Kann das Bad trotz Deicherhöhung bleiben?
Freibad Hollern-Twielenfleth: Dicke Pötte und große Sorgen

Das Freibadteam in Hollern-Twielenfleth hofft auf eine sonnige Saison und viele Badegäste (v.li.): Enrico, Gina, Berit, Mattes und Henning | Foto: jd
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  • Das Freibadteam in Hollern-Twielenfleth hofft auf eine sonnige Saison und viele Badegäste (v.li.): Enrico, Gina, Berit, Mattes und Henning
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Für die Frühschwimmer, die hier ihre Bahnen ziehen, während nebenan auf der Elbe die Container-Riesen vorbeischippern, gibt es kaum einen schöneren Ort für den Start in den Tag als das Freibad Hollern-Twielenfleth. „Wer kann schon behaupten, beim Schwimmen Blick auf die dicken Pötte zu haben?“, sagt Lühe-Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke nicht ohne Stolz. Für ihn ist klar: „Das ist das schönste Freibad der Region.“

Seit vergangenem Samstag läuft wieder die Freibadsaison in Hollern-Twielenfleth – diesmal wieder mit Öffnungszeiten an sieben Tagen in der Woche. Nachdem es in den vergangenen Jahren immer wieder personelle Engpässe gab, steht nun ausreichend Personal zur Verfügung. Geöffnet ist montags bis freitags von 7 bis 20 Uhr, am Wochenende von 11 bis 18 Uhr. Nach einer wetterbedingt eher enttäuschenden Saison 2025 mit rund 30.000 Badegästen hofft man nun auf bessere Zahlen. Mindestens 35.000 Besucher sollen es in diesem Jahr werden. 

Sponsorensuche war ohne Erfolg
Doch hinter der Postkartenkulisse mit Elbblick steckt ein Problem, das viele kommunale Freibäder kennen: Das Bad verschlingt Jahr für Jahr viel Geld. Allein 2025 lag das Defizit bei rund 445.000 Euro. Um neue Einnahmequellen zu erschließen, hatte Gerke, der um kreative Ideen nie verlegen ist,  sogar große Reedereien angeschrieben – darunter AIDA, „Mein Schiff“ und Container-Giganten wie Maersk. Seine Vision: große Begrüßungsbanner für vorbeifahrende Schiffe und ein Sponsoring ähnlich wie bei Fußballstadien. Das Freibad hätte zeitweise sogar den Namen des Sponsors tragen können. Der Preis für das Namens-Sponsoring: zwischen 50.000 und 100.000 Euro. „Leider hat niemand angebissen“, sagt Gerke mit einem Schmunzeln.

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Freibad wurde 1974 errichtet
Dabei hätte das Bad finanzielle Unterstützung dringend nötig. Denn die im Jahr 1974 errichtete Anlage ist inzwischen deutlich in die Jahre gekommen. Vor zwei Jahren wurde noch groß das 50-jährige Bestehen gefeiert – inzwischen macht sich das Alter vieler Anlagen jedoch massiv bemerkbar. Vor allem hinter den Kulissen wird der Sanierungsstau sichtbar. Manche technische Komponenten stammen noch aus der Anfangszeit des Freibades. Filteranlagen und andere technische Einrichtungen sind inzwischen rund ein halbes Jahrhundert alt. Immer wieder kam es deshalb bereits zu Problemen. In der Vergangenheit musste das Freibad sogar zeitweise schließen, weil Reparaturen notwendig waren.

Die Lage des Freibades direkt an der Elbe ist einmalig | Foto: jd
  • Die Lage des Freibades direkt an der Elbe ist einmalig
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Sanierungsstau auflösen
„Wir können nicht ewig nur Flickschusterei betreiben“, sagt Gerke. Der Sanierungsstau müsse jetzt endlich grundlegend angegangen werden. Zwar gehört ein Freibad theoretisch nicht zu den Pflichtaufgaben einer Kommune. Für die Samtgemeinde Lühe besitzt die Anlage dennoch einen hohen Stellenwert. Im Leitbild der Samtgemeinde stehe das Freibad „ganz oben“, erklärt Gerke. Nicht zuletzt gehe es hier um die Kinder, die im Freibad Schwimmen lernen. 

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Muss das Bad der Deicherhöhung weichen?
Im aktuellen Haushalt wurde deshalb bereits eine Million Euro für erste Maßnahmen reserviert. Ein Planungsbüro soll nun untersuchen, an welchen Stellen der Sanierungsbedarf besonders dringend ist. Allerdings muss vorab eine wichtige Frage verbindlich geklärt werden: Muss das Freibad im Zuge der geplanten Deicherhöhung aufgegeben werden? Das eigentliche Schwimmbecken wäre vermutlich nicht direkt betroffen – wohl aber das Gebäude mit Kasse, Umkleiden und Sanitäranlagen. Schließlich wäre es kaum vermittelbar, jetzt Millionenbezträge zu investieren, wenn das Gebäude möglicherweise in zehn Jahren wieder abgerissen werden müsste, meint Gerke.

Gerke: Lösung zeichnet sich ab
Deshalb wandte sich der Samtgemeindebürgermeister bereits frühzeitig an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als zuständige Stelle und bat um Klarheit. In einem Schreiben machte Gerke deutlich, wie verzwickt die Situation ist. Man könne die notwendigen Sanierungen nicht einfach auf unbestimmte Zeit verschieben, weil der bauliche Zustand des Freibades dies nicht zulasse. Inzwischen gab es Gespräche mit dem NLWKN und dem Deichverband. Womöglich zeichnet sich eine Lösung ab. Noch hält sich Gerke bedeckt. „Ich bin nach den Gesprächen aber zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden“, sagt er.

Rathauschef Timo Gerke sorgt sich um die Zukunft des Freibades | Foto: jd
  • Rathauschef Timo Gerke sorgt sich um die Zukunft des Freibades
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Ohne Ehrenamt würde vieles nicht laufen
Dass das Freibad trotz aller Widrigkeiten noch so gut dasteht, liegt auch an vielen engagierten Menschen vor Ort. Der Förderverein unterstützt das Bad seit Jahren nicht nur mit ehrenamtlicher Arbeit, sondern auch finanziell durch Anschaffungen. Auch das Freibadteam bekommt von Gerke großes Lob. „Wo findet man heute noch Leute, die im Sommer auf Urlaub verzichten und wie selbstverständlich auch am Wochenende arbeiten?“ Abgesehen von allen Sorgen hofft man in Hollern-Twielenfleth jetzt vor allem auf eines: einen langen, sonnigen Sommer und viele schöne Tage im Freibad.

Das Freibadteam in Hollern-Twielenfleth hofft auf eine sonnige Saison und viele Badegäste (v.li.): Enrico, Gina, Berit, Mattes und Henning | Foto: jd
Rathauschef Timo Gerke sorgt sich um die Zukunft des Freibades | Foto: jd
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Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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