Grundsatzentscheidung erneut vertagt
Rat will Kosten für Grundschule Jesteburg nochmals prüfen
- Eindringliche Appelle seitens der Schule und Elternvertreter gingen der Debatte über die Zukunft der Jesteburger Grundschule voraus
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Die Entscheidung über die Zukunft der Grundschule Jesteburg ist vertagt worden. Nach einer fast dreistündigen, erneut stark kontroversen Diskussion vor etwa 60 Besuchern hat der Samtgemeinderat am Donnerstagabend einstimmig einen Antrag der Wählergemeinschaft UWG Jes! beschlossen, wonach die bislang vorliegenden Kostenberechnungen erneut überprüft werden sollen.
Seit Jahren wird darüber diskutiert, ob die in die Jahre gekommene Grundschule umfassend saniert oder auf dem Reitplatzgelände neu gebaut werden soll. Während die bisherige Wirtschaftlichkeitsuntersuchung die Sanierung aus Kostengründen favorisiert, sehen Befürworter eines Neubaus darin langfristig die pädagogisch und wirtschaftlich bessere Lösung.
Auslöser der erneuten Debatte waren neue Berechnungen aus der Elternschaft. Zwei bundesweit tätige Bauunternehmen hatten überschlägige Marktindikationen vorgelegt, wonach ein schlüsselfertiger Neubau deutlich günstiger ausfallen könnte als die bisher zugrunde gelegten rund 23 Millionen Euro. Teilweise liegen die Schätzungen sogar unter den kalkulierten Kosten für die Sanierungsvariante. Die UWG Jes! legte daher einen Antrag vor, diese Zahlen vor einer solch weitreichenden Entscheidung sorgfältig zu prüfen.
Die Verwaltung hatte die neuen Berechnungen zwar bewertet, sah sie bislang jedoch nicht als belastbare Grundlage für einen direkten Vergleich mit der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung.
„Da ein Neubau grundsätzlich qualitativ die besseren Voraussetzungen bietet, müssen die Kosten beider Varianten realistisch und vollständig geprüft werden. Genau das wird nun nachgeholt", erklärt Hansjörg Siede für die UWG.
Für die Wählergemeinschaft sei der Neubau von Anfang an die fachlich bessere Lösung gewesen. Eine moderne Ganztagsgrundschule solle nicht nachträglich in ein bestehendes Gebäude hineingepasst werden müssen, sondern von Beginn an so geplant werden, dass Unterricht, Betreuung, Differenzierung, Verwaltung, Barrierefreiheit, Außenflächen und pädagogische Abläufe zusammen funktionieren.
Dieser Haltung schlossen sich wiederholt auch SPD und die Grünen an, wie auch Ratsmitglied und Kandidat für das Amt des Samtgemeinde-Bürgermeisters Christoph Kröger in seinem Redebeitrag bekräftigte: "Der Gesetzgeber hat diese Verantwortung dorthin gegeben, wo die Menschen leben und wo die Bedürfnisse der Bevölkerung am besten bekannt sind. Mutige Entscheidungen erkennt man nicht daran, dass sie einfach sind. Man erkennt sie daran, dass sie langfristig die richtigen sind."
Trotz Bedenken seitens der CDU, die Kommunalaufsicht könnte einem Neubau die Zustimmung verwehren, überwog am Ende die Auffassung, dass angesichts der neuen Erkenntnisse zunächst noch mehr Klarheit geschaffen werden müsse.
Nach Angaben der Verwaltung wird die Prüfung allerdings mehr Zeit in Anspruch nehmen als bis zur nächsten Ratssitzung am 24. September. Da die Kommunalwahl bereits am 13. September stattfindet, scheint es somit unausweichlich, dass der amtierende Samtgemeinderat keine Grundsatzentscheidung mehr wird treffen können.
Kommentar
Mehr als ein Appell
Seit fast zehn Jahren ringt Jesteburg um die Zukunft seiner Grundschule. Alle wissen, wie marode das Gebäude ist. Ebenso bekannt ist die angespannte Finanzlage der Samtgemeinde. Zwischen diesen beiden Realitäten bewegt sich eine Debatte, die so emotional geführt wird wie kaum eine andere.
Als Hauke Gilbert, Inhaber der Jesteburger Drogerie und Fotograf, in der Einwohnerfragestunde den Ratsmitgliedern zurief: „Sprengt die Grenzen eurer Parteien und hört auf euer Herz!“, brachte er die Stimmung vieler Eltern und Unterstützer auf den Punkt. Doch vielleicht ist jetzt nicht nur die Politik gefragt.
Warum nicht eine Crowdfunding-Aktion für die neue Schule ins Leben rufen? Sicher wird damit kein Millionenprojekt finanziert. Aber jeder Euro kann helfen, den Eigenanteil der Samtgemeinde zu senken und dem neuen Rat die Entscheidung zu erleichtern. Vor allem wäre es ein starkes Zeichen des Zusammenhalts.
Gerade in einer Region wie Jesteburg, im Speckgürtel Hamburgs, leben viele Menschen, die sich ein Engagement leisten können. Wer sich eine moderne Schule für die eigenen Kinder oder das eigene Arbeitsumfeld wünscht, sollte auch bereit sein, kleine Opfer zu bringen. Nicht jeder muss Großspender sein – aber viele kleine Beträge können gemeinsam Großes bewirken.
Vielleicht wäre das die schönste Botschaft dieser langen Debatte: Nicht immer nur auf staatliche Institutionen zu bauen, sondern selbst Verantwortung für die Zukunft der nächsten Generation zu übernehmen.
Heidi Goch-Lange
Redakteur:Heidi Goch-Lange aus Buchholz |
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