Bundestagswahl 2025
Cornell Babendererde (CDU) und Svenja Stadler (SPD) für Berlin
- Dr. Cornell Babendererde mit dem Vorsitzenden des CDU-Kreisverbandes Harburg-Land, André Bock
- Foto: Niklas Hintze
- hochgeladen von Leonie Lange
Überall im Land sind die Bürgerinnen und Bürger am vergangenen Sonntag in die Wahllokale geströmt, um ihre Stimme abzugeben und einen neuen Bundestag zu wählen. Für den Bundestagswahlkreis Harburg (Wahlkreis 36) haben es gleich zwei Frauen in den Bundestag geschafft: Dr. Cornell Babendererde (CDU) und Svenja Stadler (SPD) werden künftig als Abgeordnete die Interessen der hiesigen Bürgerinnen und Bürger vertreten.
Durch das geänderte Wahlrecht war ihr Einzug aber nicht selbstverständlich. Statt 733, wie bislang, war die Anzahl der Sitze auf 630 reduziert worden. Für Niedersachsen ergab sich nach dem vorläufigen Wahlergebnis also eine Anzahl von 65 Sitzen (24 davon weibliche Abgeordnete). Über die Kreiswahlvorschläge sind das jeweils 15 für CDU und SPD. Über die Landeslisten erhielten weitere 35 von CDU (6), SPD (2), AfD (13), Grüne (8) und Linke (6) Einzug in den Bundestag.
Das Direktmandat sicherte sich Dr. Cornell Babendererde (CDU), die mit 57.718 Voten 33,2 Prozent der Erststimmen auf sich vereinigte. Die bisher direkt gewählte Abgeordnete Svenja Stadler (SPD) verbuchte 45.742 Stimmen oder 26,3 Prozent, sie zieht nach dem vorläufigen Ergebnis – das amtliche Endergebnis stellt der Kreiswahlausschuss am Donnerstagnachmittag fest – über die Landesliste in den Bundestag ein. Bisher war der Landkreis in Berlin von Svenja Stadler und von Michael Grosse-Brömer (CDU) vertreten, der nicht wieder kandidiert hatte.
Stärkste Partei im Landkreis Harburg wurde die CDU (53.029 Zweitstimmen/30,4 Prozent). Zweitstärkste Kraft bei der Bundestagswahl ist die SPD (35.733 Stimmen/20,5 Prozent) vor der AfD (29.324 Stimmen/16,8 Prozent), den Grünen (22.502 Stimmen/12,9 Prozent) und der Linken (12.298 Stimmen/7,1 Prozent). Wie auf Bundesebene blieben die FDP (8.478 Stimmen/4,9 Prozent) und das BSW (6.233 Stimmen/ 3,6 Prozent) unter der Fünf-Prozent-Hürde.
CDU
Mit Dr. Cornell Babendererde zieht für die CDU ein "frisches Gesicht" in den Bundestag ein. Die 53-Jährige war bislang in der Winsener Kommunalpolitik unterwegs, und dort unter anderem stellvertretende Bürgermeisterin. Nun wird sie sich auf Bundesebene einbringen, um in Berlin "die Interessen der Menschen aus dem Landkreis Harburg noch effektiver zu vertreten". Seit 2018 arbeitet die promovierte Historikerin und Germanistin im niedersächsischen Wirtschaftsministerium.
"Ich freue mich sehr über den riesigen Vertrauenszuspruch, den ich als neue Bundestagskandidatin heute erfahren durfte", sagt Babendererde am Sonntag. Auf der Wahlparty ihrer Partei wurde an diesem Abend bei dementsprechender, ausgelassener Stimmung gefeiert. Die CDU, so erklärt die neu gewählte Abgeordnete, sei bereit, die Regierungsverantwortung zu übernehmen, und "das Land wieder auf Kurs zu bringen".
Drei Fragen an Cornell Babendererde
WOCHENBLATT: Sind Ihre Umzugskartons für Berlin schon gepackt oder werden Sie erstmal dorthin pendeln?
Cornell Babendererde: Die Umzugskartons habe ich noch nicht gepackt, denn es war natürlich zunächst das Wahlergebnis abzuwarten. Vom enormen Vertrauen, das die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Harburg in mich gesetzt haben, bin ich immer noch leicht überwältigt. Gleichzeitig erfüllt es mich mit Demut vor diesem wichtigen Amt. Ich verspreche, weiterhin alles für unsere Heimat zu geben. Jetzt, wo das Wahlergebnis feststeht, werde ich mich langsam nach einer kleinen Wohnung in Berlin umsehen. Viele Umzugskartons werde ich nicht benötigen, denn für mich steht eines fest: Meine Heimat bleibt der Landkreis Harburg.
WOCHENBLATT: Wie könnte aus Ihrer Sicht eine Regierungsbildung aussehen?
Cornell Babendererde: Die Regierungsbildung wird aller Voraussicht nach auf eine Koalition mit der SPD hinauslaufen. Dafür wird Friedrich Merz als Wahlsieger und nächster Bundeskanzler Verhandlungen führen, um eine stabile Regierung zu bilden, die für alle Menschen in unserem Land da ist und endlich die Probleme löst, die Deutschland bewegen. Als Mitglied der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag werde ich mich dafür einsetzen, dass die Themen unserer Heimat dabei eine Rolle spielen.#%WOCHENBLATT: Welche Anliegen für den Landkreis Harburg und allgemein werden Sie als Erstes in Berlin angehen?
Cornell Babendererde: Ich werde zunächst dafür eintreten, dass die Bürgerinnen und Bürger in unserem Landkreis in Berlin Gehör für ihre Anliegen finden. Seien es Themen wie der Windkraft-Ausbau oder die Durchsetzung des Alpha-E-Kompromisses - ich werde für die Menschen im Landkreis Harburg kämpfen und stets ihre Interessen in die Debatten einbringen.
Darüber hinaus ist es mir wichtig, für alle Bürger ein offenes Ohr zu haben. Darum lade ich jeden herzlich ein, mich über meine Website www.cornell2025.de zu kontaktieren.
Ich bin für Sie da!
AfD
Als einer der "Gewinner des Wahlabends" ging die AfD hervor. Die Partei, die in Deutschland zweitstärkste Kraft wurde, erhielt auch im Landkreis Harburg viele Stimmen und landete mit 16,8 Prozent auf Platz Drei. Damit sichert sich die AfD ein Zugewinn von +9,6 Prozent im Vergleich zur Bundestagswahl 2021. So viel Zuwachs an Stimmen hatte keine andere Partei im Wahlkreis Harburg bei dieser Bundestagswahl (CDU +5,6; SPD -8,6; Grüne -3,8; Linke +4,5; FDP -7,8).
Das stärkste Ergebnis fuhr die AfD im Landkreis mit 26,91 Prozent im Wahlbezirk Feuerwehrgerätehaus Hörsten (Hö I) ein. „Das ist ein bärenstarkes und historisches Ergebnis für die AfD. In den vergangenen Jahren konnten wir unsere Wahlergebnisse kontinuierlich steigern. Das macht sich auch durch massiven Mitgliederzuwachs bemerkbar", sagte der Vorsitzende der AfD Seevetal Robert Offermann dazu.
"An der AfD führt kein Weg mehr vorbei. Es muss endlich Schluss sein mit der Ausgrenzung unserer Volkspartei. Die AfD wird unser Land auf Kurs bringen und wieder Politik für die eigenen Bürger und unsere Heimat machen", so Offermann.
SPD
Stephan Weil, Landesvorsitzender der SPD Niedersachsen, benennt das Abschneiden seiner Partei eine "schwere Niederlage". Gleichzeitig appelliert er an Friedrich Merz, sich an sein Versprechen zu halten, dass es "keine wie auch immer geartete Zusammenarbeit mit der AfD geben wird". Die Stärkung der Demokratie, so Weil, sei das übergeordnete Ziel, das die kommende Bundesregierung verfügen müsse. Zudem wolle die SPD mit ihrer Arbeit in den kommenden Jahren dazu beitragen, dass das Vertrauen in die politische Ordnung und in die SPD wieder deutlich gestärkt werde.
Svenja Stadler, die über die Landesliste in den Bundestag einzieht, verbrachte den Sonntagabend auf ihrer Wahlparty in Nenndorf. Die 48-jährige gelernte Werbekauffrau ist bereits seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestags. Sie setzt sich im Bundestag laut eigenen Angaben für soziale Gerechtigkeit, die Stärkung des Ehrenamts durch Bürokratieabbau und Fördermittel, ein solidarisches Gesundheits- und Pflegesystem, gute Arbeitsbedingungen, sichere Renten sowie die Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Euro ein.
Die höchste Wahlbeteiligung in Niedersachsen
So viel gewählt wurde in Deutschland seit knapp 40 Jahren nicht mehr: 82,5 Prozent der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger gaben bundesweit ihre Stimme ab. Auch niedersachsenweit war man erfreut über die gestiegene Wahlbeteiligung. Sie betrug in diesem Jahr in Niedersachsen 83,4 Prozent gegenüber 74,4 Prozent im Jahr 2021. Noch höher lag die Wahlbeteiligung im Wahlkreis Harburg. "Wir haben traditionell eine hohe Wahlbeteiligung", erklärt Landkreis-Pressesprecherin Katja Bendig am Sonntagabend. Doch in diesem Jahr sei die Erwartung nochmal übertroffen worden. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2021, bei der hierzulande eine Wahlbeteiligung von 76,9 Prozent gemeldet wurde, ist diese in diesem Jahr nochmal um fast zehn Prozent angestiegen und lag somit bei 86,4 Prozent im Wahlkreis Harburg. Das ist die höchste Wahlbeteiligung in Niedersachsen. In der Gemeinde Rosengarten lag die Wahlbeteiligung sogar bei 90 Prozent. „Wir haben erneut die höchste Wahlbeteiligung in Niedersachsen. Das ist ein gutes Zeichen und zeigt, dass den Menschen die Demokratie wichtig ist", freute sich Landrat Rainer Rempe.
Insgesamt waren bei der Bundestagswahl am Sonntag 202.671 Frauen und Männer im Landkreis Harburg wahlberechtigt. 175.134 Wählerinnen und Wähler nahmen ihr Wahlrecht wahr. Dabei waren 1.176 Erststimmen (0,7 Prozent) und 705 Zweitstimmen (0,4 Prozent) ungültig. Zahlreiche Wahlberechtigte nutzten die Briefwahl: 24,8 Prozent der Wahlberechtigten hatten Briefwahl beantragt (2021: 28,1 Prozent).
Ein reibungsloser Ablauf
Wie Pressesprecherin Katja Bendig berichtet, sei der Wahlsonntag im Großen und Ganzen glatt abgelaufen. Nur einige wenige Wahllokale meldeten, dass sie aufgrund der hohen Wahlbeteiligung vor Ort neue Stimmzettel aus dem Rathaus einholen mussten.
"Ganz besonders danke ich den vielen ehrenamtlichen Wahlhelferinnen und Wahlhelfern, die die sorgfältige Auszählung der Stimmzettel vorgenommen haben, für ihren Einsatz. Ohne sie wäre der reibungslose Ablauf der Wahl nicht möglich gewesen“, so Landrat Rempe. Mehr als 2.550 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer sorgten dafür, dass bei der Bundestagswahl in den 325 Stimmbezirken im Landkreis Harburg alles funktionierte und alle Voten schnell und korrekt ausgezählt wurden. Auch in den einzelnen Gemeinden betonte man das großartige Engagement der Ehrenamtlichen. "Auch wenn es eine Bürgerpflicht ist, verdient es besondere Anerkennung und Respekt", schrieb etwa die Gemeinde Stelle.
Einen reibungslosen Ablauf des Wahlsonntags bestätigte auch der Niedersächsische Landeswahlleiter Markus Steinmetz. Er sprach der kommunalen Wahlorganisation und ihren rund 80.000 ehrenamtlichen Helfenden im Land Niedersachsen seinen Dank aus und lobte die organisatorische Vorbereitung und Abwicklung der Wahl. „Die Bundestagswahl lebt wie alle staatlichen Wahlen von diesem ehrenamtlichen Engagement“, betonte Steinmetz. Aufgrund der deutlich verkürzten Fristen für die Vorbereitung der vorgezogenen Neuwahl des Bundestages wurden die kommunalen Wahlbehörden vor die Aufgabe gestellt, eine effiziente Wahlorganisation in einem deutlich verkürzten Zeitrahmen zu bewältigen. „Das hat unterm Strich landesweit gut geklappt. Dafür spreche ich allen Beteiligten meine ausdrückliche Anerkennung aus“, sagte der Landeswahlleiter.
Das vorläufige Endergebnis hatte der Landkreis Harburg am Sonntag um 22.18 Uhr an die Landeswahlleitung gemeldet – und war damit als einer der zehn Landkreise ersten landesweit besonders schnell. Um 01.13 Uhr konnte der Bundeswahlleiterin dann das Ergebnis für das Land Niedersachsen übermittelt werden.
Alle Ergebnisse für den Landkreis Harburg finden sich unter www.landkreis-harburg.de/wahlen.
Redakteur:Pauline Meyer aus Neu Wulmstorf |
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