Smartphone aus - Leben an
Vierwöchiges Experiment an der Rudolph Steiner Schule Nordheide startet

Zwischen Likes und Lebenswegen (Symbolbild) | Foto: KI
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Vier Wochen ohne Handy? Falsch - es geht hierbei nicht um Verbote, es geht gezielt um einen bewussten Umgang mit dem Smartphone und um "mehr echtes Leben".

An der RSS Nordheide in Kakenstorf wird zum Start des neuen Schuljahres ein besonderes Experiment gestartet. Unter der Leitung des jungen Start-Ups "Smartphone aus - Leben an", werden die Schüler der Klassen neun, zehn und elf, vier Wochen lang durch ein Programm geführt, das die Kernbotschaft "Deine Zeit gehört dir - Hol sie dir zurück" in sich trägt. Das WOCHENBLATT hat sich mit dem Berliner Start-Up Gründer Jacob Weizman unterhalten und erfahren, wie diese vier Wochen gestaltet werden. 
Wie unmittelbar die Jugendlichen dabei mit ihrem eigenen Nutzungsverhalten konfrontiert werden, zeigt sich bereits zum Auftakt des vierwöchigen Programms:

Für einen Moment wird es still im Raum. Gerade haben die Schülerinnen und Schüler erfahren, was ihre heutige Smartphone-Nutzung auf ihr weiteres Leben hochgerechnet bedeuten könnte: 25 bis 28 Jahre der kommenden 60 Jahre könnten sie vor dem Smartphone verbringen – bei einem auf 16 Wachstunden gerechneten Tag. Große Augen, nachdenkliche Gesichter.

Es ist einer der zentralen Momente der drei jeweils 45-minütigen Auftaktveranstaltungen an der RSS Nordheide, die sich an die Klassenstufen 9, 10 und 11 richten. Dabei geht es nicht darum, das Smartphone zum Feind zu erklären. Im Mittelpunkt steht vielmehr eine andere Frage: Wer entscheidet eigentlich über die eigene Zeit und Aufmerksamkeit?

Wie nah das Thema am Alltag der Jugendlichen ist, zeigt sich gleich zu Beginn. Drei Fragen werden gestellt. Wer besitzt ein Smartphone? Alle Hände gehen hoch. Wer würde es nach diesen 45 Minuten in den Müll werfen? Keine einzige Hand. Wer kennt hingegen das Gefühl, dass es am Smartphone manchmal zu viel wird? Wieder melden sich alle.

Der anschließende sogenannte „Film des Lebens“ übersetzt die alltägliche Nutzung in eine größere Dimension. Jugendliche verbringen heute durchschnittlich sieben Stunden pro Tag am Smartphone und aktivieren es alle fünf Minuten. Einen Lebensbereich, in dem das Gerät keine Rolle mehr spielt, gibt es kaum. Setzt sich dieses Verhalten unverändert fort, summiert sich die Smartphone-Zeit über die kommenden 60 Jahre auf 25 bis 28 Jahre – gerechnet auf einen 16-Stunden-Tag, bei dem acht Stunden Schlaf bereits abgezogen sind.

Doch der Blick in die Zukunft soll nicht lähmen. Deshalb wird der Lebensfilm anschließend umgedreht. Aus der Hochrechnung wird eine Gestaltungsmöglichkeit: Die Schülerinnen und Schüler können selbst darüber entscheiden, welche Rolle das Smartphone in ihrem Leben spielen soll. Sie sind Regisseure, Drehbuchautoren und Hauptdarsteller ihres eigenen Lebens.

Was bereits eine vergleichsweise kleine Veränderung bewirken kann, zeigt eine zweite Rechnung. Zwei Stunden weniger Smartphone-Nutzung am Tag bedeuten 14 Stunden gewonnene Zeit pro Woche. Über ein Jahr summiert sich das auf 45 zusätzliche 16-Stunden-Tage – umgerechnet etwa einmal zusätzliche Sommerferien. Zeit, die sich jeder selbst schenken kann.

Dann fliegt ein orangefarbener Ball durch den Raum. Die Schülerinnen und Schüler werfen ihn einander zu und erzählen, wofür sie diese zurückgewonnene Zeit einsetzen würden. Die nüchternen Zahlen bekommen dadurch einen persönlichen Bezug: Es geht nicht nur darum, weniger Zeit am Display zu verbringen, sondern vor allem darum, mehr Zeit für andere Dinge im eigenen Leben zu gewinnen.

Am Ende richtet sich der Blick auf die kommenden vier Wochen. Die Schülerinnen und Schüler schließen die Augen und überlegen, welche eine Sache sie in ihrem Leben bewusst „AN“ machen möchten.

Apps und Algorithmen sind darauf ausgelegt, um Zeit, Daten und Aufmerksamkeit zu konkurrieren. Doch wer bestimmt am Ende, wohin die eigene Aufmerksamkeit geht? Die Abschlussfrage lautet deshalb: Wer glaubt, stärker als diese Apps zu sein und selbst über seine Zeit und Aufmerksamkeit entscheiden zu können?

Alle Hände gehen nach oben.

Was die Schüler, Eltern und Lehrer nach Abschluss des Experiments berichten werden? Das WOCHENBLATT bleibt an dem Thema dran.

Mehr Infos gibt es unter: www.smartphoneaus-lebenan.de

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Was ist das Smartphone-Experiment an der RSS Nordheide in Kakenstorf?

Zum Start des neuen Schuljahres nehmen Schülerinnen und Schüler der Klassen 9, 10 und 11 der RSS Nordheide vier Wochen lang an einem Programm des Start-ups „Smartphone aus – Leben an“ teil. Unter dem Motto „Deine Zeit gehört Dir – Hol sie dir zurück“ sollen die Jugendlichen ihren Smartphone-Konsum hinterfragen und bewusster über ihre Zeit und Aufmerksamkeit entscheiden.

Müssen die Schüler der RSS Nordheide vier Wochen komplett auf ihr Smartphone verzichten?

Nein. Das Programm setzt nicht auf ein Handyverbot. Ziel ist ein bewusster Umgang mit dem Smartphone und mehr Zeit für das Leben außerhalb des Displays. Die Jugendlichen sollen selbst entscheiden, welche Rolle das Smartphone künftig in ihrem Alltag spielt.

Wie viel Zeit verbringen Jugendliche laut dem Projekt täglich am Smartphone?

Im Programm wird von durchschnittlich sieben Stunden Smartphone-Nutzung pro Tag und einer Aktivierung des Geräts etwa alle fünf Minuten ausgegangen. Hochgerechnet auf die kommenden 60 Jahre könnten dadurch 25 bis 28 Jahre der verfügbaren Wachzeit vor dem Smartphone verbracht werden.

Wie viel Zeit gewinnen Jugendliche mit zwei Stunden weniger Smartphone-Nutzung pro Tag?

Zwei Stunden weniger Smartphone-Nutzung pro Tag ergeben 14 zusätzliche Stunden pro Woche. Auf ein Jahr hochgerechnet entspricht das laut dem Projekt rund 45 zusätzlichen Tagen mit jeweils 16 Wachstunden – ungefähr der Dauer zusätzlicher Sommerferien.

Wie läuft das vierwöchige Smartphone-Projekt an der RSS Nordheide ab?

Zum Auftakt gibt es für die Klassenstufen 9, 10 und 11 jeweils eine 45-minütige Veranstaltung. Die Jugendlichen setzen sich mit ihrer eigenen Smartphone-Nutzung auseinander, betrachten deren langfristige Auswirkungen und überlegen, wofür sie zurückgewonnene Zeit nutzen möchten. Anschließend begleitet das Programm sie insgesamt vier Wochen.

Wer steckt hinter „Smartphone aus – Leben an“?

Das vierwöchige Programm an der RSS Nordheide wird vom Start-up „Smartphone aus – Leben an“ unter Leitung des Gründers Jacob Weizman durchgeführt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Jugendliche trotz Apps und Algorithmen selbstbestimmt mit ihrer Zeit und Aufmerksamkeit umgehen können.

Redakteur:

Julia Paepcke aus Buchholz

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