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Theater bringt NS-Zeit ins Klassenzimmer
Gymnasium Winsen setzt auf lebendigen Geschichtsunterricht

Theaterstück statt Frontalunterricht erlebten die Neuntklässler des Gymnasium Winsen | Foto: Gymnasium Winsen/H. Ruppenthal
  • Theaterstück statt Frontalunterricht erlebten die Neuntklässler des Gymnasium Winsen
  • Foto: Gymnasium Winsen/H. Ruppenthal
  • hochgeladen von Anika Werner

Mitten im Unterrichtsraum wurde Geschichte greifbar: Der neunte Jahrgang des Gymnasiums Winsen erlebte mit dem Stück „Hermine Katz und das ungeheure Wissen der Dachböden“ eine eindrucksvolle Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Die Freie Bühne Wendland inszenierte ein Einpersonenstück, das auf wahren Begebenheiten basierte und emotionale Zugänge zur Vergangenheit schuf.

Schauspielerin Kerstin Wittstamm trat als Trödlerin Hermine Katz auf – nicht auf einer Bühne, sondern mitten unter den Schülern. Mit einem alten Foto und der Frage nach dem Schicksal des jüdischen Mädchens Liesel Mansfeld begann eine packende Spurensuche. Die Geschichte führte ins Lüchow der 1930er-Jahre und erzählte vom Leben und Leid einer Familie, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurde.

„Das war keine trockene Geschichtsstunde – das war lebendiger, emotionaler Unterricht“, sagte Geschichtslehrerin Johanna Hosch. Auch die Schüler zeigten sich bewegt: Tjark berichtete, dass ihm der Holocaust durch das Theaterstück viel nähergebracht wurde. Seine Mitschülerin Rahel hob die mitreißende Darstellung hervor.

Das Stück, entwickelt von Caspar Harlan (Regie) und Kerstin Wittstamm (Spiel), stützte sich auf ein tatsächlich entdecktes Foto auf einem Dachboden in Lüchow. In Zusammenarbeit mit dem Wendland Archiv, dem Stadtarchiv Lüchow und dem Museum Wustrow entstand daraus eine intensive historische Rekonstruktion.

Am Gymnasium Winsen gehörte ein reflektierter Umgang mit Geschichte zum schulischen Selbstverständnis. Heike Parr-Meyn, Beauftragte für das Projekt „Schule ohne Rassismus“, betonte: „Geschichte steht nicht nur im Buch. Sie lebt – manchmal sogar auf dem Dachboden.“ Das Theaterprojekt ergänzte den Unterricht um eine persönliche Dimension und förderte Empathie und Haltung.

Redakteur:

Anika Werner aus Winsen

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