Millionen investiert
Barsche Kritik an der Bettensteuer in Drochtersen
- Das Elbstrand Resort auf Krautsand
- Foto: ig
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
Die Gemeinde Drochtersen führt eine Übernachtungssteuer ein. Dafür sprach sich der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause im Dorfgemeinschaftshaus Hüll einstimmig aus. Es gab weder Gegenstimmen noch Wortmeldungen zur Thematik. Hintergrund ist die angespannte Haushaltslage der Kommune (das WOCHENBLATT berichtete).
Mit dem Beschluss folgt Drochtersen dem Beispiel zahlreicher anderer Städte und Gemeinden, die bereits eine sogenannte Bettensteuer eingeführt haben. Rigo Gooßen, Betreiber der Hotelanlage auf der Elbinsel Krautsand, zeigt sich verärgert und äußert sein Unverständnis: Niemand habe im Vorfeld das Gespräch mit den Betroffenen gesucht. „Es gab keine Einladung, weder von der Verwaltung noch von den Fraktionen im Gemeinderat“, kritisiert er. Das sei ein schwaches Bild von Politik und Verwaltung. „Die Bettensteuer ist doch ein Thema, über das man sich austauschen muss.“
Er vermisse insbesondere ein klares Bekenntnis zum Tourismus auf der Elbinsel. „Wir haben hier Millionen investiert. Und dann das.“ Der Tourismus sei nach wie vor eine zarte Pflanze, die Unterstützung brauche. „Die Urlauber lassen viel Geld im Ort“, betont Gooßen. Viele Betriebe profitierten davon, und die Hotellerie habe zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen.
Mit Blick auf die Bettensteuer verweist Gooßen auch auf die Mehrkosten für Gäste sowie den bürokratischen Mehraufwand für Gastgeber. „Kostensteigerungen und der Mangel an Arbeitskräften belasten das Gastgewerbe ohnehin“, so seine Einschätzung. In einem ohnehin angespannten Marktumfeld mit steigendem Preisdruck und hohen Energiekosten verschärfe die neue Steuer die wirtschaftliche Lage für Hotel- und Tourismusbetriebe zusätzlich. Für ihn ist die Maßnahme daher „ein falsches Signal“.
Der Rat hat beschlossen, die Einnahmen aus der Bettensteuer gezielt für die touristische Infrastruktur einzusetzen. „Darauf werden wir jetzt genau achten“, kündigt Gooßen an. Dass auch im Alten Land eine Bettensteuer eingeführt wurde, bedaure er – relativiert aber: „Dort wird auch mehr für den Tourismus getan.“
Bürgermeister Mike Eckhoff sieht die Situation anders. Es werde noch Gespräche mit einzelnen Betroffenen geben, kündigt er an. Die Entscheidung im Rat sei einstimmig gefallen. Die Einnahmen aus der Übernachtungssteuer sollen dem Tourismus vor Ort zugutekommen.
Konkret nennt Eckhoff etwa die Aufwendungen für den Betrieb des Anlegers mit Ponton am Elbstrand auf Krautsand inklusive WC-Container, die anteiligen Kosten des Bauhofs für touristisch genutzte Einrichtungen oder auch die Beiträge zum Tourismusverband. Einnahmen aus dem Tourismus seien bislang kaum zu verzeichnen. Die neue Steuer solle dazu beitragen, die Finanzierung touristischer Einrichtungen und Dienstleistungen in Drochtersen zu sichern – und damit langfristig die Attraktivität der Region Kehdinger Land zu erhalten.
Redakteur:Dirk Ludewig aus Stade |
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