Historische Landtechnik im Einsatz an der Wassermühle Karoxbostel

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Historische Landtechnik im Einsatz: Zwei Vereine, die es sich zum Ziel gesetzt haben, das kulturelle Erbe auf dem Land zu bewahren, kooperieren bei der Ernte und dem Mahlen von Getreide. Fünf Oldtimer-Freunde aus Klein Meckelsen (Gemeinde Sittensen) haben den Winterroggen auf dem sogenannten Lebensfeld an der Wassermühle Karoxbostel (Gemeinde Seevetal) mit einem Oldtimer-Mähdrescher geerntet und die gefüllten Jutesäcke dann gleich mit einem 1949 von der Firma Allgaier gebauten Ackerschlepper und passendem Anhänger zum Getreidelager gebracht. „Das hat alles prima geklappt und wir hatten alle zusammen einen wunderschönen Tag“, sagte Jürgen Stemmann von den „Oldtimer-Frünn lütt Meckels un üm to e. V.“ nach dem erfolgreichen Ernteeinsatz. Er hatte den Kontakt zum Verein Wassermühle Karoxbostel hergestellt.

Die fünf Oldtimer-Freunde aus der Börde Sittensen Jürgen Stemmann, Heiko Gerken, Bodo Brüns sowie Nick Meyer und sein Vater Andreas Meyer rückten mit einem 1959 von der Firma Fahr gebauten Mähdrescher und einem top-restaurierten Allgaier-Ackerschlepper mit Kaelble-Motor an. Die Oldtimer kamen nicht auf eigener Achse, sondern per Anhänger zur Mühle. Nach dem Abladen wurden sie erst einmal ausgiebig bewundert. „Das sind zwei echte Hingucker. Heute dürfen sie noch einmal zeigen, was in ihnen steckt“, sagte Stefan Mundt, Stellvertretender Vorsitzender des Mühlenvereins, beim Anblick der historischen Landmaschinen. Der selbstfahrende Fahr MDL hat keinen Korntank, wie spätere Modelle, sondern einen Sackstand. Das gedroschenen Getreide wird noch während der Fahrt auf dem Mähdrescher in Säcke abgefüllt. Von diesem Modell wurden insgesamt nur 7776 Stück gebaut. Angetrieben wird der Fahr von einem Mercedes-Benz Dieselmotor mit 34 PS.

„Unser Fahr MDL hat eine Schnittbreite von 1,40 Metern. Das ist ideal für kleine Flächen, wie diese, die nicht einmal einen Morgen groß ist“, sagte Jürgen Stemmann. „Moderne Mähdrescher haben natürlich viel größere Schnittbreiten. Unser Lebensfeld ist aber nur rund 2000 Quadratmeter groß. Dafür lohnt sich der Einsatz so eines Acker-Giganten nicht. Der Transport wäre viel zu aufwendig“, sagte die Vorsitzende des Vereins Wassermühle Karoxbostel e.V., Emily Weede.

Bevor die Arbeit auf dem Lebensfeld losging, stärkten sich Oldtimer- und Mühlenfreunde erst einmal bei einem gemeinsamen Brunch. Das Küchen-Team der Mühlenretter sorgte beim sogenannten Mühlenputz dafür, dass die zünftig gekleideten Oldtimer-Freunde und alle Aktviven des Mühlenvereins nach der Pause gestärkt und zufrieden an die Arbeit gehen konnten. Wie an jedem Sonnabend waren wieder gut 40 ehrenamtliche Mühlenretter im Einsatz, um auf dem Mühlenhof, in den denkmalgeschützten Gebäuden und in „Doras Garten“ zu arbeiten. Vor dem Dreschen stand für die Oldtimer-Freunde aber zunächst eine Besichtigung der Wassermühle auf dem Programm. „Unser zweiter Mahlgang hat jüngst einen neuen Boden- und Läuferstein bekommen und ist nun wieder bestens für seine eigentliche Aufgabe gerüstet“, erklärte die Vorsitzende Emily Weede.
Die Freiwilligen Müller des Mühlenvereins bedankten sich auf ihre Weise bei den „Oldtimer-Frünn lütt Meckels“ für die Unterstützung bei der Getreideernte: Müllermeister Franz Rosenkranz und sein Müller-Team mahlten sogleich zwei Sack Roggen als Geschenk für den befreundeten Verein. Die Freiwilligen Müller aus Karoxbostel und ihre Besucher freuten sich über die hervorragende Qualität des Roggenschrots: „Heute sind unsere neuen Mühlsteine nämlich zum ersten Mal im richtigen Betrieb gelaufen“, erklärte Franz Rosenkranz.

Die alten Mühlsteine, mit denen seit 1893 Getreide gemahlen wurde, waren so abgenutzt, dass sie erneuert werden mussten. Die neuen Mühlsteine wurden von Hans Titulaer aus Plasmolen in den Niederlanden hergestellt, dessen „Molensteenmakerij“ der einzige Betrieb in Europa ist, der noch Mühlsteine herstellt. Eingebaut wurden die neuen Mühlsteine in Karoxbostel von der Mühlenbau-Firma Pätzmann aus Winsen. „Das ist selbst für die Mühlenbau-Profis etwas ganz Besonderes. Der Läuferstein allein wiegt 1,3 Tonnen“, berichtete Emily Weede. Nach mehreren Probeläufen und anschließender Feinjustierung „laufen die Mühlsteine jetzt richtig rund“, freut sich Franz Rosenkranz. „Das ist allerbestes Schrot, aus dem unser Back-Team leckeres Vollkornbrot backt – und das könnt ihr doch auch, oder?“, so der 81-jährige Müllermeister weiter. Der gebürtige Österreicher ließ es sich nicht nehmen, anschließend noch ein paar Stunden bei der Getreideernte auf dem Lebensfeld zu helfen. Bodo Brüns, gelernter Schmied und Berufskraftfahrer, steuerte den Oldtimer-Fahr-Mähdrescher in Schrittgeschwindigkeit gekonnt durch das Roggenfeld. Anders als moderne Mähdrescher hat der Fahr MDL keine Kabine. Der Fahrer sitzt im Freien und ist Staub und Lärm ausgesetzt. Bodo Brüns hat direkte Sicht auf Schüttler und Dreschtrommel. Er darf nicht zu schnell fahren. Neben Jürgen Stemmann stehen zwei Schüler, Ben Muhle und Felix Hecht, an der Absack-Station auf dem Mähdrescher und sorgen dafür, dass die ausgedroschenen Getreidekörner sogleich in Jute-Säcken landen.
Mit dem Allgaier-Kaelble-Traktor (Baujahr 1949) und dem passenden Anhänger fahren Andreas und Nick Meyer neben dem Mähdrescher her, um die vollen Getreidesäcke aufzunehmen. Heiko Gerken hat ein Schleifgerät dabei, mit dem er das Schneidwerk der Mähbalken im Handbetrieb schärfen kann. „Die ersten Mähdrescher waren Meilensteine der Mechanisierung, die die schwere Handarbeit ablösten“, weiß der 63-jährige Oldtimer-Fan.
Im Vergleich zu der Arbeit mit heutigen Mähdreschern, die mit ausgeklügelten Trenn- und Reinigungssystemen ausgestattet sind, erfordere das Dreschen mit historischen Maschinen noch viel Handarbeit, Geduld und Augenmaß. Das lange Roggenstroh beansprucht die alte Technik. Bodo Brüns passt die Schnitthöhe optimal an. Ein paar Mal stockt der Mähdrescher. Dann eilt Müllermeister Rosenkranz mit einer Harke herbei, um Brennnesseln und andere Pflanzen aus dem Dreschwerk zu holen.

Am Ende ist das Roggenfeld abgeerntet. Rund 300 Kilogramm Körner sind in Säcken gelandet. Alle sind zufrieden. Emily Weede strahlt über das ganze Gesicht: Als die „Oldtimer-Frünn Lütt Meckels un üm to e.V.“ im vergangenen Jahr ihre Hilfe bei der Getreideernte angeboten hatten, habe sie sofort begeistert zugesagt. „Und nun hat alles so toll geklappt“, freute sich die Vereinsvorsitzende. Als Erinnerung an diesen ereignisreichen und schönen Tag überreichten die Oldtimer-Frünn dem Vorstand des Mühlenvereins eine schön gestaltete Holztafel, die einen Ehrenplatz in der Müllerstube erhalten wird.

„Vom Lebensfeld über den Mahlstein bis in den Lehmbackofen – regionaler und ursprünglicher geht es kaum“, bedankte sich die Vereinsvorsitzende. Ihr Stellvertreter Stefan Mundt schloss sich an: „Ein ganz großes Dankeschön an die Oldtimer Frünn lütt Meckels für diesen tollen Tag! Ihr bewahrt diese alten Schätze nicht einfach nur, sondern haltet sie am Leben und lasst sie noch genau das tun, wofür sie einst gebaut wurden. Wir freuen uns schon auf ein baldiges Wiedersehen!“

(Verein Wassermühle Karoxbostel/tw). 

Redakteur:

Tamara Westphal aus Buchholz

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