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Wanderweg oder Freizeiteinrichtung?
Jesteburger Märchenwanderweg: Figuren wurden verhüllt

Was ist denn hier los?, fragten sich die Besucher des Märchenwanderwegs am Wochenende. Die Samtgemeinde Jesteburg hatte die Holzfiguren von Trickser und Co. verhüllt. Einen Hinweis, was die Aktion sollte, suchten die Besucher vergeblich. Das WOCHENBLATT hat bei der Samtgemeinde nachgefragt: Um zu vermeiden, dass sich zu viele Menschen vor den Figuren drängeln, wurden diese kurzerhand abgedeckt.
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  • Was ist denn hier los?, fragten sich die Besucher des Märchenwanderwegs am Wochenende. Die Samtgemeinde Jesteburg hatte die Holzfiguren von Trickser und Co. verhüllt. Einen Hinweis, was die Aktion sollte, suchten die Besucher vergeblich. Das WOCHENBLATT hat bei der Samtgemeinde nachgefragt: Um zu vermeiden, dass sich zu viele Menschen vor den Figuren drängeln, wurden diese kurzerhand abgedeckt.
  • hochgeladen von Anke Settekorn

as. Jesteburg. Die Vögel zwitschern, auf dem Boden leuchtet noch das Herbstlaub und die Temperatur ist angenehm mild. Genau richtig also für einen Waldspaziergang. Wer diesen gern auf dem Märchenwanderweg im Klecker Wald unternehmen möchte, erlebt aber eine Überraschung: Die geschnitzten Figuren, die die Geschichte rund um den "Trickser" erzählen, sind seit vergangener Woche verhüllt. Wer nun vermutet, dass es sich hier um eine neue Installation im Stil Christos für den Kunstpfad handelt, liegt falsch.

Spazierengehen ist eine der wenigen Möglichkeiten der Corona-konformen Freizeitgestaltung. Während des Lockdowns haben Landkreisbewohner und auch einige Hamburger die Rundtour für sich entdeckt - zu viele, wie es scheint. "Da der Märchenwanderweg als Besuchermagnet seinen besonderen Reiz an seiner Nutzung verlieren muss, sind wir gehalten, die Elemente vorübergehend zu entfernen oder unkenntlich zu machen", teilt Jesteburgs Erste Samtgemeinderätin Petra Buzina dem WOCHENBLATT mit. Einen Hinweis auf die Sperrung, zum Beispiel auf der großen Informationstafel am Zugang, gibt es aber nicht. Das Verhüllen der Figuren soll verhindern, dass der Wanderweg besucht wird. Jesteburgs Gemeindedirektor Henning Oertzen hatte sich im Vorfeld deutlich gegen diese Maßnahme ausgesprochen.

Auch am vergangenen Wochenende drängten sich die abgestellten Fahrzeuge auf dem Parkplatz und der Straße Lohof. "Hier im Wald kann man noch Abstand halten. Das verläuft sich doch", sagte ein Paar aus Hamburg. Eine abschreckende Wirkung hätten die verhüllten Figuren nicht. "Wer hierher fährt, dreht doch nicht einfach um", sagte eine Familie aus dem Landkreis, die die Rundtour dann eben ohne Figuren gelaufen ist.

Die Samtgemeinderätin beruft sich auf den Landkreis Harburg, der den Märchenwanderweg als "Freizeitattraktivitätsangebot" einordnet. Als solches müsse der Weg laut der Niedersächsischen Corona-Verordnung für Publikumsverkehr und Besuche geschlossen sein. "Eine andere Entscheidung lässt sich aufgrund des harten Lockdowns, der verstärkt kursierenden Mutationen sowie in Anbetracht der stagnierenden oder gar leicht steigenden Inzidenzwerte im Landkreis Harburg nicht rechtfertigen", sagt Petra Buzina.

Aber wie sieht es bei den anderen Erlebniswegen im Landkreis Harburg aus? Müsste man dann nicht auch zum Beispiel die Tafeln des Planetenlehrpfads in Handeloh abdecken? Oder den Kunst- und Kulturpfad in Buchholz? Der wurde auf der Facebookseite des Regionalparks Rosengarten am Mittwoch noch als "Entdeckungsreise vor der eigenen Haustür" beworben, versehen mit dem Hinweis: "Gern mal ausprobieren." Bei gutem Wetter sind der Heidschnuckenweg, die Heidelandschaft im Büsenbachtal und der Brunsberg regelmäßig überfüllt. Wie verhält es sich dort?

Kreissprecher Bernhard Frosdorfer sagt: "Der Heidschnuckenweg oder auch das Büsenbachtal sind wunderschöne Naturregionen, die nicht erst durch Spielgeräte oder Skulpturen besonders attraktiv werden. Wenn es hier zu großen Besucherkonzentrationen und damit zu Corona- oder anderen Rechtsverstößen kommt, wie es auf dem Brunsberg bei Sprötze zuletzt an den vergangenen Winterwochenenden der Fall war, schreiten die kommunalen Ordnungsämter und die Polizei ein."

Besucherandrang nicht vergleichbar
Die Samtgemeinde Jesteburg habe der Kreisverwaltung im vergangenen Herbst mitgeteilt, dass sich der Märchenwanderweg insbesondere in der Pandemie zu einer besonderen Attraktion für Familien mit kleinen Kindern entwickelt und auch Tagestouristen aus Hamburg sowie den umliegenden Landkreisen anzieht. "Diese an sich sehr erfreuliche Entwicklung führt jedoch dazu, dass es nicht nur zu Verstößen gegen die geltenden Corona-Regeln kommt, sondern der dazugehörige Parkplatz regelmäßig völlig überfüllt ist und auch illegal auf einem naheliegenden Feld geparkt wird", so Kreissprecher Bernhard Frosdorfer.

Durch die Gestaltung des Märchenwanderwegs mit Spielgeräten und den hölzernen Märchenfiguren, die zum längeren Verweilen einladen, und den starken Publikumszuspruch sei der Weg als im Sinne der Corona-Verordnung unzulässige Freizeiteinrichtung einzustufen. Die zuständige Ordnungsbehörde der Samtgemeinde Jesteburg habe insofern in der Pflicht gestanden, die Situation vor Ort durch von ihr als geeignet eingeschätzte Maßnahme zu entschärfen. Die Kreisverwaltung habe keine detaillierten Regelungen dafür vorgegeben.

Für andere an sich vergleichbare Wege wie z.B. den Planetenlehrpfad Handeloh, seien dem Kreis von den dort zuständigen Ordnungsämtern keine vergleichbaren Besucherkonzentrationen gemeldet worden. 

Märchenwanderweg und Trickser
Der 3,2 Kilometer lange Märchenwanderweg führt seit 2008 durch den Kleckerwald. Unterwegs wird anhand kunstvoll geschnitzter Figuren und mit 15 interaktiven und fünf Kletter- und Balance-Stationen das Märchen "Der Trickser" erzählt: Seitdem der Trickser den Zauberstab des Dorfes zerstört hat, herrscht dort nur noch Zwietracht. Die Elfe Pinki, der Zwerg Zipfel und der Kobold Keril machen sich gemeinsam auf, einen neuen Zauberstab zu besorgen und so die Harmonie im Dorf wieder herzustellen.

Autor:

Anke Settekorn aus Jesteburg

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