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Zweite Chance für Böttcher?

Um diese versiegelte Fläche geht es: Böttchers Kritiker haben eine Verschiebung der Baulinie abgelehnt. Begründung: Der "Hofcharakter" würde verloren gehen Foto: archiv/as
 
Robert Böttcher möchte seinen Hof vergrößern, notfalls auch im Ortskern. Mehrfach hatte er der Politik in den vergangenen drei Jahren angeboten, sich die Gegebenheiten bei einem Ortstermin anzuschauen - jetzt erst haben ihn die Ratsmitglieder besucht
Bebauungsplan Itzenbüttel-Ortsmitte: Politik will nach Ortstermin erneut über "Jappens Hof" beraten

as. Itzenbüttel. Das Ringen um die Erweiterung des "Jappens Hof" geht in die nächste Runde: Nachdem Robert Böttcher im WOCHENBLATT ankündigte, die Erweiterung notfalls mit einem großen Stall auf seiner Hofstelle in Itzenbüttel durchzuführen, bat die Politik überraschend um einen Ortstermin. Zuletzt hat der Gemeinderat gegen die Verschiebung der Baugrenze gestimmt - jetzt wollen die Ratsmitglieder erneut über den Hof beraten.
Seit drei Jahren möchte Landwirt Robert Böttcher seinen "Jappens Hof" an den Ortsrand Itzenbüttels verlegen und dort erweitern. Die alte Hofstelle im Ortskern möchte er an einen Investor verkaufen, der dort Einzel-, beziehungsweise Mehrfamilienhäuser schaffen will. Auf das Geld aus dem Verkauf ist Böttcher angewiesen, um die Aussiedlung zu finanzieren.
Böttcher präsentierte in der Vergangenheit unterschiedliche Konzepte für seine Hofstelle. Auf wenig Gegenliebe stieß seine Idee, eine Einrichtung zur Betreuung von 60 jugendlichen Asylbewerbern zu errichten. Für sein Vorhaben, dort Wohnhäuser zu errichten, hat er mehrere Entwürfe präsentiert, die jedoch immer wieder von der Politik abgewiesen wurden. Das Problem: Um die Wohnbebauung zu realisieren, müsste die Baulinie um rund 20 Meter verschoben werden - das hat zuletzt der Gemeinderat im April mehrheitlich abgelehnt. Böttcher sieht nur eine Lösung: Kann er nicht aussiedeln, muss er seinen Betrieb im Ort vergrößern und einen neuen, riesigen Stall auf seiner Hofstelle errichten. Seine Kritik: Kaum einer der Politiker, mit Ausnahme von CDU-Ratsfrau Britta Witte, habe sich vor der Beschlussfassung die Gegebenheiten vor Ort angeschaut - und das trotz mehrfacher Einladung (das WOCHENBLATT berichtete).
Nachdem sie im April bereits den Bebauungsplan ohne Verschiebung der Baulinie beschlossen hatten, haben jetzt Vertreter von CDU, Grünen, SPD und UWG den Hof besucht, um sich vor Ort ein Bild zu machen. "Nicht alle Ratsmitglieder waren mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut", so CDU-Chefin Britta Witte. "Den meisten Ratsmitgliedern ist wichtig, dass kein beliebiges Einzelhausgebiet dort mitten im Ort entsteht, sondern etwas mit Hofcharakter", berichtet sie.
Böttcher hatte dargestellt, was der Beschluss des Gemeinderates, der Verschiebung der Baulinie nicht zuzustimmen, für seinen Hof bedeutet und abgesteckt, wie eine Erweiterung seiner Ställe auf der jetzigen Hofstelle aussehen könnte. Auf eine Anfrage des WOCHENBLATTS bezieht Witte pro Böttcher Stellung: "Einige Ratsmitglieder nennen das Erpressung, ich nenne es die Beschreibung des alternativen Szenarios. So kann keiner hinterher sagen, das hätte er nicht gewusst", so die deutlichen Worte von Britta Witte.
Offenbar hat sich den Politikern auf dem Gelände ein anderes Bild ergeben, als vom Ratstisch aus - nachdem Böttcher ihnen seine Pläne verdeutlicht hat, waren die anwesenden Ratsmitglieder von der Ausweisung des Baugebietes überzeugt, berichtet der Fraktionsvorsitzende der SPD, Helmut Pietsch.
Die Politik will die Angelegenheit jetzt nach der Sommerpause nochmals in den Gremien beraten. SPD und CDU kündigten an, für die Verschiebung der Baulinie zu stimmen. Die UWG hingegen sieht Nachholbedarf für den vorgestellten Entwurf. "Wir würden uns für eine Korrektur der bisherigen Beschlüsse einsetzen, wenn ein verbindlicher, naturnaher und der dörflichen Siedlungsstruktur angepasster Entwurf in die politischen Beratungen eingebracht wird", teilte Hansjörg Siede dem WOCHENBLATT mit.
Robert Böttcher ist skeptisch, ob der Stimmungswandel für ihn noch rechtzeitig kommt. Ein Investor sei ihm bereits aufgrund der langen Entscheidungsprozesses abgesprungen. "Ich möchte nicht noch mal drei Jahre warten, bis die Politik sich vielleicht wieder etwas anderes ausdenkt." Sobald die Ernte eingeholt ist, möchte er gemeinsam mit seiner Tochter die Erweiterung des Hofes voranbringen. "Dann müssen wir planen - mit dem Ergebnis, das uns bis dahin vorliegt." Es ist zu begrüßen, dass die Ratsmitglieder den Weg zum "Jappens Hof" gefunden haben. Allerdings viel zu spät.

Auf ein Wort


Zu wenig, zu spät

Die Gegebenheiten vor Ort hätten sich die Politiker besser vor ihrer Entscheidung anschauen sollen. Zeit genug hatten sie, schließlich kämpft Robert Böttcher seit drei Jahren darum, dass auf seiner Hofstelle Wohnbebauung ermöglicht wird. Unter Beteiligung der Öffentlichkeit wurde ein großer Masterplan erstellt, der die Entwicklung des Ortes auf Jahre steuert, mehrfach wurden Böttchers Pläne in den Gremien diskutiert - für einen Abstecher nach Itzenbüttel fand sich keine Gelegenheit. Ein erneutes Planänderungsverfahren kostet Zeit - verständlich, dass Böttcher nach Alternativen sucht. Ja, Böttchers Ankündigung, einen großen Stall in der Ortsmitte zu errichten, kann als Drohung aufgefasst werden. Doch der in die Enge getriebene Böttcher schöpft nur seine rechtlich zulässigen Möglichkeiten aus, die ihm wie jedem anderen Bürger zustehen. Wenn tatsächlich der riesige Stall in der Ortsmitte entsteht und der Masterplan zunichte gemacht wird, ist das der Politik zuzuschreiben, die ausreichend Zeit hatte, sich zu informieren.