mum. Jesteburg. "Mensch Wilhelm, kümmer Dich doch mal darum!" - dieser Satz fiel in den 1980er und 1990er Jahren oft. Immer dann, wenn Bürger in die Schmiede von Wilhelm Frommann mitten in Jesteburg kamen, um ihn auf Missstände hinzuweisen. "Und Wilhelm sagte dann stets 'Jawohl' und verließ seinen Betrieb", erinnert sich Hans-Heinrich Aldag an Wilhelm Frommann, der am 15. Mai im Alter von 88 Jahren verstorben ist.
Aldag, Inhaber der Waldklinik und Vorsitzender des Samtgemeinderates, trat 1998 in die Fußspuren von Frommann als Bürgermeister der Gemeinde Jesteburg. Und er erinnert sich gern an seinen Amtsvorgänger: "Seine Schmiede direkt am Niedersachsenplatz und der Blaumann, den der Bürgermeister bei seiner eigentlichen Arbeit trug, bauten Berührungsängste ab." Die Schmiede hatte Wilhelm Fromman, der am 27. März 1932 geboren wurde, nach dem Krieg von seinem Vater übernommen. Bauschlosserei und Kunstschmiederei waren die Säulen des Betriebs.
"Ich möchte meinen Heimatort aktiv mitgestalten" lautete Frommanns Leitsatz. Und das tat er. Während seiner Amtszeit gab es in Jesteburg nicht nur einen großen Einwohnerzuwachs, es wurden auch zahlreiche Projekte realisiert. An der Lüllauer Straße entstand ein Gewerbegebiet, die Polizeistation wurde eingerichtet. Außerdem wurden das Heimathaus, das Rathaus und der Kindergarten am Moorweg gebaut.
In die Kommunalpolitik stieg der gebürtige Jesteburger 1981 ein. Ein Jahr zuvor wurde er CDU-Mitglied. Dieses Jahr sollte er für seine 40-jährige Mitgliedschaft geehrt werden. Wilhelm Frommann gehörte dem Gemeinde- und Samtgemeinderat von 1981 bis 1998 an. Zudem war er von 1986 bis 2001 Mitglied des Kreistags.
Als er am 15. Dezember 1982 als Nachfolger von Walter Meyer das Amt des Bürgermeisters übernahm, betonte er, "parteipolitische Gedanken stehen für mich im Hintergrund. Mir geht es vor allem darum, mit einer mehrheitsfähigen Fraktion unseren Ort und die Region für die Bewohner lebens- und liebenswert zu gestalten".
Das WOCHENBLATT bezeichnete ihn aufgrund der raschen Karriere als "politischen Senkrechtstarter". Ehefrau Gerda soll damals nicht sonderlich begeistert gewesen sein, dass ihr Mann Bürgermeister wurde und weniger Zeit für sie hatte. Die Kinder waren damals aus dem Haus - Tochter Ulrike Lehrerin in London und der Sohn Jens-Wilhelm bei der Bundeswehr.
So überraschend Wilhelm Frommann in die Politik eingestiegen war, so plötzlich kam dann auch sein Rücktritt. Während der Einweihung des VfL-Vereinshauses im Mai 1998 kündigte Frommann nach 16 Jahren im Amt seinen Rücktritt an. Kritiker waren sich damals sicher, dass ein Grundstücksdeal, bei dem Frommann einen Teil eines Millionen-Erbes einstrich, Anlass des Rücktritts war.
Die Verbundenheit zu Jesteburg dokumentierte Wilhelm Frommann nicht zuletzt mit seiner Mitgliedschaft in nahezu allen Vereinen des Dorfes. In der Tennishalle schwang er den Schläger, im Kegelclub "Scheeben Wind" warf er so manches Mal alle Neune. Er war 69 Jahre Mitglied des Schützenvereins (Ehrenmitglied der 2. Kompanie), zudem gehörte der Hauptfeuerwehrmann 64 Jahre der Freiwilligen Feuerwehr an. Doch dem Fußball gehörte sein ganzes Herz, meint zumindest Hans-Heinrich Wolfes, der langjährige Archivar der Gemeinde Jesteburg. Gemeinsam waren sie, so lange es die Gesundheit zuließ, als Zuschauer bei den Ligaspielen des VfL Jesteburg dabei. Frommann selbst soll ein durchaus begabter Fußballer gewesen sein. Dieses Talent hat er an Sohn Jens-Wilhelm vererbt, der ebenfalls beim VfL spielte.
• Die Trauerfeier findet am Montag, 25. Mai, im engsten Familienkreis statt. Anstelle freundlich zugedachter Blumen und Kränze bittet die Familie um eine Spende zu Gunsten des Arbeitskreises für Heimatpflege (IBAN: DE46 2075 0000 0001 0028) oder der Jugendfeuerwehr (IBAN: DE14 2406 0300 0301 0198 01).

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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