Der Kehdinger der Herzen
Dirk Ludewig erhält am heutigen Samstag das Verdienstkreuz erster Klasse
- Einer seiner Lieblingsplätze ist der Elbstrand auf Krautsand. Hier entspannt Dirk Ludewig zwischen seinen Terminen und richtet auch tolle Events aus
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Ein Spaziergang mit Dirk Ludewig auf dem Krautsander Elbdeich gleicht der Begleitung eines Promis. Alle paar Meter muss er winken, einen Gruß erwidern oder ein paar Worte wechseln. Der 80-Jährige ist in der Gemeinde Drochtersen bekannt wie der sprichwörtliche "bunte Hund". Die Menschen kennen ihn als ehemaligen Lehrer und Konrektor der Elbmarschen-Schule, Kommunalpolitiker, Musiker und Schlagzeuger der "Blue Mountain Band", erfolgreichen Sportler und Vorsitzenden des TVG Drochtersen sowie langjährigen Mitarbeiter der WOCHENBLATT-Redaktion – vor allem aber als Unterhalter.
Für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement wurde ihm bereits 2012 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Am heutigen Samstag, 22. August, erhält er im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine noch höhere Auszeichnung: das Verdienstkreuz 1. Klasse. Überreicht wird es bei einem Festakt durch Landrat Kai Seefried.
Geburtstag fiel ins Wasser
"Kai ist einer meiner ehemaligen Schüler", sagt Dirk Ludewig, einst Lehrer für Deutsch, Geschichte und Sport. "Ehemalige" trifft er häufig. Sogar als er im Februar dieses Jahres auf offener Straße ohnmächtig wurde und mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus kam, war der Rettungssanitäter ein früherer Schüler. Ursache des Schwächeanfalls war eine schwere Lungenentzündung. Sie machte auch Ludewigs Plänen für seinen 80. Geburtstag am 27. Februar einen Strich durch die Rechnung. Eigentlich wollte er mit vielen Gästen groß feiern, musste das Fest aber absagen. Viele der damals Eingeladenen kommen nun zur Ordensverleihung zusammen.
Orden ist Ansporn
Die Auszeichnung ist für Dirk Ludewig kein Schlusspunkt, sondern "ein Ansporn, nicht aufzuhören". "Stillstand gibt es für mich nicht", sagt er. Termine als stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Drochtersen wechseln sich mit seinen zahlreichen eigenen Aktivitäten ab. Er ist Trainer beim TVG Drochtersen und organisiert Veranstaltungen wie das Hüpfburgenfestival, Open-Air-Konzerte am Elbstrand oder den Silvesterlauf.
- Dirk Ludewig ist in Drochtersen "Mister Aktion Ferienspaß"
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Bei der diesjährigen "Aktion Ferienspaß", die er seit 50 Jahren in der Gemeinde organisiert, war Ludewig fast täglich unterwegs. Beim beliebten "Kinderquatsch" animierte er den Nachwuchs zum Mitmachen. "Mir ist es wichtig, Generationen zusammenzuführen", sagt der zweifache Vater und Großvater. "Wenn ich bei Kinderfesten ,Highway to Hell' von AC/DC auflege und die Kinder zum Luftgitarren-Wettbewerb auffordere, machen im Hintergrund auch die Eltern mit. Fahre ich mit dem Weihnachtsmann-Tross durch die Straßen, stehen Jung und Alt an den Haltestellen." Darüber hinaus engagiert sich Ludewig in den Fördervereinen Kulturscheune und Hallenbad sowie im Elbe Repaircafé.
Großes Herz für Senioren
Besonders am Herzen liegen ihm auch Senioren. Mehr als 80 Mal war Ludewig bereits mit seiner Musikanlage in Seniorenresidenzen zu Gast, legte Lieblingslieder auf und unterhielt sein Publikum mit Anekdoten. "Bei den Wunschkonzerten verteile ich Zettel auf den Tischen", erzählt er. "Darauf dürfen die Gäste notieren, was sie sehr gern und was sie auf gar keinen Fall hören möchten." Wenn sich einer unbedingt und ein anderer gar nichts von Andrea Berg wünsche, müsse er eben einen Kompromiss finden. "Am Ende kommen aber alle auf ihre Kosten."
Als großes Vorbild nennt Dirk Ludewig den früheren Bundeskanzler Willy Brandt. Ludewig ist seit den 1970er Jahren Mitglied der SPD und engagiert sich seitdem kommunalpolitisch in Drochtersen. Brandt bewundert er für dessen Politik der Versöhnung mit Osteuropa. Seine eigene politische Haltung fasst Ludewig so zusammen: "Nicht nur schnacken, sondern zuhören und sich aktiv für die Menschen einsetzen. Online ein ,Like' zu geben, reicht nicht."
„Verdiente Auszeichnung“
Auch mit dem WOCHENBLATT ist Dirk Ludewig seit Jahrzehnten eng verbunden. Als freier Mitarbeiter hat er unzählige Geschichten aus Kehdingen begleitet und dabei stets ein besonderes Gespür für die Menschen und das, was sie bewegt, bewiesen.
- 2012 erhielt Dirk Ludewig bereits den Bundesverdienstorden am Bande
- Foto: WOCHENBLATT-Archiv
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
WOCHENBLATT-Verleger Martin Schrader kennt Ludewig seit Jahrzehnten und schätzt nicht nur seine journalistische Arbeit, sondern vor allem dessen unermüdlichen Einsatz für andere. „Ich bin immer wieder beeindruckt, mit welcher Tatkraft und Freude Dirk sich für die Menschen in seiner Heimat einsetzt. Er bringt Menschen zusammen, übernimmt Verantwortung und packt selbst mit an“, sagt Schrader. „Das Verdienstkreuz erster Klasse ist eine mehr als verdiente Anerkennung für dieses außergewöhnliche Engagement.“
Für die Zukunft hat der Verleger einen ganz persönlichen Wunsch: „Ich wünsche Dirk von Herzen alles Gute, vor allem Gesundheit – und dass er sich seine Lebensfreude, seine Neugier und seine große Tatkraft noch lange bewahrt.“
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