jd. Bützfleth. Wie ist es um eine mögliche Schadstoffbelastung der Luft in Bützfleth bestellt? Dieser Frage sollte in den vergangenen zwölf Monaten auf Veranlassung der örtlichen Bürgerinitiative (BI) auf den Grund gegangen werden - mit Messungen an vier Punkten in dem Stader Ortsteil. Kostenpunkt: 50.000 Euro. Auf der Sitzung des Bützflether Ortsrates am 25. November wird das von der Stadt mit der Erhebung der Messwerte beauftragte Institut Aneco das Abschlussgutachten vorlegen. Ob dieser Bericht neue Erkenntnisse gegenüber den zwei bereits veröffentlichten Halbjahresberichten bringen wird, bleibt abzuwarten. Ganz zufrieden ist man bei der BI mit den bisherigen Ergebnissen offenbar nicht, wie auf der jüngsten Ortsratssitzung deutlich wurde: Dort hakte BI-Mitglied Jan Witt im Rahmen der Bürgerfragestunde nach, wie die Stadt weiter mit der Thematik umgehen will.

Die BI Bützfleth hatte mit der Stadt vereinbart, dass sie an den Aneco-Gutachter Dr. Klaus Berger ergänzende Fragen richten darf. In den insgesamt acht Fragen geht es u.a. um die Methodik des Messprogramms und um die Einbeziehung vor Ort erhobener Wetterdaten, um mögliche Zusammenhänge von Windrichtung und der Höhe der gemessenen Schadstoffkonzentrationen herzuleiten.

Das WOCHENBLATT hatte bereits anhand eigener Auswertungen die Vermutung geäußert, dass bei Ostwind mehr Schadstoffe aus dem Industriegebiet Richtung Bützfleth transportiert werden. Auch die Fraktion der Wählergemeinschaft hatte auf der Sitzung gefordert, bei einer Beurteilung der Schadstoffwerte lokale Wetterdaten heranzuziehen.

In zwei weiteren Fragen bezieht sich die BI auf die hohen Aluminium-Werte, die gemessen wurden. Die BI möchte wissen, wie diese hohen Werte toxikologisch zu bewerten sind: "Was bedeutet das für Anwohner, Gartennutzung und Landwirtschaft (Obstbau) in Bützfleth?"

Wie berichtet, liegen alle gemessenen Schadstoffe - darunter Blei und Arsen - deutlich unter den Grenzwerten. Einziger "Ausreißer" ist Aluminium: Bei dem Leichtmetall wurden Werte ermittelt, die die sogenannten Vergleichs-Kenngrößen für städtische und ländliche Gebiete zum Teil erheblich übersteigen und sich in einer Größenordnung bewegen, wie sie sonst in stark belasteten Citylagen vorkommt.

Da es aber keine gesetzlichen Grenzwerte beim Aluminium gibt, ist eine Beurteilung offenbar schwierig. Die Stadt hat deshalb eine Fachbehörde um Hilfe gebeten: Die "Zentrale Unterstützungsstelle für Luftreinhaltung", die zum Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim gehört, sollte eine Bewertung vornehmen. Nach Auskunft der Stadt liegt eine Stellungnahme aus Hildesheim jetzt vor. Diese soll in das Aneco-Gutachten einfließen, das der Politik Ende November vorgelegt wird. Dann wird sicher auch die BI genau hinschauen. Eine Zusage, dass ihre Fragen allesamt beantwortet werden, gibt es nämlich nicht. "Das entscheidet der Gutachter selbst, worauf er eingeht", erklärt Stadtbaurat Lars Kolk.

Wenn das Gutachten vorliegt, muss die Politik entscheiden, ob die zunächst auf ein Jahr begrenzten Messungen fortgeführt werden und ob dann zusätzliche Parameter untersucht werden. Aus Sicht der BI wäre das wünschenswert. Sie hatte bereits kritisiert, dass hochgiftige Stoffe wie beispielsweise Quecksilber gar nicht in das Messprogramm aufgenommen worden sind. Die hohen Aluminium-Werte seien doch Hinweis genug, dass es eine Schadstoffbelastung aufgrund von Emissionen aus dem Industriegebiet gebe, so Witt in der Fragestunde.

Stadtbaurat Kolk sicherte zu, dass sich die Verwaltung weiteren Untersuchungen nicht sperren werde, sofern dies der Wille der Politik sei. Er nahm aber auch das Land in die Pflicht: Dort liege die eigentliche Zuständigkeit, wenn es um die Messung von Schadstoffen gehe.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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