Fragwürdige Standortentscheidung
Streit um Ladepark in Brackel geht weiter
- Der Ladepark in Brackel in direkter Nachbarschaft zu den Anwohnern
- Foto: hg
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Der E-Auto-Ladepark an der Bahnhofstraße sorgt weiter für Streit. Anwohner beklagen seit der Inbetriebnahme rund um die Uhr Lärm, starke Beleuchtung und zusätzliches Verkehrsaufkommen. Bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderates machten sie erneut deutlich, wie stark sie sich durch die Anlage beeinträchtigt fühlen. Das Gewerbeaufsichtsamt hat inzwischen Messungen durchgeführt, die Auswertung steht jedoch noch aus.
Bürgermeister Dirk Schierhorn bestätigte, dass die Beschwerden an den Landkreis und von dort an das Gewerbeaufsichtsamt weitergeleitet wurden und bedauert, dass nun nur noch Schadensbegrenzung betrieben werden könne. Ursprünglich war ein Ladepark in Autobahnnähe vorgesehen. Dort waren 15 bis 30 Ladesäulen, eine Lounge und gastronomische Angebote im Gespräch. Dafür fand sich im Gemeinderat jedoch keine Mehrheit. Anfang 2025 wurde stattdessen der Standort an der Bahnhofstraße vorgestellt.
Auch im Gemeinderat sind inzwischen Fragen zur Vorgeschichte aufgekommen. Oliver Lang von der Freien Wählergemeinschaft Brackel (FWB) bemängelte unter anderem, dass in den Unterlagen auf einen Ratsbeschluss vom 30. Januar 2025 verwiesen werde, obwohl der Ladepark an diesem Tag nach seiner Darstellung gar nicht Thema gewesen sei. Zudem müsse geklärt werden, auf welcher Grundlage die Anlage als geringfügig störendes Gewerbe eingestuft worden sei.
Offen ist auch, wo vier weitere beantragte Ladesäulen aufgestellt werden könnten. Der Rat beauftragte den Bürgermeister, dies mit dem Landkreis zu klären. Die rechtliche Situation hatte sich während des Verfahrens verändert. Seit dem 1. Juli 2025 sind Ladestationen, Ladesäulen und Ladegeräte für Elektrofahrzeuge einschließlich technischer Nebenanlagen in Niedersachsen verfahrensfrei. Die Baugenehmigung vom 10. Oktober 2025 bezog sich nach Angaben der Gemeinde deshalb lediglich auf Stellflächen und Zufahrt.
Die Beschwerden der Anwohner können dennoch behördlich geprüft werden. Sollten die Messungen des Gewerbeaufsichtsamts relevante Überschreitungen von Emissionsgrenzwerten ergeben, könnte der Landkreis weitere Schritte einleiten.
Jessica Nottorf, SPD-Kandidatin für den Gemeinderat Brackel und den Samtgemeinderat Hanstedt, sieht die Verantwortung auch beim Gemeinderat. Die Verfahrensfreiheit der Ladestationen ändere aus ihrer Sicht nichts daran, dass die politischen Folgen der Standortentscheidung hätten geprüft werden müssen.
„Dass der Rat, welcher mehrheitlich aus den Freien Wählern besteht, die Folgen des Ladeparks als unvorhersehbar abtut, ist inakzeptabel“, sagt Nottorf. Eine vorausschauende Prüfung mit entsprechender Fachexpertise hätte ihrer Ansicht nach zeigen können, dass ein stark frequentierter Ladepark mit Rastplatznutzung und zusätzlichem Verkehr in einem innerörtlichen Mischgebiet problematisch sein kann.
Besonders kritisch bewertet Nottorf das Verhalten der Freien Wähler. „Wer immer betont, unabhängig von Parteien und ausschließlich für die Bürger da zu sein, während man Parteikandidaten reflexartig Fremdbestimmung unterstellt, muss sich an seinen Taten messen lassen“, erklärt sie.
Aus ihrer Sicht müsse die Gemeinde nun Verantwortung für die betroffenen Anwohner übernehmen. „In Brackel wird gerade für Einzelinteressen entschieden und das Gesamtinteresse der Anwohner ignoriert“, kritisiert Nottorf. Sie fordert konkrete Maßnahmen gegen die Belastungen durch „Lärm, Licht und Durchgangsverkehr“.
Unterdessen soll eine feste Lounge mit WC-Anlage die derzeitige Übergangslösung mit mobilen Toiletten ersetzen. Ob dies zu einer Entlastung führt und welche Konsequenzen sich aus den Messungen ergeben, bleibt abzuwarten. Der Ladepark dürfte den Gemeinderat damit weiter beschäftigen.
Redakteur:Heidi Goch-Lange aus Buchholz |
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