Bürgerbusverein kritisiert Nahverkehrsplan
Zoff um lukrative Buslinie auf der Stader Geest

Thomas Rosteck im Bürgerbus | Foto: sb
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Mit dem neuen Nahverkehrsplan (NVP) 2024–2028 stellt der Landkreis Stade die Weichen für den Busverkehr ab 2027 neu. Während das Angebot insgesamt ausgeweitet werden soll, sorgt die geplante Neuordnung in der Samtgemeinde Oldendorf-Himmelpforten für Diskussionen – insbesondere beim Bürgerbusverein Osteland.

Der Verein befördert nach eigenen Angaben die meisten Fahrgäste aller vier Bürgerbusvereine im Landkreis: 13.200 im Jahr 2024 und 14.500 im Jahr 2025. Bürgerbusse werden von ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrern betrieben und ergänzen den öffentlichen Nahverkehr vor allem im ländlichen Raum. Besonders stark nachgefragt ist die Verbindung zwischen dem Bahnhof Himmelpforten und Oldendorf. Von dort aus erschließt der Bürgerbus auch kleinere Orte wie Estorf oder Gräpel und bringt Fahrgäste zum Bahnanschluss. Zur Feierabendzeit ist die Nachfrage teilweise so groß, dass nicht alle Wartenden mitgenommen werden können – mehr als acht Fahrgäste sind im Bürgerbus nicht erlaubt.

Hauptlinie soll im Linienverkehr fahren

Genau diese hohe Auslastung hat nun Konsequenzen: Die Strecke Himmelpforten–Oldendorf soll künftig stündlich als reguläre Hauptlinie im Linienverkehr betrieben werden. Zurzeit fährt der Bus dort überwiegend als Schülerverkehr am Morgen und Mittag.

Für den Bürgerbus bedeutet das eine grundlegende Veränderung. Parallelverkehr auf identischer Strecke ist im Nahverkehrsplan nicht vorgesehen. Künftig darf der Verein auf der Hauptachse keine eigenen Fahrgäste mehr befördern. Wer etwa in Gräpel in den Bürgerbus steigt und zum Bahnhof möchte, muss künftig in Oldendorf in den Linienbus umsteigen – selbst dann, wenn Wartezeiten entstehen.

Der Verein steht damit vor einer Neuorganisation seines Fahrplans. Statt einer durchgehenden Verbindung soll er vor allem als Zubringer auf Nebenstrecken fungieren.

Denkbar seien alternative Routen, etwa von Oldendorf über Burweg zum Bahnhof Himmelpforten, heißt es aus der Kreisverwaltung. Der neue Nahverkehrsplan sei ein guter Zeitpunkt für wichtige Veränderungen. „Die Bürgerbusvereine sind einst aus der Not des ländlichen Raums heraus entstanden“, sagt Landkreissprecher Daniel Beneke. Inzwischen habe sich gezeigt, dass auf der Strecke zwischen Himmelpforten und Oldendorf deutlich mehr Nachfrage bestehe. „Die Verantwortung für die Versorgung können und möchten wir nicht dauerhaft auf ehrenamtlichen Schultern belassen.“

Beim Bürgerbusverein hingegen überwiegen Frust und Enttäuschung. Der Vorstand sieht das langjährige Engagement nicht ausreichend gewürdigt. „Einen reinen Zulieferbetrieb ohne unsere Brot-und-Butter-Linie können wir uns nicht leisten“, sagt Vereinsvorsitzender Thomas Rosteck. Er sieht auch ein Personalproblem. „Wenn unsere Ehrenamtlichen einen überwiegend leeren Bus fahren, weil uns die Hauptstrecke genommen wird, werden immer weniger mitmachen.“

Bürgerbusvereine hängen in der Luft

Zudem kritisiert der Verein, dass in der Planungsphase keine Gespräche mit den Bürgerbusvereinen geführt worden seien. Zurzeit hängen alle vier Bürgerbusvereine im Landkreis Stade in der Luft. Denn zunächst muss die europaweite Ausschreibung erfolgen, anschließend die Konzessionsvergabe. Erst danach können die Vereine ihre Fahrpläne anpassen.

Am 1. Januar 2027 soll das neue System starten. „Wie wir das schaffen sollen und wie es dann weitergeht, steht in den Sternen“, sagt Rosteck.

Kommentar

Bürgerbusse verdienen mehr Respekt und praktikable Lösungen

Der Landkreis Stade hat gute Gründe, den öffentlichen Nahverkehr neu zu ordnen. Wenn auf einer Strecke so viele Menschen unterwegs sind wie zwischen Oldendorf und dem Bahnhof Himmelpforten, dann ist es richtig, diese Verbindung künftig regelmäßig im Linienverkehr zu bedienen. Öffentliche Mobilität darf nicht allein auf den Schultern von Ehrenamtlichen ruhen.

Trotzdem ist die Enttäuschung beim Bürgerbusverein Osteland mehr als verständlich. Denn ein Verein kann auf Dauer nicht funktionieren, wenn man ihm ausgerechnet die wichtigste Strecke nimmt. Die Verbindung zwischen Oldendorf und Himmelpforten ist für den Bürgerbus die sogenannte Brot-und-Butter-Linie. An ihr hängen nicht nur Einnahmen, sondern auch Motivation.

Ehrenamt lebt von Sinn. Wer sich in seiner Freizeit hinter das Steuer setzt, möchte Menschen befördern – nicht einen fast leeren Bus durch die Gegend fahren.

Hinzu kommt ein zweiter Punkt, der viele Ehrenamtliche umtreibt: Bürgerbusvereine müssen mit gesetzlichen Regeln umgehen, die ihren Alltag nicht einfacher machen. Weil Bürgerbusse rechtlich meist als Pkw zugelassen sind, gilt dort eine strenge Anschnallpflicht. Fahrer und Fahrgäste müssen angeschnallt sein – und der ehrenamtliche Fahrer trägt dafür Verantwortung. In Linienbussen dagegen müssen Fahrgäste zwar ebenfalls Gurte anlegen, wenn welche vorhanden sind. Der Fahrer muss sie aber nur darauf hinweisen, kontrollieren muss er das nicht.

Auch bei der Zukunft der Fahrzeuge gibt es offene Fragen. Elektro-Kleinbusse wiegen wegen ihrer Batterien oft mehr als klassische Modelle. Wer sie fahren will, braucht unter Umständen eine höhere Führerscheinklasse als den normalen Pkw-Führerschein. Für Vereine, die auf ehrenamtliche Fahrer angewiesen sind, ist das ein zusätzliches Hindernis.

All das zeigt: Bürgerbusvereine sind keine Konkurrenten des öffentlichen Nahverkehrs. Sie sind dessen Ergänzung – und oft seine Rettung im ländlichen Raum.

Umso schwerer wiegt der Vorwurf des Vereins, in der Planungsphase nicht ein einziges Mal gefragt worden zu sein. Wer sich jahrelang ehrenamtlich engagiert, darf zumindest erwarten, gehört zu werden.

Vielleicht gibt es am Ende eine pragmatische Lösung. Warum sollte nicht sowohl der Linienbus als auch der Bürgerbus auf der Hauptverbindung zwischen Oldendorf und Himmelpforten fahren dürfen? Auch wenn der Nahverkehrsplan Parallelverkehr eigentlich ausschließt: Manchmal lohnt es sich, Regeln flexibel zu denken.

Denn eines ist klar: Ohne Ehrenamt würde der Nahverkehr auf dem Land deutlich ärmer aussehen.

Stephanie Bargmann

Thomas Rosteck im Bürgerbus | Foto: sb
Fahren die Bürgerbusse bald ohne Passagiere über die Dörfer? | Foto: sb
Der Bürgerbus Osteland fährt durch die Samtgemeinde  Oldendorf-Himmelpforten | Foto: Ina Justin
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Stephanie Bargmann aus Stade

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