Leader-Förderprogramm: Es geht um Millionen

Jürgen Kluft (v.li.), Rainer Kröger und Harald von Thaden vom Verein "Bäuerliches Hauswesen Bliedersdorf" wünschen sich Fördergelder für den Aufbau eines historischen Sägewerks
  • Jürgen Kluft (v.li.), Rainer Kröger und Harald von Thaden vom Verein "Bäuerliches Hauswesen Bliedersdorf" wünschen sich Fördergelder für den Aufbau eines historischen Sägewerks
  • hochgeladen von Björn Carstens

bc. Altes Land/Horneburg. Was einmal gut funktioniert hat, soll auch ein zweites Mal klappen: Die Region Altes Land (Jork, Lühe) und Horneburg schickt sich an, erneut Millionen-Zahlungen aus dem EU-Förderprogramm "Leader" zu erhalten. Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung ist ein Entwicklungskonzept, an dem Bürger mitgestalten sollen. Am Dienstag kamen knapp 50 Interessierte in die Jorker Festhalle und ließen ihrer Kreativität auf dem "1. Leader-Zukunftsgipfel" freien Lauf.

Es geht immerhin um die beachtliche Summe von zwei Millionen Euro - der gleiche Betrag wie in der vergangenen Förderperiode von 2007 bis 2013. Damals flossen Gelder aus Brüssel in den Bau des Nottensdorfer Aussichtsturms (100.000 Euro), in die Sanierung des Gasthauses "Zur schönen Fernsicht" (200.000 Euro), in die Installation eines WC auf dem Jorker Wohnmobilplatz, etc. 37 Projekte wurden verwirklicht, insgesamt gute vier Millionen Euro investiert.

Auch diesmal mangelt es den Menschen an der Niederelbe nicht an Einfallsreichtum. Marion Albers (Bürgerverein Jork) bringt die Idee des "Praxis-Sharing" aufs Tapet. "So könnte man eine bessere Fachärzte-Versorgung auf dem Land gewährleisten", sagt die Ratsfrau. Dahinter steckt der Gedanke, dass sich mehrere Mediziner verschiedener Fachrichtungen fertig eingerichtete Praxisräume teilen. Ein Modell, das auch bei geringeren Patientenzahlen wirtschaftlich ist.

Der Verein "Bäuerliches Hauswesen Bliedersdorf" hat schon einmal vom Leader-Programm profitiert, als der Aufbau eines historischen Hallenhauses mit EU-Mitteln finanziert wurde. Diesmal wünschen sich die Vereinsvertreter erneut Unterstützung. Ein altes Sägewerk aus dem Jahr 1910, das einst in Himmelpforten stand, liegt bereits eingelagert auf Gut Daudieck. "Ein technisches Baudenkmal, das wir gerne aufbauen und aktiv betreiben wollen", sagt der Vorsitzende Rainer Kröger.

Kerstin Hintz, bekannt als engagierte Welterbevereins-Vorsitzende, wartete mit kreativen Vorschlägen zum Thema Barriere-Freiheit auf: Hinweisschilder für Blinde im öffentlichen Raum wie auch spezielle Kommunikationstechnik, um sich besser mit Hörgeschädigten zu unterhalten. "Damit hätte unsere Region ein Alleinstellungsmerkmal", sagt Hintz. Außerdem auf ihrer Agenda: eine Lernmappe für den Heimatunterricht in der Schule. Das jetzige Unterrichtsmaterial über das Alte Land sei dürftig.

Die Niedersächsische Landgesellschaft (NLG), die mit der Erstellung der Bewerbung beauftragt ist, wird nun die Ideensammlungen auswerten. Prinzipiell wäre die Region Altes Land/Horneburg überhaupt nicht förderfähig. Die Grenze liegt bei 40.000 Einwohnern. Nur mit Ausnahmegenehmigung ist eine Bewerbung möglich. Iryna Davydenko von der NLG: "Diese Region ist mit 34.000 Einwohnern und 180 Quadratkilometern die kleinste in Niedersachsen, die sich für Leader bewirbt."

Das Entwicklungskonzept muss bis zum 10. Januar im Landwirtschaftsministerium in Hannover vorliegen. Wahrscheinlich Mitte des kommenden Jahres fällt eine Entscheidung, wer einen Bescheid für die Förderperiode 2015 bis 2020 bekommt. 51 Regionen in Niedersachsen haben sich beworben, 40 erhalten den Zuschlag.

Kommentar

Immer die gleichen Nasen

Die Stuhlreihen waren spärlich gefüllt. Die Bürgermeister aus dem Alten Land und Horneburg hatten wohl mit mindestens der doppelten Menge interessierter Bürger gerechnet. Doch es kam wie (fast) immer: "Normale" Bürger ließen sich nur schwer ausmachen, unter denen, die ihre Ideen für Leader-Projekte einbrachten. Der Großteil war bekannt aus Politik und Verwaltung. Um es ganz lapidar zu sagen: Es sind immer die gleichen Nasen! Junge Leute, und damit meine ich unter 35-Jährige, habe ich kaum gesehen. Schade, dabei geht es doch um die aktive Mitgestaltung der Zukunft vor der eigenen Haustür. Bürgerbeteiligung wird auch von jungen Leuten immer wieder eingefordert. Wenn es mal die Gelegenheit dazu gibt, kommt keiner.

Björn Carstens

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

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