Winsen eröffnet klimaneutrales Freibad
Ein Sommermärchen am Wasser

Winsens neuer Lieblingsplatz: Das Natubad | Foto: Stadt Winsen/Gregor Szielasko
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  • Winsens neuer Lieblingsplatz: Das Natubad
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Flip-Flops klatschen über die Stege, Kinder kreischen vor Freude, eine Trillerpfeife schallt über die Wasserfläche – das klingt nach Freibad. Doch etwas fehlt: Der typische Chlorgeruch. Wer in Winsens neues Naturbad kommt, riecht stattdessen frische Luft, warme Sonnencreme und den feinen Sand unter den Füßen. Am Freitag, 2. Mai, wurde das erste CO₂-neutrale Naturbad Deutschlands im Eckermannpark feierlich eröffnet – und Tausende waren gekommen, um gemeinsam mit der Stadt ein echtes Leuchtturmprojekt zu feiern.

Begeisterung schon vor dem Start

Geplant war der Einlass um 15 Uhr, doch die Realität war schneller: Bereits um 14.45 Uhr wurden die Tore geöffnet, da der Andrang vor dem Gelände so groß war. Rund 250 Besucherinnen und Besucher stürmten sofort hinein, bis zur offiziellen Eröffnung waren es bereits über 2.000 – und es strömten immer mehr nach. Die Sonne schien, das Wasser hatte überraschende 21 Grad. Bürgermeister André Wiese lachte in seiner Rede: „Wir haben da nicht nachgeholfen.“ Es sei das gute Wetter gewesen – und vielleicht auch ein bisschen Glück, denn das angekündigte Gewitter blieb aus.

Natürlich baden – mit gutem Gewissen

Auf rund sieben Hektar Fläche bietet das Naturbad eine Wasserfläche von 3.465 Quadratmetern, verteilt auf einen 1.800 Quadratmeter großen Strandbereich, einen 2.630 Quadratmeter großen Nichtschwimmerbereich mit Seilfähre und Rutsche sowie ein 835 Quadratmeter großes Sport- und Tiefwasserbecken. Chlor kommt hier nicht ins Wasser – stattdessen wird es biologisch und mechanisch gereinigt. Das Konzept ist nachhaltig durchdacht: Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Wärmepumpen und Regenwassernutzung sorgen für einen vollständig CO₂-neutralen Betrieb. Die Stadtwerke Winsen betreiben das Bad, das mit einer Investitionssumme von rund 10 Millionen Euro gebaut wurde – gefördert mit Mitteln des Bundes.

„Wir hoffen, dass das Energiekonzept mit biologischer Wasseraufbereitung bundesweit viele Nachahmer findet“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Hans-Georg Preuß. „Winsens Naturbad ist ein Herzensprojekt, das Zeichen setzt – nach neuestem Stand der Technik.“

Ein Ort für Bewegung, Begegnung – und Pommes

Spiel, Sport und Entspannung: Das Naturbad bietet mit Kletterwand, Volleyballfeld, Matschspielplatz, Breitwellenrutsche und großzügigen Liegewiesen Abwechslung für alle Generationen. Lisa (8) und Felix (10) Fischer aus Bienenbüttel waren unter den ersten, die sich mit der Seilfähre über das Wasser zogen. „Ich finde den Strand mega!“, rief Lisa. Felix lobte: „Hier ist Sand auf dem Boden, da rutscht man nicht so wie in anderen Schwimmbädern.“ Beide freuen sich besonders auf die Rutschen und die schwimmende Insel mitten auf dem Wasser.

Auch wenn durch den Brand im Hauptgebäude noch Einschränkungen bestehen – etwa durch mobile Toilettenanlagen und kalte Außenduschen – war die Stimmung euphorisch. Die Menschen warfen ihre Handtücher auf die Wiese, sprangen ins Wasser, lachten, spielten, genossen.

Genuss aus dem Foodtruck

Weil die Gastronomie im Haupthaus derzeit noch nicht nutzbar ist, springt der künftige Restaurantbetreiber Ali Sheikhzade mit einem modernen Foodtruck ein. Sein Lokal wird später „Ciao Bella“ heißen – bis dahin sorgt er für klassischen Freibadgenuss: Pommes, Currywurst, Eis und als kulinarischen Vorgeschmack zwei italienische Pasta-Gerichte. „Es ist eine schwere Zeit – aber ich will, dass die Winsener einen schönen Start haben“, sagte Sheikhzade. Und genau das ist ihm gelungen.

Musik, Mitmachaktionen und Gartenzwerge

Für gute Stimmung sorgten die Band „PopSecret“ der Musikschule Winsen mit ihrem Song „Die perfekte Welle“ sowie der Kinderchor „Sternchen“, der ein Lied über Freibadpommes sang.
In seiner Rede bedankte sich André Wiese bei allen, die dieses Projekt möglich gemacht haben – darunter Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler, Landrat Rainer Rempe, André Bock und Projektleiterin Angelina Gastvogel. „Es ist uns gelungen, ein Projekt auf die Beine zu stellen, das weit über die Stadtgrenzen hinaus begeistert“, sagte Wiese. Rempe überreichte ihm und Stadtwerke-Chef Preuß zwei Gartenzwerge mit Sonnenhüten. „Ich möchte viele entspannte Menschen hier sehen – so wie diese beiden.“

Vom Bürgerwunsch zum Leuchtturm

Begonnen hatte alles 2017 mit einem Arbeitskreis und einer breiten Bürgerbeteiligung. Daraus entstand Schritt für Schritt ein modernes, familienfreundliches und klimaschonendes Naturbad. Wiese betonte, dass auch weiterhin Feedback willkommen sei: „Bei einem Bau läuft nie alles sofort perfekt. Aber wir haben die Bürger mitgenommen – und das ist unser großer Erfolg.“

Ein Punkt, der künftig noch verbessert werden soll, ist die Barrierefreiheit. Für Rollstuhlfahrende fehlt bisher ein Wasserzugang, auch taktile Leitsysteme und Beschilderung sind noch ausbaufähig – doch das Bewusstsein dafür ist vorhanden.

Warum nicht früher?

Auf die Frage, warum das lange Wochenende nicht genutzt wurde, antwortete Hans-Georg Preuß: „Am 1. Mai findet in Winsen traditionell der Deichlauf statt – ein Ehrenamts-Event, das wir nicht konkurrenzieren wollten.“ André Wiese ergänzte: „Das Ehrenamt hat bei uns einen hohen Stellenwert – wir wollten Raum für beides.“ Auch in den kommenden Jahren soll darauf geachtet werden, dass Deichlauf und der Start der Freibadsaison nicht gleichzeitig stattfinden.

Ein Start, der Mut macht

Winsen hat sich mit dem Naturbad nicht nur ein neues Freizeitangebot geschaffen – sondern ein Symbol für Zukunftsfähigkeit, Lebensqualität und Gemeinschaft. Am Ende des Tages waren es nicht nur die Wasserfläche, die Technik oder die Architektur, die überzeugten – es war die Begeisterung der Menschen.

Naturbad Winsen auf einen Blick

Öffnungszeiten:
Täglich von 11 bis 19 Uhr (bis 15. September)

Eintritt:
Erwachsene: 5 Euro
Kinder und Jugendliche (3–17 Jahre): 3,50 Euro

Tickets erhältlich:

  • Online
  • Freizeitbad Winsen
  • Kundencenter der Stadtwerke Winsen
  • Tourist-Information im Marstall
Redakteur:

Anika Werner aus Winsen

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