Zwischen Westernkulisse und Konzertbühne
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Altländer Filmproduzent Dirk Roche dreht für den Londoner Musiker James Knights
Stellen Sie sich vor, Sie folgen Ihrer Lieblingsband auf Facebook, schreiben den Musikern eher scherzhaft, dass Sie Filmproduzent sind – und bieten an, ein Musikvideo zu drehen. Und plötzlich kommt tatsächlich eine Antwort: Ein Musiker plant ein Soloprojekt und sucht genau dafür einen Videoclip. Klingt wie ein kleines Märchen – ist aber Dirk Roche (55) aus dem Alten Land genau so passiert.
Der Filmproduzent, Regisseur und Drehbuchautor dreht aktuell ein Video für den Londoner Musiker James Knights, auch bekannt als "KNIGHT$". Der Brite ist u.a. Sänger und Songwriter des Synthie-Pop-Duos "Boytronic". Die 1983 in Hamburg gegründete Band, deren Stil an Depeche Mode und Camouflage erinnert, landete damals mit ihrer Debütsingle "You" auf Platz zehn der deutschen Singlecharts. "Boytronic" existierte später mit wechselnder Besetzung, bevor Bandgründer Holger Wobker wieder das Ruder übernahm. Seit 2017 gehört James Knights der Gruppe an.
",Boytronic' fand ich schon immer klasse", sagt Dirk Roche. Umso besonderer ist es für ihn, nun mit Knights zusammenzuarbeiten. Für den Clip zu dem Song "Light the fuse" (deutsch: "Zünde die Zündschnur an") steht Roche bei mehreren Konzerten von Knights "Supernatural Lover Tour" mit seiner Kamera mitten im Publikum in der ersten Reihe. "Weil die Bühne bei jedem Konzert gleich aufgebaut wird, ist es kein Problem, das Video später zusammenzuschneiden", erkärt Roche. Der erste Dreh in "Marias Ballroom" in Hamburg-Harburg im Januar war schon ein voller Erfolg. Für besondere Kameraeinstellungen aus einer etwas anderen Perspektive folgt im Mai ein zweiter Dreh im "Milla Club" in München.
Für Roche ist es bereits der zweite Ausflug in die Welt der Musikvideos. Vor einigen Jahren produzierte er einen Clip im Rockabilly-Stil für die Country-Sängerin Sarah Vista. Sein eigentlicher Schwerpunkt liegt jedoch auf Westernfilmen. Diese dreht er regelmäßig in der spanischen Tabernas-Wüste – einer legendären Kulisse, in der schon Klassiker wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ entstanden sind. "„2024 hat dort auch Bully Herbig parallel zu mir gedreht", erinnert sich Roche. "Weil Herbigs Team das Set für ,Das Kanu des Manitu' vorbereitete, fuhren bei meinem Dreh ständig Fahrzeuge mit Zubehör hinten durch das Bild. Ich musste deshalb sogar Drehtage ranhängen."
Seine Filme produziert Roche überwiegend auf Englisch und erreicht damit ein internationales Publikum, etwa in den USA, Spanien, Mexiko oder Indien. Auch auf Filmfestivals ist er vertreten: Für seinen Kurzfilm „Who was John Lloyd?“ im Stil eines Stummfilms wurde er kürzlich ausgezeichnet.
Die Leidenschaft für die Bühne liegt bei Roche in der Familie. Seine Großeltern betrieben in Berlin das Puppentheater „Wachholz Marionetten“. „Ich war als Kind oft vor und hinter der Bühne“, erzählt er. Heute lebt er mit seiner Frau in Guderhandviertel und erfüllt sich mit seinen Filmprojekten einen Lebenstraum.
Dabei setzt er bewusst auf eine Mischung aus moderner und analoger Technik. Neben einer hochwertigen Blackmagic-Kamera nutzt er auch zwei Super-8-Kameras für spezielle Sequenzen. „Das verleiht den Filmen eine besondere Authentizität“, sagt Roche. Allerdings habe das seinen Preis: „Schon wenige Minuten Filmmaterial kosten über 100 Euro.“ Digitale Effekte seien zwar günstiger – „aber ein Profi erkennt den Unterschied sofort“.
Für die Zukunft kann sich Roche gut vorstellen, häufiger Musikvideos zu drehen. „Das ist ein unglaublich spannendes Genre – besonders, wenn mir die Musik so gut gefällt wie die von James Knights.“
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