Flucht aus dem Rathaus

Da war die Welt in Bendestorf noch in Ordnung: 
Bürgermeister Bernd Beiersdorf (re.) gratulierte im Sommer Björn Broocks zu seiner Ernennung zum Gemeindedirektor Fotos: Gemeinde Jesteburg
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    Bürgermeister Bernd Beiersdorf (re.) gratulierte im Sommer Björn Broocks zu seiner Ernennung zum Gemeindedirektor Fotos: Gemeinde Jesteburg
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Jesteburger Verwaltungs-Mitarbeiter haben gekündigt / Fachbereichsleiterin wechselt nach Hanstedt.

mum. Bendestorf/Jesteburg. "Eigentlich hatten wir gerade die Lücken geschlossen und waren auf einem guten Weg", sagt Jesteburgs Verwaltungschef Hans-Heinrich Höper. "Alle Planstellen im Rathaus waren besetzt - zum Teil sogar mit jungen, engagierten Mitarbeitern." Doch zum Ende des Jahres verlassen gleich zwei Führungskräfte das Rathaus. Björn Broocks, der erst im Sommer zum Bendestorfer Gemeindedirektor gewählt wurde, zieht es nach Schneverdingen. Fachbereichsleiterin Carmen Eggers übernimmt eine ähnliche Funktion wie in Jesteburg ausgerechnet in der Nachbargemeinde Hanstedt. "Beide Mitarbeiter sind herausragende Kräfte, die ich nicht gern verliere", so Höper. "Doch ich kann den Wechsel in beiden Fällen nachvollziehen." Für Höper ist die Politik verantwortlich für den Abschied der Rathaus-Mitarbeiter. "Ich habe davor gewarnt, dass die hohe Belastung zu Konsequenzen führen wird. Doch das will seit Jahren niemand hören."
Höper nennt Beispiele: "Am Mittwochabend fand die Sitzung des Ausschusses für Jugend, Senioren, Sport und Soziales des Gemeinde Jesteburg statt. Obwohl die Tagesordnung nur 13 Punkte umfasste, ging die Sitzung von 19 bis 22.40 Uhr. "Außer Carmen Eggers nahmen noch zwei weitere Verwaltungsmitarbeiter an der Sitzung teil", so Höper. "Eigentlich hätten sie laut Tarif eine Ruhepause von elf Stunden haben müssen, doch am Donnerstag waren sie wieder um 8 Uhr am Arbeitsplatz." Laut Höper sei dies nicht die Ausnahme. "Sitzungen bis 23 Uhr sind in Jesteburg die Regel." Er habe vorgeschlagen, die Sitzungen bereits um 17 Uhr beginnen zu lassen. "Das wollte die Politik nicht, weil es nicht mit dem Ehrenamt vereinbar sei", so der Verwaltungschef. Zum Vergleich: In Seevetal beginnen die Fachausschussrunden bereits um 17 Uhr. Gerade die häufigen Sitzungen würden nicht mehr zu den Lebensvorstellungen junger Menschen passen. "Ich kann verstehen, dass meine Mitarbeiter lieber Zeit mit ihren Familien verbringen möchten."
Höper geht noch einen Schritt weiter. "Das Problem besteht aber nicht nur darin, dass die Mitarbeiter viel arbeiten müssen, sondern dass die Politik sie umsonst arbeiten lässt." Der Verwaltungschef nennt als Beispiel die diskutierte Zusammenlegung der Bauhöfe. "Ich habe gleich zu Beginn deutlich gemacht, welche Konsequenzen die Pläne haben können", so der Verwaltungschef. Dennoch habe es Konsens darüber gegeben, es zu machen. In Bendestorf sei man dabei den B-Plan zu ändern, die Samtgemeinde arbeite am F-Plan. "Viel Arbeit wurde investiert", so Höper. "Und auf einmal haben es sich einzelne Politiker anders überlegt. Kommt es nicht zu einem gemeinsam Bauhof, dann sind sechs Monate Arbeit umsonst gewesen." Noch ärgerlicher sei, dass die Gemeinde Bendestorf dabei sei, sich das Grundstück zu sichern. "Zuvor hatte sowohl der Jesteburger Verwaltungsausschuss, als auch der Samtgemeindeausschuss ein klares Signal gesendet."
Die Stelle von Carmen Eggers, die in Jesteburg 1998 als Auszubildende begann und in verschiedenen Funktionen tätig war, soll ausgeschrieben werden. Für Björn Broocks gibt es noch keinen Ersatz.
Die Samtgemeinde arbeitet gerade an einer neuen Struktur auf Verwaltungsebene. Künftig sollen zwei statt drei Fachbereichleiter unter Höper die Verwaltung führen. Sie sollen von Abteilungsleitern unterstützt werden. Parallel geht es Höper auch um die generelle Struktur in einer Samtgemeinde: "Die Anforderungen - etwa bei der Erstellung eines B-Plans - werden immer komplizierter", so Höper. "Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, sie von einer Fachabteilung im Samtgemeinde-Rathaus machen zu lassen und nicht mehr im Gemeindebüro in Bendestorf." Doch das müsse politisch gewollt sein. "Und mir fehlt der Glaube, dass die Politik bereit ist, diesen Weg mitzugehen." Höper betont, dass es ihm nicht darum geht, aus der Samtgemeinde eine Einheitsgemeinde zu machen. "Fakt ist aber, dass wir für die derzeitigen Aufgaben nicht richtig aufgestellt sind." Das werde unter anderem auch am Beispiel Bauhof deutlich. "Ein Betrieb mit zwei Mitarbeitern wie der in Bendestorf kann die Aufgaben, die an ihn gestellt werden, heute gar nicht mehr leisten - unter anderem ein Bereitschaftsdienst. Wir müssen solche Herausforderungen gemeinsam lösen." Immerhin: Höper räumt ein, dass es durchaus auch Politiker gibt, die die Notwendigkeit sehen, etwas zu ändern.

Auch Höper legte sein Amt nieder
Hans-Heinrich Höper selbst legte sein Amt als Jesteburger Gemeindedirektor nieder, weil ihm die Belastung zu groß wurde (das WOCHENBLATT berichtete). Danach leisteten sich SPD, CDU und Gründe eine mehr als peinlich Posse bei der Wahl des Nachfolgers. Wie berichtet, wurde die Wahl von Kämmerer Henning Oertzen, bislang Höpers Stellvertreter, im Sommer unter fadenscheinigen Gründen von der Tagesordnung genommen. Er selbst erfuhr davon erst während der Sitzung. Monate später wurde er dann einstimmig gewählt. In der Zwischenzeit gab es viele Gerüchte und Spekulationen um die wahren Gründe, die bis heute nicht bekannt sind.

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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