Der Schützen-Leuchtturm

Norbert Viedt (li.) und Torsten Lange sind stolz: Die Vorstandsmitglieder stehen vor der neuen Schießsportstätte des Jesteburger Schützenvereins. Fast zwei Millionen Euro investieren die Schützen in Gebäude und Innenausstattung. Möglich wurde das Projekt nur, weil die Gemeinde das ehemalige Festhallen-Areal für die Ansiedlung eines Famila-Marktes benötigt.
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  • Norbert Viedt (li.) und Torsten Lange sind stolz: Die Vorstandsmitglieder stehen vor der neuen Schießsportstätte des Jesteburger Schützenvereins. Fast zwei Millionen Euro investieren die Schützen in Gebäude und Innenausstattung. Möglich wurde das Projekt nur, weil die Gemeinde das ehemalige Festhallen-Areal für die Ansiedlung eines Famila-Marktes benötigt.
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In Jesteburg entsteht für fast zwei Millionen Euro eine neue Schießsportstätte / Im Mai ist Eröffnung.

mum. Jesteburg. Das ist wirklich beeindruckend! In Jesteburg steht eines der größten Projekte, das ein Schützenverein jemals im Landkreis Harburg realisiert hat, kurz vor der Fertigstellung: das neue Zuhause des Jesteburger Schützenvereins (280 Mitglieder). Für 1,525 Millionen Euro ist am Ortsrand ein modernes Schießsportzentrum entstanden. Weitere 250.000 Euro investierte der Verein in die Ausstattung. „Wir hoffen, dass unsere Frühlingsversammlung am 5. Mai hier stattfinden kann“, sagt Schriftführer Norbert Viedt während eines Rundgangs durch den beeindruckenden Komplex. Gemeinsam mit Präsident Torsten Lange und Vizepräsident Sven Hatesuer bildet Viedt den Vorstand des Schützenvereins. Das Trio war es auch, das die schwierigen Verhandlungen mit der Gemeinde und dem Kieler Unternehmen Famila geführt hatte und jetzt quasi als Bauherr für den Neubau verantwortlich zeichnet. Wie berichtet, soll auf dem ehemaligen Festhallen-Areal ein Famila-Markt gebaut werden. Dafür mussten die Schützen entschädigt werden.
„Das ist schon eine große Verantwortung“, gibt Viedt ehrlich zu. „Immerhin baut man nicht alle Tage so ein Objekt.“ Das sei auch einer der Gründe gewesen, warum die gesamte Bauphase länger als gedacht gedauert habe. Zur Erinnerung: Der erste Spatenstich fand im Dezember 2014 statt. „Zudem haben wir versucht, so viel wie möglich selbst zu machen“, so Viedt. Dabei profitierte der Verein sehr von seinen Mitgliedern, die in ganz unterschiedlichen Gewerken tätig sind. Das gute Netzwerk kam aber beispielsweise nicht zum Tragen beim 277 Quadratmeter großen Versammlungsraum, für den die Gemeinde allein 240.000 Euro bereit stellte. „Aus Gewährleistungsgründen haben wir dort das Verlegen des Fußbodens einer Fachfirma überlassen“, so Viedt.
Der Versammlungsraum ist einer der Höhepunkte des neuen Schützenhauses. Der Saal steht allen Jesteburger Vereinen zur Verfügung. Bis zu 350 Personen finden dort Platz. „Uns ist wichtig, dass dies nicht nur ein Ort für uns Schützen ist“, sagt Lange. „Hier sind alle willkommen.“ Beeindruckend sind die drei Schießanlagen. Der Luftgewehrstand (es wird aus zehn Metern auf zehn Bahnen geschossen) ist komplett digital. Mindestens ebenso beeindruckend sind der Kleinkaliber- (sieben 50-Meter-Bahnen) und der Pistolenstand (fünf 25-Meter-Bahnen). Das gesamte Gebäude hat eine Grundfläche von 1.950 Quadratmetern (2.350 Quadratmeter Nutzfläche). Allein die Heizungs- und Belüftungsanlage ist fast 30 Quadratmeter groß und hat 200.000 Euro gekostet. Übrigens: Im ersten Stockwerk stehen noch 450 Quadratmeter zur Verfügung. Es heißt, der VfL Jesteburg habe Interesse signalisiert.
„Die vergangenen 15 Jahre haben Spuren hinterlassen. Ständig ging es nur um den Abriss der alten Halle und den Neubau“, sagt Norbert Viedt. „Wir haben viel von unserer Strahlkraft eingebüßt“. Der gesamte Vorstand hofft nun auf einen Aufschwung. „Wir wollen mit attraktiven Angeboten den Schießsport für junge Menschen attraktiv machen“, sagt Lange. Der Vorstand ist davon überzeugt, die modernste Schießsportstätte Norddeutschlands zu haben. „Das muss für uns alle Ansporn sein, unserem Verein neues Leben einzuhauchen.“

Auf ein Wort

Eine Chance für das Schützenwesen im Landkreis
Viele haben die Schießstand-Pläne des Schützenvereins stets ob ihrer Ausmaße kritisiert. Muss ein Verein mit 280 Mitgliedern so ein großes „Clubheim“ haben? Ich finde, diese Frage stellt sich nicht. Wäre der Schützenverein ein Unternehmen, dann hätte man die Geschäftsführung - in diesem Fall den Vorstand - für sein Verhandlungsgeschick gelobt. Immerhin ist es den Herren Lange, Viedt und Hatesuer gelungen, Nutzungsrechte für ein Grundstück und eine in die Jahre gekommene Festhalle für 1,525 Millionen Euro an die Gemeinde zu verkaufen. Wenn man jemanden für die Höhe der Kaufsumme kritisieren möchte, dann die Gemeindevertreter, die den Deal unterschrieben haben.
Das ist aber Schnee von gestern. Vor allem sehe ich jetzt eine große Chance für den Jesteburger Schützenverein - eigentlich sogar für das gesamte Schützenwesen im Landkreis Harburg. Gelingt es den Jesteburgern, mit den perfekten neuen Rahmenbedingungen den Schießsport in den Vordergrund zu stellen, dann könnte daraus ein Boom werden, von dem auch andere Vereine profitieren. Dafür allerdings gehört auch die Bereitschaft, sich von verstaubten Traditionen zu verabschieden. Etwa das Schießen von Frauen um die Königswürde (Seite 3). Viele Vereine haben das längst begriffen.
Sascha Mummenhoff

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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