Insekten-AG der Gemeinde Rosengarten: mit Spätblühern gegen das Hummelsterben
Ein Herz für Hummel und Co.

Setzen sich für Insekten ein: Volkmar Block (hintere Reihe v. li.), Manfred Meyer, Elisabeth Gisch (Mitte v. li.), Uschi Tisson-Oestreich und Gunda Kirstein (vorne v. li.) sowie Angelika Rather
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  • Setzen sich für Insekten ein: Volkmar Block (hintere Reihe v. li.), Manfred Meyer, Elisabeth Gisch (Mitte v. li.), Uschi Tisson-Oestreich und Gunda Kirstein (vorne v. li.) sowie Angelika Rather
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as. Ehestorf. Heide, Lavendel, Schmetterlingsflieder oder Wasserdost - all diese Pflanzen bieten Insekten jetzt Nahrung. "Spätblüher sind enorm wichtig", sind die Mitglieder der Gruppe "Plüschmors" einig.
"Plüschmors", das bedeutet "Hummel" auf Plattdeutsch. Und für Hummeln und Co. setzt sich die Insekten-AG der Gemeinde Rosengarten ein. Es ist ein parteiübergreifendes Projekt, an dem sich auch Bürger beteiligen können. Von Beginn an dabei sind Volkmar Block, Elisabeth Gisch (beide Grüne), Gunda Kirstein (SPD), Manfred Meyer (UWG), Angelika Rather (CDU) und Uschi Tisson-Oestreich.
"Anfang Juli bis Anfang September ist eine trachtlose Zeit für Insekten. Dann finden sie nur wenig Nahrung", erklärt Hobby-Imker Manfred Meyer. Im Frühjahr hat die Gruppe deshalb an alle Haushalte Rosengartens Tütchen mit Blumensamen verteilt. Darin waren heimische Früh- und Spätblüher. Die ersten Erfolge sind bereits sichtbar. "Jeder kann mithelfen. Es reicht schon eine kleine Fläche vor der Haustür oder ein Blumentopf auf dem Balkon - wenn alle das machen, haben wir einen schönen Blumenteppich", sagt Elisabeth Gisch.
Mit verschiedenen Aktionen wollen sie die Insekten immer wieder ins Bewusstsein bringen und die Gemeinde sensibilisieren. Zum Beispiel mit Informationsveranstaltungen zum ökologischen Gärtnern, Stauden und zum Leben der Insekten. "Die Artenvielfalt ist bedroht, auch hier in Rosengarten", sagt Volkmar Block. "Ja, die Lage ist dramatisch - aber es ist noch nicht zu spät", betont Meyer.
"Plüschmors" verfolgt einen pragmatischen Ansatz. "Unsere Mitbürger sollen nicht ihren ganzen Garten umkrempeln, aber wir können Anregungen und Beispiele geben, wie man ihn insektenfreundlicher gestalten kann", sagt Volkmar Block. Die Gartenansätze in der Gruppe sind zwar unterschiedlich, aber alle tun etwas für die Insekten. Block hat schon lange einen biologischen Garten, seine Mitstreiterin Gunda Kirstein hat ihren Balkon mit bienenfreundlichen Pflanzen bestückt. "Jeder kann etwas tun, auch wenn es noch so wenig ist", so Kirstein. Angelika Rather hat in ihrem Garten gepflegte Bereiche, aber auch Staudenbeete und Totholzhaufen: "Eine naturbelassene Ecke gehört dazu, das ist wichtig für die Tiere." "Das Wichtigste ist aber: keinen reinen Steingarten anlegen! Pflanzen sind enorm wichtig", sagt Block. In Rosengarten blühen die Blühmischungen der Insekten-AG jetzt unter anderem auf Verkehrsinseln oder an Sportplätzen.
Wie wichtig die Arbeit der Insektenschützer ist, sieht man derzeit unter Krim- und Silberlinden: Hier häufen sich tote Hummeln. Zwar sterben Hummelvölker ohnehin im Herbst, das alljährliche Massensterben im Hochsommer hat laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) aber eine andere Ursache: Die Hummeln verhungern schlichtweg.
Im Hochsommer sind die Energiereserven der Hummeln weitestgehend aufgebraucht, sie benötigen dringend Nahrung. Im Juni ist das Nektarangebot noch üppig, die Insektenvölker wachsen. Ende Juli wird die Nahrung aber knapp. Immer steriler werdende Gärten und Grünanlagen sowie immer weniger Blühflächen verschärfen das Problem.
Bis zur Blüte von Krim- und Silberlinde müssen die Hummeln bereits eine Hungerzeit überwinden. Viele sind bei Entdeckung der Lindenblüten deshalb schon zu schwach für die Nahrungsaufnahme. Aufgrund des Nektarmangels bei anderen Pflanzen fliegen immer mehr Insekten die Blüten von Krim- und Silberlinde an. Hummeln sind im Nachteil, was ihre Sammelstrategie angeht: Im Gegensatz zu Honigbienen legen sie kaum Vorräte an. Und sie sammeln im Alleingang, während Bienen Nektarquellen gezielt zu mehreren anfliegen. Die Suche nach nektarreichen Blüten wird für die Hummeln immer schwieriger. Die Folge: Ihre Nahrungssuche verbraucht mehr Energie, als sie letztendlich einbringt.
Die Nahrungsknappheit werde durch das Abmähen von Wiesen und Gärten zusätzlich verstärkt, kritisiert auch der NABU. Den Insekten könne nur eine Verbesserung des Nahrungsangebotes helfen: Vor allem spät blühende Stauden könnten das Massensterben von Hummeln im Juli und August eindämmen. Statt farbenprächtige, aber nektararme Hybriden zu pflanzen, sollten nektarreiche, wilde Blütenpflanzen wieder in Gärten und Parks Einzug halten. Hummeln freuen sich z.B. über Klee, Heidekraut, Lavendel oder Sommerflieder. "Jeder kann etwas tun, auch wenn es noch so klein ist", sind die Mitglieder von "Plüschmors" überzeugt.

Setzen sich für Insekten ein: Volkmar Block (hintere Reihe v. li.), Manfred Meyer, Elisabeth Gisch (Mitte v. li.), Uschi Tisson-Oestreich und Gunda Kirstein (vorne v. li.) sowie Angelika Rather
Vor allem unter Krim- und Silberlinden finden sich "Hummel-Friedhöfe" Foto: NABU/Peter Hildebrandt

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