Streit um Anschluss an den Abwasserkanal und Entwicklung des Ortskerns spaltet das Dorf
Wie geht es weiter mit Langenrehm?

Anstelle der Gaststätte "Uns Peerhoff" soll ein Stiftungshaus mit acht Ferienwohnungen entstehen - sofern die Abwasserentsorgung geregelt ist  Foto: as
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  • Anstelle der Gaststätte "Uns Peerhoff" soll ein Stiftungshaus mit acht Ferienwohnungen entstehen - sofern die Abwasserentsorgung geregelt ist Foto: as
  • hochgeladen von Anke Settekorn

as. Langenrehm. Langenrehm-Dorf liegt derzeit im Clinch. Während es vordergründig um den Anschluss an die zentrale Abwasserentsorgung geht, schwelt in Wirklichkeit ein ganz anderer Konflikt: Wie stark darf sich der 68-Seelen-Ort verändern?
Ortstermin auf der Baustelle "Uns Peerhoff": Bagger reißen die alte Gaststätte ab. Steffen Lücking möchte auf dem Areal ein Haus für seine Stiftung mit acht Ferienwohnungen sowie ein Doppelhaus errichten (das WOCHENBLATT berichtete). Es gebe bereits einen positiven Bauvorentscheid des Landkreises, berichtet Lücking, allerdings unter der Voraussetzung, dass die Entwässerung geklärt wird. Während Lücking sich für eine Verlängerung des zentralen Schmutzwasserkanals von Langenrehm-Siedlung nach Langenrehm-Dorf ausspricht, schreibt die Verwaltung die Entsorgung über Kleinkläranlagen vor.
Auf Einladung Lückings tauschten sich jetzt die Anwohner aus. Dabei wurde deutlich: Nicht nur der Bauherr wünscht sich den Kanalanschluss. "Unsere Klärgrube funktioniert nicht, wir entsorgen unser Abwasser bei unseren Nachbarn - das ist aber keine Dauerlösung. Der Kanalanschluss wäre für mich günstiger als eine neue Kleinkläranlage", sagt Jens Adam. Zudem bedeute der Anschluss an die zentrale Abwasserentsorgung eine deutliche Wertsteigerung des Grundstücks. "Wir möchten keinen Kanal. Unsere Grube funktioniert und hat Bestandsschutz bis 2034 - wieso sollten wir jetzt für einen Kanalanschluss bezahlen?", entgegnet eine ältere Anwohnerin. Ihr Mann macht deutlich, was dem Paar wirklich Sorge bereitet: "Hier soll keiner herziehen, wir wollen hier unsere Ruhe haben und brauchen keine neuen Nachbarn."
Schnell schaukelten sich die Emotionen hoch, die Diskussion wurde hitzig. Während die Kanal-Gegner Steffen Lücking vorwerfen, sein Bauvorhaben auf Kosten der Allgemeinheit umsetzen zu wollen, äußern die Kanal-Befürworter Unverständnis dafür, wieso Lücking blockiert wird. "Wir können nicht nachvollziehen, warum Steffen Lücking dauernd Steine in den Weg gelegt werden", sagt Anwohnerin Kerstin Schubert. "Jegliche Vorschläge, die Herr Lücking vorbringt, egal ob Wiederaufbau, Straßenquerung, Gestaltung von Brachflächen und Parkplätzen für die Stellmacherei - alles wird abgeblockt. Das scheint uns eine persönliche Fehde der Gemeinde gegen Lücking zu sein." Kein Verständnis haben die Dorf-Bewohner, weshalb sie bei den Beratungen im vergangenen Jahr, als Teile von Langenrehm-Siedlung an die Kanalisation angeschlossen wurden, nicht einbezogen wurden. Hero Janssen betont: "Wir wünschen uns, dass in Langenrehm ein einheitlicher Standard geschaffen wird. Unabhängig von der Geschichte mit Herrn Lücking."
Auch Rosengartens Bürgermeister Dirk Seidler war zu dem informellen Treffen erschienen. Hatte sich die Verwaltung im vergangenen Jahr noch für die zentrale Abwasser-entsorgung in Langenrehm-Siedlung ausgesprochen, so vertritt er nun im Dorf eine gänzlich andere Position. Er warnte vor den möglichen Kosten, vor allem aber vor den Folgen für die Entwicklung des Ortes. "Zwei Prozent Bevölkerungswachstum sind in Rosengarten 2030 vorgegeben. Wird hier alles umgesetzt, würde sich die Bevölkerung verdreifachen!" Nicht allen Langenrehmern bereitet diese Vorstellung Unbehagen. "Ist doch gut, wenn hier mehr Menschen leben. Veränderung muss doch nicht negativ sein", sagt Kerstin Schubert.
"Das Raumordnungsprogramm sieht Wachstum vor allem da vor, wo wir schon eine Infrastruktur, also Schulen oder Kitas, haben - das ist in Langenrehm-Dorf nicht der Fall", erklärt der Erste Gemeinderat Carsten Peters auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Zudem gebe es bereits einen Beschluss, der sich gegen eine zentrale Abwasserentsorgung in Langenrehm-Dorf ausspreche. Ob die Möglichkeit eines Abwasserkanals erneut diskutiert werden soll, darüber müsse jetzt die Politik abstimmen. Die Verwaltung wird das Thema trotz des öffentlichen Interesses in den nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss geben. Frühestens nach der Sommerpause, so Peters, könne das Thema öffentlich beraten werden, wenn der VA zuvor das Thema nicht zu den Akten legt.

Kanal als Faustpfand
Im Streit um die Entwicklung Langenrehms sind die Fronten verhärtet. Auf der einen Seite Steffen Lücking, der Wohnraum schaffen möchte, aber ohne Frage damit das Ortsbild verändern wird. Auf der anderen Seite die Gemeinde, die ein unkontrolliertes Wachstum in dem kleinen Ort verhindern möchte. Dabei wird der Anschluss an den Abwasserkanal für die Gemeinde zum Faustpfand. Irritierend ist das Verhalten von Bürgermeister Dirk Seidler. Er macht bei den Anwohnern Stimmung gegen den Kanalbau. Das ist unfair, denn es ist nicht nur Lücking, der seine Neubauten an die zentrale Abwasserentsorgung anschließen möchte. Verwaltung und Politik wären gut beraten, den Kanalbau nicht zu blockieren, sondern einen Informationsabend zu veranstalten, an dem dann ein Meinungsbild aus Langenrehm-Dorf eingeholt wird. Dann wäre ein für alle Mal geklärt, ob der Kanal erwünscht ist oder nicht - und zumindest diese Diskussion beendet.

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