Flüchtlinge in Arbeit bringen: Bürokratie bremst Engagement

Bernd Passier
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mi. Nenndorf. Rund 1.000 Flüchtlinge suchen derzeit im Landkreis Harburg eine Beschäftigung. Viele Firmenchefs wären bereit, sie einzustellen. Um das Potenzial der Zuwanderung für den eigenen Betrieb voll nutzen zu können, erhoffen sich Betriebsinhaber staatliche Unterstützung. Oft stößt unternehmerisches Engagement dabei offenbar an die Grenzen von Vorschriften und Bürokratie, so das Ergebnis eines gemeinsamen Treffens zwischen Landkreis, Arbeitsagentur, Jobcenter und Gewerbetreibenden, das jetzt im Gasthaus Böttcher in Nenndorf stattfand.
„Der Arbeitsmarkt muss bei der Integration eine zentrale Rolle spielen“, stimmte der Erste Kreisrat Kai Uffelmann die 121 Gäste aus Unternehmen und Verbänden in das Thema ein.
Welche alltäglichen Probleme die Integration in den Arbeitsmarkt erschwerten, machte Mark Grabianowski, Technischer und Kaufmännischer Leiter der Tischlerei Cohrs-Jobmann aus Regesbostel, in einem Erfahrungsbericht deutlich: Die Tischlerei beschäftige derzeit einen Asylbewerber aus dem Sudan als Praktikanten. Schwierig sei vor allem, dass dem Mann trotz Deutschkenntnissen das betriebliche Fachvokabular fehle. Dazu kämen Unterschiede bei den qualitativen Anforderungen an die Arbeit. Dennoch überlege man, dem jungen Sudanesen einen Ausbildungsplatz anzubieten. „Er bringt Engagement und Lernbereitschaft mit, das sind Tugenden, die wir bei einheimischen Bewerbern immer öfter vermissten“, so der Firmenchef.
Im Diskussionsteil der Veranstaltung wurde deutlich, neben den genannten Herausforderungen wird das unternehmerische Engagement vor allem durch die Bürokratie und Vorschriften gebremst wie verschiedene Kommentare zeigten:
„Sie wissen selbst, dass es schwer ist, deutsche Erntehelfer zu finden. Bis das Verfahren für Flüchtlinge durch ist, ist die Spargelernte vorbei.“ „Ich wollte zwei Flüchtlinge einstellen, langsam führe ich mich wie Don Quijote: Erst hat es ewig gedauert, bis die Behörde geantwortet hat, dann wurde mein Antrag abgelehnt.“ „Wenn ich Flüchtlinge ausbilde, wer sagt mir, dass sie auch hier bleiben dürfen?“
Die geltenden Gesetze haben noch vielfach das Ziel, den Arbeitsmarkt vor Ausländern abzuschirmen“, erklärte dazu Bernd Passier, Chef der Agentur für Arbeit in Lüneburg, der gemeinsam mit Klaus Jentzsch, vom Jobcenter des Landkreises, die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Beschäftigung von Flüchtlingen vorstellte. Dabei wurde deutlich, unproblematisch ist der Zugang zum Arbeitsmarkt nur für anerkannte Flüchtlinge. Für alle anderen gilt: Bis die Behörden eine Arbeitserlaubnis erteilen, können 15 Monate vergehen. Während dieser Zeit wird ermittelt, ob nicht ein Deutscher oder EU-Bürger für den Job geeignet ist. Ausgenommen sind nur bestimmte Berufe, bei denen schon jetzt Kräfte fehlen.
Er verstehe, dass solche Vorschriften für die Einstellung nicht immer förderlich seien, so Passier. Der Agenturschef betonte aber auch, alle Behörden seien angewiesen, ihr Ermessen voll auszuschöpfen.
Unterstützen könne die Agentur die Unternehmen aber vor allem im Bereich der Qualifizierung. Es gebe vielfältige Angebote, die Flüchtlingen mit hoher Bleibeperspektive zum Beispiel aus Syrien oder Eritrea offen stünden.
Passier schloss seinen Vortrag mit einem Zitat aus der Süddeutschen Zeitung: „Früher wollte man Asylbewerber vom Arbeitsmarkt fernhalten, heute müssen sie so schnell wie möglich einen Job finden, morgen sind sie eine Bereicherung für Arbeitswelt und Gesellschaft.“
• Informationen über die Angebote zur Qualifizierung von Flüchtlingen erhalten interessierte Unternehmer bei Marc Bleimeister, Teamleiter Arbeitgeberservice, Tel. 04171-704579.

Einfacher zum Praktikum

Für Firmen und Betriebe, die einen Flüchtling als Praktikanten beschäftigen wollen, bietet der Landkreis Harburg ab sofort ein vereinfachtes Antragsverfahren. Es reicht eine E-Mail an: praktikafuerfluechtlinge@lkharburg.de. Laut Kreisverwaltung erfolgt eine Entscheidung, ob das Praktikum geneh-migt wird, in der Regel innerhalb einer Woche.

Bernd Passier
Kai Uffelmann
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