Landkreis Harburg
Massive Vorwürfe gegen Knettenbrech + Gurdulic - auch von den Müllfahrern
- In ländlicheren Gebieten sind die Fahrzeuge nur mit einem Fahrer und einem Lader besetzt. Die Mitarbeiter tragen signalfarbene, Regen-abweisende Kleidung
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Das Unternehmen Knettenbrech + Gurdulic ist seit Monaten in der öffentlichen Kritik wegen nicht termingerecht geleerter Papiermülltonnen oder Abfuhr der Gelben Säcke. Nun erheben fünf ehemalige bzw. noch dort beschäftigte Mitarbeiter gegenüber dem WOCHENBLATT schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen. Sie sind verzweifelt, weil sie nach eigenen Angaben weder bei der Geschäftsführung noch bei den Disponenten Gehör für ihre Anliegen finden. Sie möchten aus Angst vor Kündigung oder Repressalien aber anonym bleiben.
"Führungsriege ist eine Katastrophe"
"Ich habe viele Kollegen, die ihren Job gerne machen, aber die Führungsriege ist eine Katastrophe", erzählt einer der Mitarbeiter. Die Disposition sei dünn und zum Teil mit nicht qualifizierten Leuten besetzt, die Disponenten wechselten häufiger. Es werde viel geschrien und mit Kündigungen gedroht.
Einige Mitarbeiter auf den Müllfahrzeugen hätten bereits von sich aus gekündigt, andere seien entlassen worden. Einem Müllwerker habe Knettenbrech + Gurdulic gekündigt, weil er sich geweigert habe, Zwölf-Stunden-Touren in Begleitung eines 16-jährigen Praktikanten zu fahren. Ein anderer sei entlassen worden, als er ungehalten über eine Pkw-Fahrerin war, die nach Aufforderung nicht umgehend Platz fürs Müllfahrzeug habe machen wollen.
"Hoher Krankenstand wegen der Belastung"
Die Müllfahrzeuge sind überwiegend mit einem Fahrer und einem Lader besetzt. Ein Lader schmeiße pro Tag und Tour acht bis zwölf Tonnen Gelbe Säcke allein – oder wuchtet die jeweils bis zu 35 Kilogramm schweren blauen Tonnen beidseitig der Straßen. Dass nur zwei Leute auf dem Fahrzeug sind, werde von der Firmenleitung in Wiesbaden vorgegeben. "Daher kommt der hohe Krankenstand", erläutert der Mann. Viele Lader seien einfach kaputt, andere Mitarbeiter von der schlechten Unternehmensorganisation genervt. Zwischenzeitlich eingesetzte Zeitarbeiter, die einen guten Job gemacht hätten, seien plötzlich einfach wieder abgezogen worden.
Hinzu kämen Sicherheitsmängel an einigen Fahrzeugen, etwa eine fehlende seitliche Arbeitsbeleuchtung. "Winterbekleidung muss beantragt werden. Bis man die bekommt, kann bis zu acht Wochen dauern. Und um Handschuhe muss man betteln." Viele Touren seien so groß, dass sie nicht zu schaffen seien. Als Orientierung für die Routen gäbe es DIN-A4-Kopien von Google Maps, zum Teil in Schwarz-Weiß. Aushilfen und neue Kräfte würden die Touren dann praktisch blind fahren. Firmen-Tablets würden nicht funktionieren.
"Fahrer und Lader bekommen Kunden-Frust ab"
"Die Fahrer und Lader sind auch diejenigen, die den Frust der Kunden abbekommen", sagt der Mitarbeiter, der den Unmut über verspätete Abfuhren verstehen kann. "Aber es liegt nicht an uns", betont er. "Wir wissen nicht mehr weiter."
Hintergrund: Knettenbrech + Gurdulic ist vom Landkreis Harburg seit Jahresbeginn 2025 mit der Leerung der blauen Papiertonnen beauftragt und bereits seit Anfang 2023 von den Dualen Systemen Deutschland für die Abholung der Gelben Säcke.
Die Aussagen von den fünf (Ex-)Mitarbeitern aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen ähneln sich. Lars Köhler, Geschäftsführer Nord bei Knettenbrech + Gurdulic, Reiner Köllermeyer, Niederlassungsleiter in Marxen, und Pressesprecherin Nadine Kuhnigk, weisen im Gespräch mit dem WOCHENBLATT sämtliche Vorwürfe als unwahr zurück. Das WOCHENBLATT kann die Aussagen beider Seiten weder überprüfen noch beweisen, stellt diese aber im Folgenden gegenüber.
Das Unternehmen Knettenbrech + Gurdulic mit Hauptsitz in Wiesbaden und einer Außenstelle in Marxen beschäftigt an 35 Standorten mehr als 2.000 Mitarbeiter und soll 2022 laut dem Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung einen Umsatz von 300 Millionen Euro erzielt haben.
Am Standort in Marxen seien rund 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Derzeit seien 24 Fahrer im Landkreis unterwegs und ebenso viele Lader. Anfang 2026 würden es 27 Fahrer sein, "wir suchen weiter", so Reiner Köllermeyer. Zur Anzahl der Fahrzeuge will das Unternehmen keine Angaben machen.
Vorwurf: "Die Touren sind so groß geplant, dass man eigentlich eine Besatzung von drei Mann haben muss, wir aber diese mit einem Fahrer und einem Lader bewältigen sollen."
Knettenbrech + Gurdulic: Ob zwei oder drei Mitarbeiter auf dem Fahrzeug sind, hänge von der Ausschreibung ab. "In städtischen Bereichen sind ein Fahrer und zwei Lader auf dem Fahrzeug, in ländlichen Gebieten von Hof zu Hof ein Fahrer und ein Lader", erläutert Lars Köhler.
Vorwurf: "Das Kartenmaterial, um die Touren zu fahren, sind alle in Schwarz-Weiß kopiert, so dass man nicht alle Straßen oder Dörfer erkennen kann." Es gebe als Orientierung Schwarz-Weiß-Kopien von Google Maps. Tablets funktionierten nicht.
Knettenbrech + Gurdulic: Alle Fahrzeuge sollen mit Tablets ausgestattet werden. Diese funktionierten noch nicht, weil sie aktuell programmiert würden. Die Fahrer sollen später noch eine Schulung zur Nutzung der Tablets erhalten. Den Fahrern werde nur farbiges Kartenmaterial mit den entsprechend in Farbe gekennzeichneten Hinweisen zur Verfügung gestellt. Die Karten dienten den Fahrern dazu, Besonderheiten auf den Strecken – zum Beispiel Schotterwege oder Bäume auf der Straße – darauf einzuzeichnen für andere Fahrer.
Vorwurf: "Nicht alle Fahrzeuge haben TÜV."
Knettenbrech + Gurdulic: "Das stimmt nicht. Sollte ein Fahrzeug defekt sein, kommen Ersatzfahrzeuge zum Einsatz. Fahrzeuge mit keiner gültigen HU-Prüfung werden nicht eingesetzt", so Nadine Kuhnigk.
(Anmerkung der Redaktion: Zum Beweis, dass die Fahrzeuge TÜV haben, schickte das Unternehmen Fotos von drei TÜV-Bescheinigungen und vier Bilder von weiteren Fahrzeugen mit TÜV-Plaketten).
Vorwurf: "Die Lader hinten auf den Fahrzeugen bekommen nicht mal Regenkleidung oder eine Sicherheitsunterweisung. Winterkleidung muss beantragt werden und es dauert Wochen, bis sie da ist."
Knettenbrech + Gurdulic: "Das stimmt nicht. Alle Lader werden mit der notwendigen persönlichen Schutzausrüstung und Regenkleidung ausgestattet. Es kommt kein Lader zum Einsatz, der nicht vorher die notwendige Sicherheitsunterweisung erhalten hat", so Nadine Kuhnigk. Reiner Köllermeyer ergänzt: "Wir haben ein ausreichendes Bekleidungslager mit allen gängigen Größen. Nur Übergrößen müssen bestellt werden und sind nach maximal zwei Tagen verfügbar."
Vorwurf: Die Mitarbeiter auf den Fahrzeugen sollten unterschreiben, in den kommenden Wochen an mehreren Samstagen zu arbeiten wegen der Auslieferung der Gelben Tonnen. "Die Fahrer müssen aber Ruhezeiten von 58 Stunden einhalten. Bei Nachfrage wurde uns gesagt: 'Dann fahrt ihr ohne Fahrerkarte'", berichtet einer der Mitarbeiter.
Knettenbrech + Gurdulic: Arbeit an Samstagen werde nur verlangt, wenn es in der Woche einen Feiertag gebe. Zwei Samstage im kommenden Januar seien für die Umstellung auf die Gelben Tonnen vorgesehen, so der Niederlassungsleiter. "Ruhezeiten sind eingeplant. Es gibt keine Missachtung von Lenk- und Ruhezeiten", betont Köllermeyer.
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Redakteur:Bianca Marquardt aus Tostedt |
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