Saisonbilanz am Lühe Anleger
Weniger Familien, weniger Gäste und Ärger um Parkgebühren
- Der Betreiber des Saisonlokals am Lühe Anleger Amir Afschartabbar im Gespräch
- Foto: Amir Afschartabbar
- hochgeladen von Stefanie Schimanski
Dauerregen, drückende Hitze und weniger Gäste aus der Region: Für Amir Afschartabbar, Betreiber des Saisonlokals am Lüheanleger (L.A.) verlief die Saison 2026 enttäuschend. Besonders Familien und einheimische Besucher kamen nach seiner Beobachtung seltener. "Insgesamt würde ich die Saison als durchwachsen bezeichnen", sagt der Gastronom.
Vor allem das wechselhafte Wetter habe den Betrieb beeinträchtigt. An mehreren aufeinanderfolgenden Tagen musste er geschlossen bleiben oder früher schließen. Während der Hitzewellen öffnete er teilweise erst am späten Nachmittag, weil hohe Luftfeuchtigkeit und intensive Sonneneinstrahlung einen angenehmen Aufenthalt kaum zuließen.
Weniger Familien und einheimische Gäste
Neben dem Wetter macht Afschartabbar die wirtschaftliche Lage für die Entwicklung verantwortlich. Nach seiner Beobachtung gehen Besucher vorsichtiger mit ihrem Geld um. Besonders einheimische Gäste seien seltener gekommen, auch Familien hätten das Ausflugsziel weniger häufig besucht.
Als mögliche Ursachen nennt er die Inflation, gestiegene Lebenshaltungskosten, höhere Kraftstoffpreise und die allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit. Ob und in welchem Umfang diese Faktoren tatsächlich für den Besucherrückgang verantwortlich sind, lässt sich aus seinen Beobachtungen allein nicht ableiten.
Gleichzeitig seien die betrieblichen Kosten für Personal, Energie und Waren seit der Corona-Pandemie kontinuierlich gestiegen. Diese Mehrbelastungen könne die Gastronomie nicht unbegrenzt an ihre Gäste weitergeben. Nach Einschätzung von Afschartabbar war bereits 2025 ein Preisniveau erreicht, das weitere Erhöhungen kaum noch zulasse. Auch die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen im Jahr 2026 habe die Kostenentwicklung nicht vollständig ausgeglichen.
Für ihn bedeutet das, Angebote regelmäßig zu überprüfen und wirtschaftlich zu kalkulieren, ohne das Preis-Leistungs-Verhältnis aus den Augen zu verlieren.
Parkgebühren sorgen für Diskussionen
Ein weiteres Thema der Saison war das neue Parksystem am Lüheanleger. Die Stellplätze waren bereits in den Vorjahren kostenpflichtig. 2026 kamen eine Gebührenerhöhung und ein verändertes Bezahlsystem hinzu.
Die anschließende öffentliche Debatte überraschte Afschartabbar. "Ehrlicherweise hat es mich überrascht, welche Dimension die negativen Schlagzeilen und Diskussionen in den sozialen Medien angenommen haben."
Kritik an den Änderungen hält er grundsätzlich für legitim. Boykottaufrufe und die teilweise scharfe Auseinandersetzung in den sozialen Medien bewertet er jedoch kritisch. Diese schadeten aus seiner Sicht auch den Pächtern und dem Lüheanleger als Ausflugsziel.
Gleichzeitig sieht er Verbesserungsbedarf bei der Einführung des Systems. Eine frühzeitige und transparente Information der Öffentlichkeit hätte seiner Einschätzung nach manche Missverständnisse vermeiden können. Auch der Zeitpunkt der Umstellung sei nicht optimal gewesen.
Ob das neue Parksystem tatsächlich Gäste von einem Besuch abgehalten hat, geht aus seiner Bilanz nicht hervor.
Mit Blick auf das Wahljahr zeigt Afschartabbar Verständnis dafür, dass kommunalpolitische Themen nicht immer mit der gewünschten Intensität behandelt werden konnten. Er hofft, den Austausch mit dem neuen Gemeinderat und nach der Neubesetzung des Bürgermeisteramtes fortsetzen zu können.
"Elbe Vibes" als Lichtblick
Trotz der Schwierigkeiten erinnert sich Afschartabbar auch an positive Erlebnisse. Dazu zählen das Familienfest, die Klavierabende, Sonnenuntergänge mit vorbeifahrenden Kreuzfahrtschiffen und persönliche Begegnungen mit Gästen.
Besonders hebt er die Livemusikveranstaltung "Elbe Vibes" hervor. Das Konzert wurde bereits zum zweiten Mal gemeinsam mit der Gemeinde und den Pächtern parallel zum Hamburger Hafengeburtstag organisiert. Afschartabbar hofft, dass sich daraus eine feste Tradition entwickelt.
In Erinnerung geblieben ist ihm ein Ehepaar, das bewusst dem Trubel des Hamburger Hafengeburtstags entgehen wollte und stattdessen das Konzert am Lüheanleger besuchte. Für den Gastronomen ist diese Begegnung ein Beispiel dafür, dass der Standort mit eigenen Veranstaltungen und seiner Atmosphäre Besucher anziehen kann.
Darin sieht er auch Möglichkeiten für die touristische Entwicklung des Alten Landes und des Landkreises Stade. Statt mit Großveranstaltungen zu konkurrieren, könnten die Betriebe am Lüheanleger nach seiner Vorstellung stärker auf eigene Angebote setzen.
Zuversicht für die Saison 2027
Die Zusammenarbeit mit der Gemeinde bewertet Afschartabbar trotz seiner Kritik an der Kommunikation rund um das Parksystem positiv. Besonders Gemeindedirektorin Frau Lühders würdigt er als verlässliche Ansprechpartnerin. Auch dem bisherigen Bürgermeister und dem Gemeinderat spricht er seinen Dank aus.
Aus seiner langjährigen Tätigkeit in der Gastronomie kennt Afschartabbar wirtschaftliche Krisen und betriebliche Herausforderungen. Dazu zählt er unter anderem das Nichtraucherschutzgesetz, Baustellen vor dem eigenen Betrieb und die Corona-Pandemie. Aus einer einzelnen schwierigen Saison sollten seiner Ansicht nach deshalb keine grundsätzlichen Schlussfolgerungen über die Zukunft des Standortes gezogen werden.
Für 2027 wünscht er sich eine sachlichere Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen und gemeinsame Lösungen zwischen Gemeinde und Pächtern. Trotz des schwierigen Jahres will er an seinem Standort festhalten.
Seine Zuversicht bringt Afschartabbar mit einem Bild auf den Punkt: "Das Leben wird auch 2027 in "L.A." weitergehen – und die Palmen werden dort wieder im Wind wehen!"
Redakteur:Stefanie Schimanski aus Buxtehude |
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