Rind ist größter "Gülleproduzent" im Kreis Stade / Pilot-Projekte befassen sich mit Gülle-Recycling

Mehr als eine Million Tonnen Gülle erzeugen die Rinder pro Jahr im Kreis Stade   Foto: jd
  • Mehr als eine Million Tonnen Gülle erzeugen die Rinder pro Jahr im Kreis Stade Foto: jd
  • hochgeladen von Jörg Dammann

(jd). Als "besorgniserregend" hat Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) den vor ein paar Tagen veröffentlichten Nährstoffbericht bezeichnet. Rund 60 Millionen Tonnen sogenannter Wirtschaftsdünger - in erster Linie handelt es sich um Gülle, Jauche und Mist aus der Tierhaltung sowie Gärreste aus Biogas-Anlagen - fallen pro Jahr in Niedersachsen an. Vielerorts wird mehr auf den Boden ausgebracht, als die angebauten Nutzpflanzen benötigen. So gelangen zu viele Nährstoffe in die Bäche und ins Grundwasser. Das wiederum hat gravierende Folgen: Die Nitratbelastung des Wassers ist in einigen Regionen zu hoch. "Ein wichtiger Schritt, zu hohe Nährstoffeinträge zu vermeiden, ist die neue Düngeverordnung, die im Sommer 2017 verabschiedet wurde", sagt Helmut Dammann-Tamke: "Durch sie wird die nötige Transparenz geschaffen, die bei dieser Thematik besonders wichtig ist."

Dass der aktuelle Nährstoffbericht auf Landkreisebene heruntergebrochen ist, begrüßt der CDU-Agrarexperte: "So können wir die regionale Situation genau beleuchten." Der Landkreis Stade stehe hinsichtlich der Nährstoff-Bilanz im Vergleich zu den Problem-Regionen wie dem Emsland, dem Oldenburgischen oder dem Raum Vechta recht gut da. Ein Beispiel: Bei Stickstoff hält der Landkreis Cloppenburg mit 219 Kilogramm je Hektar landwirtschaftlicher Fläche niedersachsenweit den Höchstwert. Im Kreis Stade sind es nur 135 Kilo, was deutlich unter der Obergrenze von 170 Kilo liegt.

Der größte "Gülleproduzent" im Kreis Stade ist das Rindvieh mit 1,14 Mio. Tonnen pro Jahr. Weit abgeschlagen folgt das Schwein (207.000 Tonnen Gülle) und beim Huhn kommt nur 24.000 Tonnen Mist zusammen. In den Hochburgen der Schweine- und Hühnermast, also den Landkreisen der Weser-Ems-Region, sind die Mengen zehn- bis zwanzigmal so hoch.
"Diese großen regionalen Unterschiede in den Nährstoffbilanzen hängen mit der Spezialisierung der Landwirtschaft zusammen", erläutert Dammann-Tamke. In den Gebieten, in denen sich die Viehhaltung konzentriere, herrsche ein Überschuss an Wirtschaftsdünger. Diese Nährstoffe würden aber dort benötigt, wo überwiegend Ackerbau betrieben werde.

Doch es sei nicht sinnvoll, die zu mehr als 90 Prozent aus Wasser bestehende Gülle quer durch das Land zu transportieren, so Dammann-Tamke: "Die Kosten sind viel zu hoch." Der Politiker verweist auf Pilotprojekte, bei denen die Gülle quasi "recycelt" wird, indem man das Wasser entzieht und die Nährstoffe herausfiltert. "So können die für die Landwirtschaft nutzbaren Bestandteile optimal wiederverwertet werden", erläutert der Politiker. Aus solcher Recycling-Gülle lasse sich beispielsweise auf umweltfreundliche Weise Phosphor gewinnen. "Idealerweise könnte dieser Dünger dann in Form von Pellets angeboten werden."

Man müsse schließlich bedenken, dass Phosphor eine endliche Ressource sei. Irgendwann seien die Vorräte, die vor allem in Nordafrika abgebaut werden, erschöpft, so Dammann-Tamke: "Gülle ist eben kein Abfallprodukt, sondern ein wichtiger Wirtschaftsdünger. Sie möglichst effizient zu verwerten, trägt zu mehr Nachhaltigkeit in der Lebensmittelproduktion bei."

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Panorama
Im Landkreis Stade sind viele Menschen mit dem Coronavirus infiziert

Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter
Landkreis Stade ordnet ab Samstag strengere Corona-Maßnahmen an

jab. Landkreis. Die Erwartung, dass die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Stade wieder unter 100 sinkt, hat sich nicht erfüllt. Zwar ist eine große Zahl der neuen Fälle auf einen Ausbruch in vier Betrieben zurückzuführen, doch steigt unabhängig davon auch im übrigen Kreisgebiet die Zahl der Ansteckungen. Der Landkreis ist nun eine "Hochinzidenzkommune" im Sinne der niedersächsischen Corona-Verordnung. Daher treten ab Samstag weitere Einschränkungen durch die Corona-Verordnung in Kraft: • Bei...

Wirtschaft
Innungs-Obermeister Jan Jürgens

Innung der Metallhandwerke
Obermeister Jürgens: "Unsere Branche behauptet sich gut"

ce. Landkreis. "Trotz der Pandemie-Krise präsentiert sich unsere Branche im Kreis durch Disziplin, Flexibilität, Kreativität und Durchhaltevermögen gut am Markt." Das betonte Jan Jürgens, Obermeister der Innung der Metallhandwerke des Kreises Harburg, bei deren jetzt Corona-bedingt als Videokonferenz stattgefundener Frühjahrsversammlung. Die notwendige Ausrichtung der Gesellenprüfungen im Dezember und Januar als Präsenzveranstaltungen gelang laut Jürgens dank eines guten Hygienekonzeptes und...

Service
Der Landkreis Stade befindet sich mitten in der dritten Corona-Welle

Auswirkungen der Mutation? Zahl der akut Infizierten im Kreis Stade erstmals über 500
Landkreis Stade: So viele akute Corona-Fälle wie noch nie

jd. Stade. Die Corona-Situation im Landkreis Stade verschärft sich weiter: Am Samstag wurde bei den aktuell Infizierten erstmals die 500er-Marke überschritten. Das Gesundheitsamt meldete 511 "aktuell Erkrankte". Das sind so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Unter "aktuell Erkrankte" sind diejenigen Personen erfasst, die sich aufgrund eines positiven Corona-Tests in Isolation befinden. Anhand der Zahl der aktuell Infizierten lässt sich die jeweilige Corona-Lage gut ablesen. Steigen...

Blaulicht
Die Zahl der Verkehrsunfälle ist gesunken, die der Unfalltoten jedoch gestiegen
2 Bilder

Zehn Menschen sind 2020 gestorben
Zahl der Verkehrsunfälle im Kreis Stade gesunken

tk. Stade. Die Zahl der Verkehrsunfälle im Landkreis Stade ist im vergangenen Jahr um 13,08 Prozent zurückgegangen. Insgesamt ereigneten sich 4.152 Unfälle. Dabei kamen zehn Menschen ums Leben. Das sind einige der Kennzahlen aus der Verkehrsunfallstatistik 2020. Mit einer sinkenden Gesamtzahl an Unfällen hat auch die Anzahl der Verletzten abgenommen. 126 Menschen wurden schwer und 615 leicht verletzt. Die Zahl der Verkehrstoten ist dennoch um drei im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Fünf...

Panorama
Mit der "Notbremse" soll die Verbreitung des Corona-Virus
verhindert werden

Bei einem Inzidenzwert über 100 sollen künftig bundesweit einheitliche Maßnahmen greifen
Was bedeutet die "Notbremse" für uns?

(as). Liegt der Inzidenzwert in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt über 100, kommen also in einer Woche mehr als 100 Neuinfizierte auf 100.000 Einwohner, müssen sich die Menschen in Deutschland auf starke Einschränkungen vor Ort einstellen. Mit der sogenannten bundesweit einheitlichen "Notbremse" sollen Kontakte reduziert und damit das Infektionsgeschehen gebremst werden. Bislang hat jedes Land selbst diese Maßnahmen bestimmt. Das Bundeskabinett hat diese Änderung des...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen