80 Einsätze in zwei Jahren: Psychisch Kranker zündelt
Menschen haben Angst vor dem "Axtmann"

Scherben, Elektrokabel, Waschmaschine - der Müll an dem Grundstück in Bassenfleth wird regelmäßig von dem Bewohner abgefackelt
  • Scherben, Elektrokabel, Waschmaschine - der Müll an dem Grundstück in Bassenfleth wird regelmäßig von dem Bewohner abgefackelt
  • Foto: wei
  • hochgeladen von Susanne Laudien

sla. Hollern-Twielenfleth. Ein psychisch kranker Mann hält seit fast zwei Jahren einen ganzen Ort in Atem: Politik, Verwaltung und Polizei sind die Vorfälle in Bassenfleth schon länger ein Dorn im Auge. Denn der betreffende Anwohner, der "Axtmann" genannt wird, bedroht Menschen und wütet gegen Einrichtungen in Bassenfleth und Umgebung, teils mit Axt und Messer.

Er demolierte Einrichtungen, etwa in der Altländer Sparkasse in Hollern, randalierte beim Bäcker, schlug auf Verkehrszeichen und das Abwasserpumpwerk ein - und zündet immer wieder den Sperrmüll auf seinem Grundstück an. Der befindet sich teils auch auf öffentlichem Grund an der Kreisstraße 34. Vergangenen Dienstag kam es erneut zu einem Feuerwehreinsatz der Ortsfeuerwehr Hollern-Twielenfleth.

In den zwei Jahren sei es insgesamt zu über 80 Feuerwehreinsätzen gekommen, schildert Hollern-Twielenfleths Bürgermeister Timo Gerke die Situation dem WOCHENBLATT. Seitdem erhalte er immer wieder Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern über Müll und Vorfälle, die durch den besagten Anwohner verursacht wurden. Trotz mehrfacher Gespräche mit dem Mann, der in seinem Vorgarten diverses Gerümpel lagert und dieses als Kunst bezeichnet, war er bislang nicht einsichtig, seinen am Straßenrand gelagerten Müll zu beseitigen.

Der Unrat, bei dem bereits Ratten gesichtet worden sein sollen, wurde dennoch nicht vom Ordnungsamt der Samtgemeinde Lühe beseitigt. 38 Mails habe Gerke schon an die Straßenmeisterei, an den Landkreis Stade und andere Verantwortliche geschrieben.

Auch Thomas Ahlrichs, Geschäftsführer des Vereins für Sozialmedizin Stade e.V., der in einem benachbarten Haus rund 30 Bewohner betreut, sieht durch die Brände eine ernsthafte Gefahr für das Leben seiner Bewohner und für das reetgedeckte Haus. Auch er macht seit über einem Jahr auf die Problematik aufmerksam und steht in engem Kontakt mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst.

Jetzt sei die Grenze erreicht, und man müsse eine erneute Überprüfung des Mannes vornehmen, so Ahlrichs. Zudem sei es nicht nachvollziehbar, warum es eine Verordnung für das Alte Land gibt, nach der zu Silvester Feuerwerk nicht erlaubt sei, anderseits tut aber keiner etwas, um jetzt die Brände zu vermeiden. Ahlrichs weiß aus seiner beruflichen Tätigkeit aber auch, dass die Rechtssituation bei psychisch Erkrankten schwierig ist, und man nur hoffen kann, dass dem Mann möglichst schnell geholfen wird.

Trotz mehrfacher Einweisungen in die Psychiatrie war der Mann in der Vergangenheit kurze Zeit später wieder zu Hause. Denn die Rechtssituation ist schwierig, da ohne richterliche Anordnung Personen nicht länger festgehalten werden dürfen, und die Einweisung in eine geschlossene Einrichtung ist ein langwieriger Prozess.

Auch Lühes Samtgemeinde-Bürgermeister Michael Gosch hat seine Bedenken beim Landkreis kundgetan. Er wurde inzwischen informiert, dass es in Kürze einen Ortstermin mit dem Stader Ordnungsamt und der Abfallwirtschaft geben soll, bei dem der Müll womöglich gleich mitgenommen werde, sagt Gosch. Da es sich hier um das Grundstück des Landkreises handelt, habe die Samtgemeinde Lühe keinerlei Befugnisse.
Christian Schmidt, Sprecher des Landkreises, bestätigt auf WOCHENBLATT-Nachfrage, dass es in den nächsten Tagen einen Ortstermin zur Müllentsorgung geben wird. Zur weiteren Problematik um die Person darf er sich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht äußern.

Autor:

Susanne Laudien aus Buxtehude

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Panorama
Die Inzidenzen im Landkreis sinken
3 Bilder

14. Mai: Die Corona-Zahlen im Landkreis Harburg
Die Inzidenzen sinken, doch ein weiterer Toter in Jesteburg

(lm). Die Inzidenzen im Landkreis Harburg sinken: In jeder Kommune ist der Inzidenzwert am heutigen Freitag, 14. Mai, im Vergleich zum Vortag zumindest nicht weiter gestiegen, in den meisten Fällen sogar gesunken. Jesteburg hat mit 9 derzeit den niedrigsten, Hanstedt mit 81 den höchsten Wert. Im gesamten Landkreis liegt der Inzidenzwert bei 48,3. Seit Ausbruch der Pandemie waren insgesamt 6.433 (+3 im Vergleich zum Vortag) Menschen an dem Virus erkrankt, davon sind 6.099 (+28) wieder genesen....

Politik
Vor dem an einer Hauswand in Tangendorf prangenden XXL-Logo der Baustopp-Bürgerinitiative (v. li.): die BI-Mitglieder Johannes Bünger, Dr. Linda Holste und Nele Braas
2 Bilder

Bürger wollen Baggerstopp
Tangendorfer fühlen sich bei Kiesabbau-Plänen ungenügend einbezogen

ce. Tangendorf. Der vom Garstedter Kieswerk Lütchens über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren geplante Kiesabbau im Bereich zwischen den Gemeinden Garstedt, Wulfsen und Toppenstedt solle "von einer verlässlichen, kontinuierlichen und transparenten Kommunikation zwischen Bürgern, Politik und Verwaltung begleitet werden", hatten das Unternehmen sowie die Verwaltungschefs der beteiligten Kommunen kürzlich gemeinsam erklärt (das WOCHENBLATT berichtete). "Von dieser Transparenz ist derzeit für uns...

Panorama
Wer geimpft ist, kann beim Landkreis Harburg eine entsprechende Bescheinigung anfordern

Im Landkreis Harburg
Nachweis für Geimpfte und Genesene

(bim/nw). Wie kann ich nachweisen, dass ich vollständig geimpft oder von einer COVID-19-Infektion genesen bin? Das fragen sich die Bürgerinnen und Bürger, weil damit verbunden bestimmmte Grundrechte und Freiheiten wieder ermöglicht werden. Dazu teilt der Landkreis Harburg nun Folgendes mit: "Geimpfte und genesene Personen werden bei den bestehenden Ausnahmen von Schutzmaßnahmen mit Personen gleichgestellt, die negativ auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet sind. Sie unterliegen ab...

Wirtschaft
Auch alle WOCHENBLATT Stellenanzeigen aus Buchholz, Buxtehude, Stade, Winsen und Umgebung  landen im  Jobportal www.sicherdirdenjob.de
3 Bilder

Online Jobportal vom WOCHENBLATT
Mit www.sicherdirdenjob.de erfolgreich Personal finden

Ob Auszubildender, Mitarbeiter, Fach- oder Führungskraft - schneller und effizienter geht die Jobsuche kaum: Unter www.sicherdirdenjob.de werden regelmäßig mehr als 11.000 freie Stellen von Unternehmen aus der Region Bremen, Oldenburg, Hannover und Hamburg aufgezeigt. Gemeinsam mit weiteren Kooperationspartnern bietet die WOCHENBLATT Gruppe mit der Onlinebörse ein umfassendes regionales Stellenportal, dass Bewerber aus dem Raum Hamburg und Bremen anspricht! Das heißt: Jede Anzeige, die im...

Service

Wichtige Mail-Adressen des WOCHENBLATT

Hier finden Sie die wichtigen Email-Adressen und Web-Adressen unseres Verlages. Wichtig: Wenn Sie an die Redaktion schreiben oder Hinweise zur Zustellung haben, benötigen wir unbedingt Ihre Adresse / Anschrift! Bei Hinweisen oder Beschwerden zur Zustellung unserer Ausgaben klicken Sie bitte https://services.kreiszeitung-wochenblatt.de/zustellung.htmlFür Hinweise oder Leserbriefe an unsere Redaktion finden Sie den direkten Zugang unter...

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen