Telefonat statt Sitzungsvorlage
Jahrmarkt trotz Baustelle in der Harsefelder Marktstraße: Ein Anruf bei Dirk Viebrock schafft Klarheit
- Die Harsefelder Jahrmärkte können wie gewohnt in der Marktstraße stattfinden. Dirk Viebrock hat signalisiert, dass es keine Probleme mit der Baustelle geben wird
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Am zweiten Septemberwochenende ist die Welt in Harsefeld noch in Ordnung. Dann ist Herbstmarkt – und zwar dort, wo er immer stattfindet: mitten im Ort, rund um die Marktstraße. Buden, Fahrgeschäfte, Menschengewimmel – und die Geschäfte gleich nebenan. Doch im Rathaus hat man sich bereits Gedanken über die nächsten Frühjahrs- und Herbstmärkte gemacht. Und zwar so gründlich, dass daraus eine dreiseitige Sitzungsvorlage mit dem amtlichen Titel „Frühjahrs- und Herbstmarkt – Festlegung von Alternativstandorten“ entstanden ist. Herausgekommen ist eine akribisch erstellte Pro-und-Contra-Liste mitsamt möglicher Kosten. Eine Fleißarbeit der Verwaltung.
Dabei dürfte für viele Harsefelder allein die Fragestellung befremdlich klingen. Ein Harsefelder Jahrmarkt ohne Marktstraße? Das wäre ungefähr so, als würde man den Münchnern erklären, das Oktoberfest sei zwar weiterhin das Oktoberfest, finde künftig aber nicht mehr auf der Theresienwiese statt. Irgendwo werde sich schon ein hübscher Platz finden.
Quast-Geschäftshaus wird durch Neubau ersetzt
Ganz ohne Anlass hat die Verwaltung ihre Alternativstandorte natürlich nicht zu Papier gebracht. Hintergrund ist der im kommenden Jahr anstehende Abriss des Quast-Geschäftshauses und der anschließende Neubau durch das ortsansässige Bauunternehmen Viebrock. Da im Rathaus offenbar die Sorge bestand, Baustelle und Jahrmarkt passen nicht zusammen, wurden Standort-Alternativen für den Markt geprüft. Es kamen vier Optionen in Betracht: Erstens Festwiese am Eishallenweg plus Parkplatz an der Eissporthalle, zweitens Klosterpark, drittens Platz an der Festhalle sowie viertens die Marktstraße bis zur künftigen Baustelle.
Von der Verwaltung favorisiert wurde die erste Option: die Festwiese mitsamt Eissporthallen-Parkplatz. Mehrere Gründe sprechen dafür. Allerdings müsste die Stromversorgung mit erheblichem Aufwand hergestellt werden und womöglich hätten nicht einmal alle Schausteller Platz. Und dann steht dazu in der Contra-Spalte noch ein kleiner Satz, der eigentlich die ganze Angelegenheit auf den Punkt bringt: „Keine Belebung des Ortskerns.“
Womöglich wäre kein verkaufsoffener Sonntag möglich
Genau bei diesem Punkt meldete sich im zuständigen Ausschuss für Ortsentwicklung und Wirtschaftsförderung das "Sympathische Harsefeld" zu Wort. Der Vertreter der örtlichen Werbegemeinschaft machte deutlich, dass eine Verlagerung für die Geschäftsleute rund um die Marktstraße "verheerende Folgen" haben könnte. Denn der Jahrmarkt bringt nicht nur Karussells und gebrannte Mandeln in den Ortskern. An ihm hängt auch der verkaufsoffene Sonntag. Für eine Sonntagsöffnung braucht es einen entsprechenden Anlass. Und zwischen Anlassveranstaltung und den geöffneten Geschäften muss ein räumlicher Zusammenhang bestehen. Wenn also der Jahrmarkt Richtung Eissporthalle wandert, stellt sich die Frage, ob die Geschäfte in der Marktstraße überhaupt noch öffnen dürften.
Positives Signal von Viebrock
Das "Sympathische Harsefeld" steuerte im zuständigen Ausschuss aber eine interessante Information bei: Man habe seitens der Firma Viebrock signalisiert bekommen, dass Veranstaltungen in der Marktstraße auch während der Bauarbeiten im kommenden Jahr möglich seien. Der Verwaltung habe "ein anderer Informationsstand" vorgelegen, heißt es jetzt im Sitzungsprotokoll. Bösartige Zungen würden jetzt behaupten: Die Verwaltung hat bei der Firma Viebrock womöglich gar nicht nachgefragt. Das WOCHENBLATT tat jedenfalls das Naheliegende und hat bei Co-Firmenchef Dirk Viebrock angerufen.
Dabei stellte sich heraus, dass es keine gravierenden Einschränkungen für die beiden Jahrmärkte im kommenden Jahr geben dürfte. Natürlich muss ein Gerüst aufgestellt und die Baustelle entsprechend gesichert werden. Und voraussichtlich wird ein Teil des Gehwegs auf einer Breite von etwa anderthalb Metern gesperrt. Muss deswegen aber der Jahrmarkt umziehen? Nein, meint der Vorstandschef von Viebrockhaus. Schlimmstenfalls müsse ein Schausteller seine Bude oder sein Fahrgeschäft ein wenig anders positionieren. Solche Details könne man vorher bei einer gemeinsamen Begehung klären. Und sollte tatsächlich irgendwo ein Problem auftauchen, werde man dafür eine Lösung finden, verspricht Dirk Viebrock.
Einfach mal zum Hörer greifen
„Schließlich kenne ich mindestens die Hälfte der Schausteller persönlich“, sagt der Unternehmer. Er sieht jedenfalls keinen Grund dafür, die Traditionsveranstaltung aus dem Harsefelder Ortskern zu verbannen. Sein Vorschlag klingt verblüffend einfach: „Einfach mal mit uns sprechen – und die Sache wird ganz unproblematisch geklärt.“ Die Erkenntnis für die Harsefelder Verwaltung dürfte daher sein: Um ein Problem zu lösen, reicht es manchmal auch, einfach zum Telefon zu greifen, anstatt eine dreiseitige Sitzungsvorlage zu verfassen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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