Nutzungsverhalten bei Wasser ändern
Trinkwasserverband Stader Land plädiert für mehr Umsicht

Fred Carl ist verantwortlich dafür, dass das Wasser in dem riesigen Versorgungsgebiet auch weiterhin läuft Foto: Archiv/jd
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  • hochgeladen von Jaana Bollmann

jab. Deinste. Wenige Tage ist es her, dass sich wieder die Meldungen über zu wenig Druck auf den Wasserleitungen in den sozialen Medien und auch beim Trinkwasserverband häuften. Das liege aber nicht hauptsächlich an den zur Verfügung stehenden Wassermengen oder dem Rohrnetz, so Fred Carl, Geschäftsführer des Trinkwasserverbands Stader Land. Auch der Verbraucher müsse sein Verhalten im Umgang mit Trinkwasser überdenken.

An zwei Tagen sei es in diesem Jahr zu einer Druckabsenkung im Bereich Harsefeld und Ahlerstedt auf 1 bzw. 1,2 bar während der Verbrauchsspitzen zwischen 19 und 21 Uhr gekommen, so Carl. "Das ist kein Totalausfall." Also kein Grund zur Beunruhigung. Im vergangenen Jahr sah die Lage dagegen anders aus.

Im Mai verzeichneten die Druckmessungen beim Wasserwerk Dollern zunehmende Druckabfälle bis hin zu einer Absenkung auf bis zu 0,5 bar. Grund waren damals die enorme Wasserentnahme durch die Verbraucher zu den Verbrauchsspitzen und eine gleichzeitig ausgefallene Druckerhöhungsstation in Harsefeld. "Störfälle passieren", so Carl. Schnell wurde reagiert und nach zwei bis drei Stunden war der Spuk vorbei, der Druck normalisierte sich. Die folgenden Nutzungseinschränkungen hätten nach Aussage Carls schon vorher verhängt werden müssen. "Vielleicht hätte das die Wasserkrise verhindert."

Der Trinkwasserverband arbeitet ständig am Netz - sowohl im Ausbau als auch in der Erneuerung. Das Wasserrohrnetz im Landkreis Stade sei aber mit insgesamt 1.700 Kilometern sehr lang, relativ alt und verfüge über relativ dünne Rohre, so Carl. Auf einer großen Fläche werden rund 47.000 Haushalte mit Wasser versorgt - und das mit Rohren, die hauptsächlich aus den 1970ern und 1990ern stammen. Auch der Rohrdurchmesser ist bei zwei Dritteln der Leitungen eher gering und liegt durchschnittlich bei 150 Millimetern. Zudem wachsen viele alte Rohre mit der Zeit immer weiter zu, was zu weiteren Druckverlusten führt. Erneuert werden die Rohre hauptsächlich dort, wo sowieso Baumaßnahmen stattfinden. Allerdings könne man die Rohre nicht unendlich erweitern. Das führe zu noch weniger Druck und zu Keimbildung in der Leitung. Die entstehenden Kosten für Erneuerungen seien im Übrigen weniger das Problem. Die Menge an Maßnahmen stellt den Trinkwasserverband eher vor große Herausforderungen. "Es ist zu einfach, zu glauben, dass ein Anheben der Preise das Problem löst. Man muss auch die Kapazitäten zur Verfügung haben", so Carl.

Dass der Trinkwasserverband also nichts für die künftige Wasserversorgung tue, lässt Carl nicht gelten. "Wir vergrößern und erweitern ständig." In diesem Jahr liegen die Investitionen des Trinkwasserverbands bei 6 Mio. Euro. Zudem sei ein viertes Wasserwerk in sehr langfristiger Planung. Das dauere von den ersten Überlegungen bis zur Inbetriebnahme allerdings rund 20 Jahre. Dabei beanspruchen vor allem die Genehmigungsverfahren die meiste Zeit.

Fred Carl ist außerdem der Meinung, dass im Landkreis ein "ausgeprägtes Beschwerdeniveau" herrsche. Den Nutzern kann Carl daher nur einen Tipp geben: "Die Wassernutzung zu den Verbrauchsspitzen von 19 bis 21 Uhr meiden." Denn schwierig sei nach wie vor die gleichzeitige Wassernutzung vieler Verbraucher - Wasser an sich sei genug vorhanden.

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