Großprojekt im Alten Land
Ausbaggerung soll Borsteler Binnenelbe retten
- Die Borsteler Binnenelbe
- Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
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Borsteler Binnenelbe: Wasser wird knapp, Lösungen gesucht
Die Borsteler Binnenelbe verschlickt immer mehr — mit spürbaren Folgen, besonders für den Obstbau. Was über Jahrzehnte gewachsen ist, wird zunehmend zur Herausforderung für Landwirtschaft, Hochwasserschutz und Naturschutz in der Region.
Ursprünglich konnte das Gewässer rund eine Million Quadratmeter Wasser aufnehmen. Heute ist davon nur noch ein Bruchteil übrig. Sedimente lagern sich kontinuierlich ab, der Wasserraum schrumpft. Fachleute warnen, dass die Binnenelbe langfristig nahezu vollständig verlanden könnte, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
„Heute stehen uns durch die Verschlickung nur noch 400.000 Quadratmeter Wasser zur Verfügung. Nicht nur für den Obstbau wird dies problematisch, wir benötigen mittelfristig Auffangreservoire für Regenwasser, sagt Bernd Sänger, Vorsitzender des Vereins Borsteler Hafen e.V. in Jork.
Zentrale Rolle für Obstbau, Wasser und Naturschutz
Die Bedeutung der Binnenelbe reicht weit über das Landschaftsbild hinaus. Sie dient als Rückhaltefläche bei starken Niederschlägen und trägt damit zum Schutz vor Binnenhochwasser bei. Gleichzeitig ist sie ein unverzichtbarer Süßwasserspeicher für den Obstbau im Alten Land. Tausende Hektar Anbaufläche sind auf dieses Wasser angewiesen – etwa für die Frostschutzberegnung im Frühjahr oder zur Bewässerung in trockenen Sommern.
Mit zunehmenden Salzwassereinträgen aus der Elbe gewinnt dieser Aspekt zusätzlich an Brisanz. Gleichzeitig geraten auch ökologische Lebensräume unter Druck: Das Gebiet gehört zum Schutzraum „Elbe und Inseln“ und bietet seltenen Fischarten wichtige Rückzugsorte – die durch die Versandung zunehmend verloren gehen.
- Teil des Schutzgebiets „Elbe und Inseln“: Die Borsteler Binnenelbe
- Foto: Bernd Sänger
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Ausbaggerung als möglicher Ausweg
Um gegenzusteuern, arbeiten Landkreis Stade, Gemeinde Jork, der Wasser- und Bodenverband Jork Borstel Ladekop, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz sowie das Planungsbüro Sweco an ersten Konzepten für eine umfassende Ausbaggerung der Binnenelbe und des angrenzenden Hafens.
Die Maßnahme könnte mehrere Probleme zugleich lösen. Unter den Schlickschichten wurden größere Mengen Klei entdeckt – ein Rohstoff, der im Deichbau dringend benötigt wird und immer knapper wird. Nach entsprechender Aufbereitung könnte dieses Material künftig für die Verstärkung von Elbdeichen genutzt werden. Erste Proben wurden bereits entnommen, weitere Untersuchungen laufen.
- Experten warnen vor vollständiger Verlandung
- Foto: Bernd Sänger
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Unterstützung aus Hannover und langer Weg zur Umsetzung
„Die Reaktion aus Hannover war durchweg positiv und aufgeschlossen. Das Land Niedersachsen will den Weg ins Projekt gehen. Finanziert wird aus Küstenschutzmitteln. Im Jahr 2027 wird die Voruntersuchung ausgeschrieben, im Spätsommer der Antrag gestellt“, sagt Jorks Bürgermeister Matthias Riel.
Geplant sei unter anderem ein großflächiger Polder, in dem der ausgebaggerte Schlick über mehrere Jahre trocknen kann. Bis erste Materialien tatsächlich genutzt werden können, rechnen Fachleute mit einem Zeitraum von rund sechs Jahren. Auch finanziell bewegt sich das Vorhaben in einer erheblichen Größenordnung – aktuelle Schätzungen liegen zwischen fünf und knapp 13 Millionen Euro.
Redakteur:Stefanie Schimanski aus Buxtehude |
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