Sonntagen in Buxtehude diskutieren. Vier verkaufsoffene Sonntage, die 2018 in der Hansestadt geplant sind, seien tendenziell zu viel, meint die Linke. "Das geht zu Lasten der Beschäftigten und ihrer Familien", sagt Linken-Ratsherr Klemens Kowalski. Zudem böten die normalen, schon mehrfach erweiterten Öffnungszeiten der Geschäfte, genug Zeit und Gelegenheit zum Einkaufen und zum Bummeln. Nicht überraschend: Wer im Einzelhandel oder beim Altstadtverein nachfragt, bekommt die gegenteilige Argumentation zu hören.

Das sagt die Linke: Der Sonntag als Familientag dürfe nicht "ausgehöhlt" werden. Die meisten Angestellten seien Frauen, die ohnehin lange Arbeitszeiten hätten. Für Linken-Fraktionschef Benjamin Koch-Böhnke ist der gesetzliche Rahmen, der einen Anlassbezug für verkaufsoffene Sonntage vorschreibt, nur noch Makulatur. "Hier geht es nicht um Kultur, sondern darum, Umsatz zu machen." Daher gehören die verkaufsoffenen Sonntage auf den Prüfstand.

Widerspruch kommt vom Altstadtverein. "Das ist für die gesamte Stadt ein wichtiges Marketinginstrument", sagt Ulli Wiegel. Vorsitzender des Altadtvereins Es sei weniger das Ziel, dass in den Geschäften die Kassen klingeln, sondern überhaupt neue Kunden in die Buxtehuder Einkaufsmeilen zu locken.

Die Anzahl von vier verkaufsoffenen Sonntagen sei für Buxtehude genau richtig. "Mehr muss nicht sein, weniger aber auch nicht", sagt Wiegel. Diese Zahl sei auch mit den Mitgliedern des Altstadtvereins abgestimmt. Ricarda Henning, Chefin von "Stoffe & Accessoires" am Ostfleth, steht - wie die meisten Buxtehuder Geschäftsinhaber - bei jedem Shopping-Sonntag selbst im Laden. Häufig ohne Personal. "Diese Tage sind wichtig", sagt die Geschäftsfrau. Wichtig nicht, weil der Umsatz in die Höhe schnellt, sondern weil es Zeit für Gespräche mit Kunden und eine Tasse Kaffee gebe. "Die Kunden suchen das Zwischenmenschliche. Das bieten wir und nicht das Internet", betont Ricarda Henning. Auch sie hält die Zahl von vier verkaufsoffenen Sonntagen für richtig.

Größter Arbeitgeber im Einzelhandel ist das Modehaus Stackmann. Geschäftsführer Henning Schleemann betont: "Wir haben keine Probleme, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für verkaufsoffenen Sonntage zu finden." Das geschehe auf freiwilliger Basis und viele Angestellte, aber auch Aushilfen, würden gerne sonntags arbeiten, weil es die doppelte Bezahlung gebe. Also fünf Stunden Arbeit, die wie zehn Stunden entlohnt werden. Zudem seien die Provisionseinnahmen der Mitarbeiter deutlich höher, wenn an einem Sonntag durch viel Andrang auch viel gekauft werde. Auch das trage dazu bei, dass es immer genug Freiwillige für die Sonderöffnungszeiten gebe.

Schleemann betrachtet die verkaufsoffenen Sonntage zudem im Kontext der umliegenden Konkurrenz. Wenn anderswo in der Region, darunter auch beim großen Nachbarn Hamburg, Geschäfte sonntags öffnen, könne Stackmann nicht darauf verzichten. "Wir wollen die Kunden bei uns haben und nicht anderswo." 
Die Linke will mit Kirchen, Politik, ver.di und Altstadtverein nach dem Ende der Sommerpause diskutieren. Derweil in Buxtehude der Versuch unternommen wird, die Einkaufssonntage zu deckeln, gehen die politischen Bestrebungen grundsätzlich in die genau andere Richtung. Einzelhandelsverbände und die IHKs fordern, dass der sogenannte Anlassbezug wegfallen soll. Es müsse als Begründung reichen, damit eine Stadt oder ein Quartier die Erlaubnis zum Öffnen der Geschäfte bekommt, dass auf diesem Weg der lokale Einzelhandel gestärkt werde.