Von der Autobergung bis zur Personensuche
Großeinsatz im Alten Land: 115 Retter proben den Katastrophenfall
- Eine verletzte Person wird zur medizinischen Versorgung gebracht
- Foto: DLRG
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Vermisste Menschen auf der Elbinsel Lühesand, versunkene Container nach einem Starkregen, eine Evakuierung über die Lühe und ein schwerer Unfall an einem Baggersee: Was nach einer ganzen Serie dramatischer Ereignisse klingt, war glücklicherweise nur eine Übung. Bei der groß angelegten Katastrophenschutzübung stellten 115 ehrenamtliche Einsatzkräfte aus dem Landkreis Stade ihr Können an verschiedenen Schauplätzen im Alten Land unter Beweis. Beteiligt waren der DLRG-Wasserrettungszug aus dem Landkreis Stade, die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH) Stade, der Sanitäts- und Betreuungszug des DRK-Kreisverbandes Stade sowie der Fernmeldezug der Kreisfeuerwehr. Das Fazit der Organisatoren: Die Zusammenarbeit funktioniert auch dann, wenn es richtig kompliziert wird.
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Vermisstensuche auf der Elbinsel Lühesand
Gleich zu Beginn wurden die Retter mit einer unklaren Lage konfrontiert. Die erste Einsatzmeldung lautete: „Personengruppe meldet einen Unfall beim Lagerfeuer, unklare Lage.“ Sofort rückten die alarmierten Kräfte in den Gewerbepark Grünendeich aus. Von dort ging es für einen Teil der Helfer mit mehreren DLRG-Booten auf die Elbinsel Lühesand. Dort begann eine umfangreiche Suche nach vermissten Personen. Eine besondere Herausforderung: Die Bootsbesatzungen waren mit Einsatzkräften verschiedener Hilfsorganisationen besetzt. Die Mitglieder der DLRG, des DRK und der Johanniter-Unfall-Hilfe mussten Hand in Hand arbeiten.
Die vermeintlich Verletzten wurden von Mitgliedern der Gruppe „Realistische Notfalldarstellung“ des DRK-Kreisverbandes Stade gespielt. Nach der Erstversorgung auf der Insel brachten die Bootsbesatzungen die Patienten zurück ans Festland. Dort übernahmen Helfer von DRK und Johannitern die weitere Versorgung und organisierten den Transport nach Jork.
Starkregen-Szenario fordert die Taucher
Während auf Lühesand noch nach Vermissten gesucht wurde, wartete bereits die nächste Herausforderung. An einem Regenrückhaltebecken der Hohenfelder Wettern waren im Übungsszenario zwei Tankcontainer infolge von Starkregen im Wasser versunken. Die Aufgabe der Einsatzkräfte: Beide Container mussten geborgen werden. Gleichzeitig galt es, den Wasserstand des Beckens mithilfe von Pumpen abzusenken. Bei diesem Einsatz waren vor allem die Taucher der DLRG gefragt. Gemeinsam mit den DRK-Kräften gelang es ihnen, auch diesen Auftrag erfolgreich abzuarbeiten.
Grundschule wird zur Notunterkunft
Doch Katastrophenschutz bedeutet weit mehr als Menschenrettung und technische Hilfe. Was passiert beispielsweise, wenn Hunderte Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen und kurzfristig eine Unterkunft benötigen? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Einsatzkräfte an der Grundschule am Westerminnerweg in Jork. Dort erkundeten sie die Möglichkeiten, eine Notunterkunft für bis zu 250 Menschen einzurichten. Auch der Aufbau einer Registrierungsstelle und einer Verpflegungsausgabe gehörte zum Übungsauftrag.
- Einsatz der DLRG-Boote bei der Wasserrettung
- Foto: DLRG
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Evakuierung auf der Lühe und Bergung von Öltanks
Die nächste Einsatzmeldung führte die Retter nach Mittelnkirchen. Unter dem Stichwort „Evakuierung von Personen in der Lühe“ wurden an der Lühebrücke mehrere DLRG-Boote zu Wasser gelassen. Die betroffenen Personen mussten über den Wasserweg zum Hafen Horneburg gebracht und dort an weitere Einsatzkräfte übergeben werden. Parallel dazu wartete eine zusätzliche Aufgabe: Zwei auf der Lühe treibende Öltanks mussten geborgen werden. Dafür wurde im Horneburger Hafen ein weiteres Boot eingesetzt. Auch bei diesem Szenario kam es darauf an, die verschiedenen Aufgaben gleichzeitig zu koordinieren und die verfügbaren Kräfte möglichst effizient einzusetzen.
Auto und Zwei-Tonnen-Mulde aus Baggersee geborgen
Den spektakulärsten Einsatz hatten sich die Organisatoren für den Abschluss aufgehoben. Am Baggersee Schragenberg bei Horneburg wurde ein schwerer Arbeitsunfall simuliert. Nach einem Böschungsabbruch sollten zwei Menschen vermisst sein. Außerdem waren ein Pkw und ein großer Abrollbehälter im Wasser versunken. Für die Rettungskräfte bedeutete das Schwerstarbeit – und das teilweise in bis zu zwölf Metern Wassertiefe.
Zunächst suchten DLRG-Boote den See mit einem sogenannten Side-Scan-Sonar ab. Mit dieser speziellen Sonartechnik lassen sich Gegenstände unter Wasser orten. Tatsächlich konnten die für die Übung versenkten Objekte schnell lokalisiert werden. Anschließend rückten die Tauchergruppen an. Sie untersuchten die Fundstellen und bargen eine der beiden vermissten Übungspuppen, ein Fahrzeug sowie eine rund zwei Tonnen schwere Mulde aus dem See. Die zweite Übungspuppe wurde mithilfe einer aufwendigen Schräghangrettung aus schwer zugänglichem Gelände gerettet.
- An der Übung waren verschiedene Hilfsorganisationen mit ihren Fahrzeugen beteiligt
- Foto: DLRG
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Drei Monate Vorbereitung für einen Übungstag
Hinter der Großübung steckte eine umfangreiche Organisation. Rund drei Monate lang hatten ehrenamtliche Mitglieder von DLRG und DRK die verschiedenen Einsatzszenarien vorbereitet. Federführend waren dabei Maik Hippauf, Stephan Blanke und Marwien Roch. Ihr Ziel war es, möglichst realitätsnahe Situationen zu schaffen, bei denen nicht nur die Fähigkeiten der einzelnen Organisationen, sondern vor allem deren Zusammenarbeit auf die Probe gestellt werden.
Besonderes Augenmerk lag auf der organisationsübergreifenden Zusammenarbeit. Denn bei einer tatsächlichen Großschadenslage müssen Wasserretter, Sanitätskräfte, Betreuungsdienste und Feuerwehr reibungslos zusammenarbeiten. Jeder muss wissen, was zu tun ist – und sich auf die anderen verlassen können.
- Der Baggersee wird abgesucht
- Foto: DLRG
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Positives Fazit nach einem langen Einsatztag
Nach dem letzten Übungseinsatz kamen die Teilnehmer zu einem gemeinsamen Grillen zusammen, das von der DLRG organisiert wurde. Dabei konnten die Helfer auf einen anstrengenden, aber erfolgreichen Tag zurückblicken. Die Organisatoren zogen ein durchweg positives Fazit: Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Hilfsorganisationen hatte reibungslos funktioniert, sämtliche Übungsziele waren erreicht worden.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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