Mitglied der Großfamilie C. steht wegen erpresserischen Menschenraubes vor dem Landgericht
"Ich hatte einfach Angst"

thl. Lüneburg. Seit Montag muss sich ein Mitglied der kurdischen Großfamilie C. aus Seevetal vor der dritten Großen Strafkammer am Lüneburger Landgericht verantworten. Die Anklage lautet auf erpresserischen Menschenraub in Tateinheit mit besonders schwerer räuberischer Erpressung.
Dem 24-Jährigen wird zur Last gelegt, im November 2016 einen Bekannten (21) gezwungen zu haben, mit ihm zunächst nach Winsen zu fahren, um dort einen Handyvertrag abzuschließen. C. soll ein Messer gezogen haben, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Nachdem der 21-Jährige in Winsen ein Handy erworben hatte, soll C. sein Opfer gezwungen haben, mit ihm nach Hamburg zu fahren. Im Phönix-Center habe man versucht, weitere Handyverträge abzuschließen, was jedoch misslang, sagte die Staatsanwältin bei der Anklageverlesung. Anschließend seien beide zum Steindamm in Hamburg gefahren, wo das Opfer das Handy in einem Ankaufgeschäft für 400 Euro veräußerte. Das Geld habe C. dann sofort an sich genommen, heißt es.
Zu Beginn der Verhandlung machte das Mitglied der Großfamilie von seinem Schweigerecht Gebrauch.
Dafür schilderte sein Bekannter, was geschehen sei. Er habe den Angeklagten schon lange gekannt, sei mit dessen Bruder in den Kindergarten gegangen. "Ich hätte nie geglaubt, dass er mit etwas antut, obwohl ich von seinem schlechten Ruf wusste", sagte der 21-Jährige. Deshalb habe er sich zunächst auch nichts Böses gedacht, als er den Angeklagten am Tattag in Maschen traf und er sich zu ihm ins Auto setzte. "Plötzlich sagte er, ich solle ihn nach Winsen fahren und dort einen Handyvertrag abschließen. Als ich mich weigerte, zog er das Messer und bedrohte mich damit", so der Zeuge. "Ich habe dann natürlich Angst gehabt." Unterwegs habe er zwar den Gedanken gehabt, bei einer günstigen Gelegenheit zu flüchten, doch diesen Gedanken verwarf er schnell wieder. "Ich hatte zudem Angst, dass er dann meiner Schwester etwas antun würde."
Erst rund drei Monate nach der Tat erstattete der 21-Jährige eine Strafanzeige. "Auf Drängen meiner Mutter, die die Mahnungen der Telefongesellschaft gefunden hatte", erzählt er. Denn die Rechnungen, die nach dem Handykauf gekommen waren, habe er nicht bezahlt. Nachdem das Verfahren begonnen hatte, habe ein Bekannter des Angeklagten ihn aufgesucht und mitgeteilt: "C. würde es sich 2.000 Euro kosten lassen, wenn ich meine Aussage noch einmal überdenken würde."
Der Verteidiger versuchte, Zweifel zu säen. Mehrmals richtete er den Fokus auf die Möglichkeit, dass das Opfer selbst an der Tat beteiligt gewesen sein könnte und die Geschichte mit der Bedrohung anschließend nur erfunden habe. Doch der 21-Jährige blieb bei seiner Darstellung.
Der Prozess wird am 21. August fortgesetzt.

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