Landkreis Harburg
Angst vor Amokfahrten bei Großveranstaltungen

Die offene Zufahrt in die Fußgängerzone beim Stadtfest Winsen sorgte für Kritik am Sicherheitskonzept der Stadt | Foto: Wißmann
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  • Die offene Zufahrt in die Fußgängerzone beim Stadtfest Winsen sorgte für Kritik am Sicherheitskonzept der Stadt
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Foto: Margrit Störtebecker

Die Amokfahrten auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt im Dezember 2024 mit sechs Getöteten und rund 300 Verletzten sowie im März dieses Jahres in der Mannheimer Fußgängerzone mit zwei Toten und mindestens zehn Verletzten sind noch in erschreckender Erinnerung. Bürgerinnen und Bürger sind mitunter verunsichert, ob sie Großveranstaltungen noch besuchen sollen. Die Kommunen machen sich Gedanken, welche Sicherheitskonzepte greifen sollen. Die Debatte beschäftigt mehrere Gäste des jüngsten bestens besuchten Winsener Stadtfestes und die Buchholzer Poltik.
Die mangelnde Sicherung der Hauptzufahrt beim Stadtfest in Winsen hat WOCHENBLATT-Leserreporter Rüdiger Störtebecker nach Hinweisen aus der Bevölkerung kritisiert. "Statt stabiler Poller gab es nur ein Absperrgitter, das mühelos beiseite geräumt werden konnte. "Das Gitter wäre für einen SUV mit einem Gewicht von 1,5 Tonnen mit einem schnurgraden Anlauf von zwei Kilometern von der Bahnhofstraße aus kein Hindernis gewesen. Hier wären schon lange versenkbare Poller vonnöten, die von Rettungskräften und Polizei bedient werden können", schreibt Störtebecker.

Ein Irrer hätte bis zum
Rathaus durchrasen können

Das empfanden auch die Besucher Rolf und ErikaWißmann aus Maschen bedenklich: "Ein Gang durch das sehr gut mit Verkaufsständen bestückte und auch sehr gut besuchte Stadtfest Winsen war für uns wieder sehr schön. Leider hatten wir am Ende der Fußgängerzone zur Bahnhofstraße hin ein Schockerlebnis! Zur Sicherung standen vier riesige Betonblöcke, zwei links und zwei rechts übereinander gestapelt. Allerdings mit einer Durchfahrtsbreite für einen Lkw! Offen und ungesichert! Man mag sich das nicht vorstellen: Hätte da ein Irrer mit einem Fahrzeug aus der Bahnhofstraße geradeaus auf 100 km/h beschleunigt, hätte der bis zum Rathaus durchrasen können, mit grausamen Folgen!"

Sicherheitskonzept bringt keine
hundertprozentige Sicherheit

Auf Störtebeckers Beschwerde hin erklärte Winsens Stadtsprecher Theodor Peters unter anderem: "Auch wenn ein Sicherheitskonzept keine hundertprozentige Sicherheit garantieren kann, wäre es sicher das Einfachste gewesen, das Stadt-Areal komplett an allen Zugängen mit massiven Betonklötzen so abzuriegeln, dass der Zutritt nur über schmale Durchgänge möglich ist. Das verbietet sich aber aus verschiedenen Gründen."
Peters verweist darauf, dass in dem betroffenen innerstädtischen Bereich der Anlieger- und der Anlieferverkehr (zumindest temporär) sowie insbesondere auch die Zufahrtsmöglichkeit für Rettungsfahrzeuge und Feuerwehrfahrzeuge gewährleistet bleiben müssen. "Da man in den Teil der Rathausstraße zwischen Eckermannstraße und Schlossring nicht von der Eckermannstraße aus einfahren kann, muss diese Einfahrtmöglichkeit grundsätzlich vom Schlossring aus ermöglicht werden", so Peters weiter. Aus diesem Grund habe man die Zufahrt nicht komplett verbarrikadiert, wie es an anderen Stellen der Fall gewesen sei. Ergänzend zu den festinstallierten Betonklötzen seien hier allerdings mobile Sperren aufgestellt worden. "Jedes Sicherheitskonzept ist immer das Ergebnis einer Abwägung unterschiedlicher, zum Teil auch gegenläufiger Interessen. Und ebenso entwickelt sich ein Konzept für alljährlich stattfindende Veranstaltungen nach den praktischen Erfahrungen von Jahr zu Jahr fort. Das gilt auch für die Sicherheitsmaßnahmen anlässlich des Stadtfestes", so Peters.

Die Zufahrt zur Fußgängerzone könnte an der Bäckerei Weiss versperrt werden | Foto: ah
  • Die Zufahrt zur Fußgängerzone könnte an der Bäckerei Weiss versperrt werden
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Sicherung der Buchholzer Fußgängerzone diskutiert

Das Thema Sicherheit in der Innenstadt treibt auch Politik und Verwaltung in Buchholz um. Die Gruppe SPD/Die Linke im Stadtrat hatte eine Prüfung beantragt, inwieweit die Durchfahrt in der Buchholzer Fußgängerzone durch feste und absenkbare Poller eingeschränkt werden kann - an der Breiten- und Poststraße, von der Bremer Straße, der Adolfstraße und der Poststraße kommend, sowie an den Zufahrten zum Peets Hoff. Entweder durch Betonblöcke als zeitweise Sicherung bei Großveranstaltungen und durch absenkbare Poller als dauerhafte Lösung für die an den Markttagen belebte Fußgängerzone. Hintergrund ist, dass durch die Neugestaltung der Fußgängerzone im Bereich der Breiten Straße viele Hindernisse, die eine Durchfahrt hätten einschränken können, entfernt worden sind. Um das Thema ging es jetzt im Fachausschuss.

Betonblöcke und
versenkbare Poller

Die Stadtverwaltung hat sich ebenfalls schon damit beschäftigt, inwieweit die Buchholzer Innenstadt, auch über den Bereich der Fußgängerzone hinaus, sicherer gemacht werden kann. "Seit den Anschlägen auf Weihnachtsmärkte befassen wir uns mit dem Thema", berichtete Bürgermeister Jan Hendrik Röhse. Versenkbare Poller seien aufgrund der Versorgungsleitungen unter den Straßen nicht möglich. Die Stadt hat aber 20 Betonblöcke bestellt, die auch schon geliefert wurden. Zudem führt die Verwaltung Gespräche mit der Feuerwehr und der Polizei und wird demnächst Veranstalter und Vereine in die Gespräche einbeziehen.

Zunächst gehe es darum, die Sonderveranstaltungen zu schützen. "Der Weihnachtsmarkt war völlig ungeschützt. Das wird sich ändern", sagte Röhse. Kopfzerbrechen bereitet die Sicherung fürs Stadtfest. "Da müssten wir uns komplett verrammeln", so Röhse. 8.000 Euro würde es kosten, bei einer Veranstaltung fünf Stellen abzusichern. Denkbar wäre, zumindest die Zufahrt zur Fußgängerzone bei Bäcker Weiss zu versperren.

Rettungswege müssen
freigehalten werden

Röhse verwies darauf, dass die Rettungswege freigehalten werden müssen. Bei versenkbaren Pollern müsste zudem ein Zuständiger mit Schlüssel während Veranstaltungen durchgehend vor Ort sein.

Der Prüfauftrag an die Verwaltung wurde mehrheitlich empfohlen.

Hier lesen Sie die Kritik von Rüdiger Störtebecker:

Zufahrt zum Stadtfest offen wie ein Scheunentor. Sicherung gleich Null.
Die offene Zufahrt in die Fußgängerzone beim Stadtfest Winsen sorgte für Kritik am Sicherheitskonzept der Stadt | Foto: Wißmann
Foto: Wißmann
Foto: Margrit Störtebecker
Die Zufahrt zur Fußgängerzone könnte an der Bäckerei Weiss versperrt werden | Foto: ah
Die Zufahrt zur Buchholzer Fußgänger Zone mit Blick auf die Kreuzung Neue Straße / Bremer Straße  | Foto: ah
Redakteur:

Bianca Marquardt aus Tostedt

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