Apfelsaison 2026 eröffnet:
Gute Qualität trotz massiver Hagelschäden an der Niederelbe
- Kai Seefried (Landrat Landkreis Stade, v. li.), Karsten Palm (Vorsitzender des
Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V.), Claus Seebeck (CDU-Landtagsabgeordneter),
Christoph Frauenpreiß (CDU-Bundestagsabgeordneter), Miriam Staudte (Niedersächsische
Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Bündnis 90/Die Grünen),
Anna Faby (Altländer Blütenkönigin), Claus Schliecker (Vorsitzender der Fachgruppe
Obstbau im Landvolk Niedersachsen und Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau),
Simon Ecks (Stellv. Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau im Landvolk Niedersachsen),
Stephan und Nils Eckhoff (Obsthof Eckhoff Lüdingworth) - Foto: Fachgruppe Obstbau im Landvolk Niedersachsen
- hochgeladen von Nicola Dultz
Mit dem symbolischen Pflücken der ersten Äpfel ist im Land Hadeln die Apfelsaison 2026/2027 offiziell gestartet. Die Obstbauern an der Niederelbe erwarten rund 294.000 Tonnen Äpfel – deutlich weniger als im starken Vorjahr. Trotz schwerer Hagelschäden stimmen Fruchtqualität und Geschmack zuversichtlich.
Auf dem Obsthof von Stephan Eckhoff im Land Hadeln hat die Fachgruppe Obstbau im Landvolk Niedersachsen die Apfelsaison 2026/2027 eröffnet. Vertreter aus Obstbau und Politik nutzten den Saisonauftakt, um sich über die Ernteaussichten, die Folgen mehrerer schwerer Hagelereignisse und die wirtschaftliche Situation der Obstbaubetriebe an der Niederelbe auszutauschen.
Zu den Gästen gehörten Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte (Grüne), der CDU-Bundestagsabgeordnete Christoph Frauenpreiß und Kai Seefried, Landrat des Landkreises Stade (CDU). Gemeinsam mit Vertretern aus Verwaltung, Ehrenamt und Berufsstand informierten sie sich über die Herausforderungen und Perspektiven einer der bedeutendsten deutschen Obstbauregionen.
Rund 294.000 Tonnen Äpfel an der Niederelbe erwartet
Nach der aktuellen Prognose des ESTEBURG Obstbauzentrums Jork werden an der Niederelbe in diesem Jahr rund 294.000 Tonnen Äpfel geerntet. Damit fällt die Ernte voraussichtlich etwa 15 Prozent kleiner aus als 2025. Im vergangenen Jahr waren mit rund 346.000 Tonnen noch außergewöhnlich große Mengen eingebracht worden.
Den größten Anteil der Apfelernte 2026 stellt die Jonagold-Gruppe mit rund 84.000 Tonnen. Dahinter folgt Elstar mit etwa 80.000 Tonnen.
Die ersten Frühsorten werden bereits gepflückt. Bei den Hauptsorten Holsteiner Cox und Elstar beginnt die Ernte zum Monatswechsel August/September.
Für Verbraucher gibt es eine erfreuliche Nachricht: Die Fruchtgrößen fallen nach Angaben der Fachleute durchschnittlich gut aus. Zudem sorgt ein hoher Zuckergehalt für gute Voraussetzungen für besonders aromatische Äpfel.
Landwirtschaftsministerin wirbt für heimisches Obst
Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte unterstrich zum Saisonstart die Bedeutung des Obstbaus für Niedersachsen. Er sei nicht nur ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber in ländlichen Regionen, sondern präge seit Generationen auch die Kulturlandschaft.
Der Apfel stehe dabei in besonderer Weise für Qualität, Regionalität und die Leistungsfähigkeit des heimischen Obstbaus. Staudte appellierte deshalb an die Verbraucher, beim Einkauf bewusst zu Obst aus heimischer Produktion zu greifen.
Den Obstbäuerinnen und Obstbauern dankte sie für ihren Einsatz und wünschte ihnen trotz der schwierigen Witterungsbedingungen eine erfolgreiche Ernte und eine gute Vermarktung.
Hagel trifft fast zwei Drittel der Anbaufläche
Eine der größten Herausforderungen der Apfelernte 2026 an der Niederelbe sind die Folgen des Hagels. Gleich vier schwere Hagelereignisse haben in diesem Jahr nahezu zwei Drittel der Anbaufläche getroffen.
Je nach Obstanlage liegen die Schäden zwischen 20 und 100 Prozent. Einige Betriebe wurden sogar mehrfach von Hagel getroffen.
Wie groß der tatsächliche Ernteausfall am Ende sein wird, ist derzeit noch nicht abschließend zu beziffern. Gemeinsam mit den Beratern des ESTEBURG Obstbauzentrums Jork prüfen die Betriebe, welches Ertragspotenzial noch vorhanden ist und welcher Anteil der Früchte als vermarktungsfähige Klasse-I-Ware in den Handel gelangen kann.
Beschädigte Äpfel werden zum Teil bereits vor der eigentlichen Ernte gezielt ausgedünnt.
Landwirtschaftsministerin Staudte sieht im Hagelschutz deshalb einen wichtigen Baustein, um Obstbaubetriebe widerstandsfähiger gegen Wetterextreme zu machen. Für das Agrarinvestitionsprogramm 2027 ist nach ihren Angaben die Förderung von Hagelschutzsystemen vorgesehen.
Obstbauern hoffen auf bessere Apfelpreise
Neben den Wetterschäden beschäftigt die Obstbauern die wirtschaftliche Lage. Noch zum Beginn der neuen Saison befinden sich Äpfel aus der Ernte 2025 am Markt. Nach einem kräftigen Abbau der Lagerbestände im Juli dürfte die Überschneidung zwischen alter und neuer Ernte allerdings kürzer ausfallen als zunächst befürchtet.
Für die Saison 2025/26 wurden im Durchschnitt lediglich rund 36 Cent pro Kilogramm Äpfel erzielt. Nach Angaben der Fachgruppe war dieses Preisniveau nicht kostendeckend.
Claus Schliecker, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau im Landvolk Niedersachsen, beschreibt die Kombination aus Lagerbeständen, niedrigen Erlösen und Hagelschäden als außergewöhnlich schwierige Situation. Teilweise müssten Äpfel aus der alten Ernte an die Saftindustrie abgegeben werden – zu Preisen, die die Kosten der Betriebe nicht deckten.
Die kleinere Ernte 2026 könnte nun bessere Voraussetzungen für die Vermarktung schaffen. Entscheidend bleibt, wie sich Nachfrage und Erzeugerpreise in den kommenden Monaten entwickeln.
Auch bundesweit kleinere Apfelernte erwartet
Nicht nur an der Niederelbe wird mit weniger Äpfeln gerechnet. Bundesweit werden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 934.000 Tonnen Äpfel erwartet.
Auch auf europäischer Ebene zeichnet sich nach Einschätzung der Branche eine vergleichsweise kleine Ernte ab. Demnach könnte die europäische Apfelernte 2026 die niedrigste seit 2017 werden.
Diese Entwicklung könnte den heimischen Betrieben grundsätzlich bessere Vermarktungschancen eröffnen.
Weniger Bürokratie und bessere Absicherung gefordert
Bundestagsabgeordneter Christoph Frauenpreiß sieht auch die Politik in der Verantwortung, die heimischen Obstbaubetriebe zu unterstützen. Eine dauerhaft stärkere Nachfrage nach regional erzeugtem Obst brauche Zeit.
Als Ansatzpunkte nannte er unter anderem schnellere Verfahren bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln sowie Anpassungen bei den Rahmenbedingungen für Saisonarbeitskräfte.
Für einen zukunftsfähigen Obstbau seien darüber hinaus weniger Bürokratie, eine bessere Absicherung gegen klimabedingte Risiken, Investitionen in Neupflanzungen sowie eine gute Ausbildung wichtig. Den Betrieben wünschte Frauenpreiß vor allem auskömmliche Preise für ihre Produkte.
Heimische Äpfel brauchen faire Marktbedingungen
Trotz der günstigeren Ausgangslage für die Vermarktung der neuen Ernte sieht die Fachgruppe Obstbau weiterhin erhebliche Herausforderungen. Steigende Produktions- und Arbeitskosten sowie der Wettbewerbsdruck durch importierte Äpfel belasten insbesondere die familiengeführten Betriebe.
„Wir wollen auch in Zukunft Äpfel an der Niederelbe produzieren“, betont Claus Schliecker. Dafür seien faire Marktbedingungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen notwendig. Zugleich richtet er einen Appell an den Lebensmitteleinzelhandel: Wenn heimische Äpfel verfügbar seien, müssten sie in den Geschäften auch den entsprechenden Platz erhalten.
Mit dem Start der Apfelsaison 2026/2027 kommt nun wieder eine große Auswahl regional erzeugter Äpfel in den Handel. Die Obstbauern hoffen, dass möglichst viele Verbraucher bewusst zu heimischen Sorten greifen.
Davon profitieren nicht nur die Familienbetriebe: Der Kauf regionaler Äpfel trägt zugleich dazu bei, eine traditionsreiche Kulturlandschaft zu erhalten, die das Alte Land, die Niederelbe und die angrenzenden Obstbauregionen seit Generationen prägt.
Wie viele Äpfel werden an der Niederelbe in der Apfelsaison 2026/2027 erwartet?
Nach der Prognose des ESTEBURG Obstbauzentrums Jork werden an der Niederelbe rund 294.000 Tonnen Äpfel geerntet. Das sind etwa 15 Prozent weniger als 2025, als rund 346.000 Tonnen eingebracht wurden. Die größten Erntemengen entfallen auf die Sorten Jonagold (84.000 Tonnen) und Elstar (80.000 Tonnen).
Warum fällt die Apfelernte 2026 an der Niederelbe kleiner aus?
Vier schwere Hagelereignisse haben 2026 nahezu zwei Drittel der Apfelanbauflächen an der Niederelbe getroffen. Je nach Obstanlage liegen die Schäden zwischen 20 und 100 Prozent. Wie hoch der tatsächliche Ernteausfall ausfällt, wird derzeit gemeinsam mit dem ESTEBURG Obstbauzentrum Jork ermittelt.
Wann beginnt die Apfelernte 2026 im Alten Land und an der Niederelbe?
Die ersten Frühsorten werden bereits geerntet. Die Haupternte der wichtigen Sorten Holsteiner Cox und Elstar beginnt zum Monatswechsel August/September. Trotz der Hagelschäden erwarten die Obstbaubetriebe gute Fruchtgrößen und einen hohen Zuckergehalt, der für aromatische Äpfel sorgt.
Wie ist die wirtschaftliche Lage der Obstbauern an der Niederelbe?
Die wirtschaftliche Situation bleibt angespannt. Für die Ernte 2025/26 erzielten die Betriebe im Durchschnitt lediglich rund 36 Cent pro Kilogramm Äpfel – nach Angaben der Fachgruppe Obstbau kein kostendeckender Preis. Steigende Produktionskosten, Hagelschäden und der Wettbewerb mit Importware belasten viele familiengeführte Betriebe zusätzlich.
Welche Maßnahmen gegen Hagelschäden sind für den Obstbau geplant?
Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte sieht Hagelschutzsysteme als wichtigen Schutz gegen zunehmende Wetterextreme. Nach ihren Angaben soll deren Anschaffung im Agrarinvestitionsprogramm 2027 gefördert werden, um die Obstbaubetriebe langfristig widerstandsfähiger zu machen.
Warum sollten Verbraucher in der Apfelsaison 2026 regionale Äpfel aus dem Alten Land kaufen?
Mit dem Kauf regionaler Äpfel unterstützen Verbraucher die Obstbaubetriebe an der Niederelbe und im Alten Land. Nach Angaben der Fachgruppe Obstbau sichern faire Marktbedingungen die Zukunft der familiengeführten Betriebe und tragen dazu bei, die traditionsreiche Obstbaulandschaft sowie regionale Arbeitsplätze langfristig zu erhalten.
Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
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