Nachforschungen für neuen Roman
Dietrich Alsdorf ist auf den Spuren der wahren Roten Lena

Sein ganzes Berufsleben verfolgte die "Rote Lena" Dietrich Alsdorf (re.), ihre Ausgrabung war seine letzte große Aufgabe
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  • Sein ganzes Berufsleben verfolgte die "Rote Lena" Dietrich Alsdorf (re.), ihre Ausgrabung war seine letzte große Aufgabe
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jab. Harsefeld/Altkloster. Dietrich Alsdorf, ehemaliger Archäologe des Landkreises Stade, lässt Geschichte in seinen Romanen lebendig werden. Nach "Anna aus Blumenthal" und "Anna Brümmers Weg zum Scharfrichter" ist diesmal die als "Rote Lena" bekannte Lena Prink die Hauptfigur eines neuen historischen Romans. Die sterblichen Überreste der Giftmörderin wurden vergangenes Jahr in Ohrensen ausgegraben. Um ihr Leben und ihren Tod ranken sich zahlreiche Gerüchte. Für den angehängten Dokumentarteil des Romans mit allen wichtigen Fakten und Fotos sucht Alsdorf noch dringend alte Bilder der Brillenburg aus Buxtehude.

Die Brillenburg war lange Zeit der Wohnsitz der Marlena ("Lena") Prink. Über die Jahrzehnte hatte das Gut mehrere Eigentümer. Zuletzt war es die Stadt Buxtehude, die dort Wohnungen einrichtete. Das Gebäude allerdings wurde 1954 abgerissen und das Gelände neu übersiedelt. Doch Alsdorf ist sich sicher, dass es irgendwo Fotos aus den 1920er- und 1930er-Jahren in Privatbesitz geben muss, auf der die Brillenburg zu sehen ist.

Eine extrem negative Figur

Lange hatte Alsdorf sich geweigert über die "Rote Lena" zu schreiben. Immer wieder fragte sein Verlag an. "Bei den jungen Frauen der vorherigen Romane ging es um das Schicksal, in das sie hineingeraten waren bzw. verwickelt wurden." Hier sei es aber anders. Es gab Gerüchte und Geschichten über die Giftmischerin, die ihn abgeschreckt haben. "Sie war eine extrem negative Figur", sagt Alsdorf. Sie soll eine Dirne gewesen sein, ihren Mann verprügelt und später auch vergiftet haben. Bis zum Schluss habe sie ihre Tat nicht zugegeben, solle sogar Flüche ausgesprochen haben. "Als Autor bin ich auch der Anwalt der Hauptfigur und auf ihrer Seite. Das konnte ich bei ihr nicht."

Und das, obwohl die "Rote Lena" ihn schon sein ganzes Archäologen-Leben begleitet, seine Fantasie angeregt und nie mehr in Ruhe gelassen hat. Sie sei sogar mit ein Grund gewesen, warum er sich für diesen Beruf entschieden habe, sagt der ehemalige Archäologe. Er kannte die Gerüchte bereits seit den 60er Jahren. 1969 kam bei seiner ersten Ausgrabung der Vater eines Arbeiters zu ihm. Er sei Zeuge der Hinrichtung der Lena Prink gewesen. Zwar seien sie auf dem Feld gewesen, doch wo genau der Richthügel gewesen sein soll, wusste der Zeuge nicht mehr. Später bei den Klosterausgrabungen in Harsefeld kam erneut ein Zeitzeuge auf ihn zu. Der erzählte, dass Lena hier im Gefängnis gesessen hatte. Alsdorf arbeitete die Gerichtsakte der Marlena durch und suchte nach dem Richthügel, bis er schließlich die Stelle eingrenzen konnte. 2020 wurde dann der Richthügel sowie das Grab der "Roten Lena" gefunden, die unweit des Hügels begraben wurde.

Die sterblichen Überreste der Lena Prink mit dem auffallend guten Gebiss
  • Die sterblichen Überreste der Lena Prink mit dem auffallend guten Gebiss
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Es war Alsdorfs letzte Ausgrabung vor dem Ruhestand - und sie änderte alles. Das Skelett war das eines "Persönchens" mit vollständigem weißen Gebiss, dazu noch in einem viel zu großen Sarg. Nun wollte Alsdorf den Gerüchten auf den Grund gehen, ließ sich sogar von seinem Verlag überzeugen das Buch zu schreiben. Daher beschäftigte er sich noch mehr mit Marlena. Infos erhielt er von der Ahnenforschergruppe Buxtehude und aus Archivalien meist aus dem Niedersächsischen Landesarchiv in Stade.

Viele Fragen noch offen

Als Magd begann Lena mit 17 Jahren in Elstorf zu arbeiten. Der 14 Jahre ältere Knecht Hans Prink stellte ihr nach, vergewaltigte sie sogar. Ihr Vater zwang sie zur Ehe. Zwei Jahre lebten sie in ihrem Elternhaus, bis sie auf der Brillenburg in Buxtehude bei einem Gutsherren Arbeit fanden. Den Gutsherrn zog sie ihrem Mann vor, die Gerüchteküche brodelte.

Zehn Jahre lebte Marlena auf der Brillenburg. Und noch viele Fragen sind für Alsdorf offen. Was ist mit der Gutsherrin? Warum wurde das Gut Lena übertragen? Hat sie womöglich den Gutsherrn mit den Kindern erpresst? Und die größte aller Fragen: Hat sie wirklich ihren Mann vergiftet oder war es am Ende nicht doch ihr wesentlich jüngerer Liebhaber? Bis zum Schluss beteuerte sie schließlich, zwar das Gift angemischt, aber ihrem Mann nie gegeben zu haben. "Ich glaube ihr", gibt Alsdorf zu. Aber er wird für das Buch weiterforschen.

• Wer Fotos der Brillenburg hat, kann sich bei Dietrich Alsdorf unter der Rufnummer 04141-46111 melden.

Kreisarchäologen untersuchten Grab der "Roten Lena" bei Ohrensen
Sein ganzes Berufsleben verfolgte die "Rote Lena" Dietrich Alsdorf (re.), ihre Ausgrabung war seine letzte große Aufgabe
Die sterblichen Überreste der Lena Prink mit dem auffallend guten Gebiss
Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

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