Interview mit André Wiese
Starkes Ehrenamt und Klimaschutz mit Verstand
- Winsens Bürgermeister André Wiese sprach mit dem WOCHENBLATT über Chancen und Herausforderungen, Lieblingsprojekte und Visionen
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Im September wählt Winsen einen Bürgermeister. Das WOCHENBLATT traf jetzt Amtsinhaber André Wiese, der sich erneut für dieses Amt bewirbt. Im Interview verrät Wiese, welche Chancen und Herausforderungen er für seine Stadt sieht und wie er auf seine bisherige Arbeit zurückblickt.
Herr Bürgermeister, 15 Jahre im Amt sind eine lange Zeit. Was hat Sie zur erneuten Kandidatur bewogen?
Zwei Gründe: Diese Stadt liegt mir am Herzen und ich möchte uns gut durch diese unruhigen Zeiten führen. Dafür bringe ich gern meine Erfahrung und Leidenschaft ein. Zweitens habe ich die volle Unterstützung meiner Familie – ohne diesen Rückhalt geht es nicht.
Wenn Sie zurückblicken: Was sind Ihre Lieblingsprojekte?
Die neu gestaltete Innenstadt hat viel Mühe gekostet, aber es hat sich gelohnt. Das Naturbad ist ein weiteres Herzensprojekt für Freizeit, Klimaschutz und Lebensqualität. Und drittens die frühzeitige Einführung der freiwilligen Ganztagsschule. Das sichert uns heute hohe Standards und verlässliche Betreuung, sodass uns der neue Rechtsanspruch vor keine Probleme mehr stellt.
Was würden Sie rückblickend anders oder besser machen?
Gerade anfangs wollte ich zu viel gleichzeitig. Der Ausbau des Ganztagsbetriebs und der gleichzeitige Bau der Parkpalette am Bahnhof – das war zu viel, um es engmaschig zu steuern. Heute würde ich so einen Kraftakt vermeiden. Ich bin gelassener und kompromissbereiter geworden. Mit dem Kopf durch die Wand ist oft nicht so schlau, wie in Ruhe nach der Tür zu suchen.
Hohe Investitionen auf der einen Seite, steigende Kosten und Aufgaben auf der anderen: Wie bewältigen Sie diese finanzielle Belastung?
Als Optimist hoffe ich auf fairere Regeln bei der Finanzverteilung von oben nach unten. Dafür kämpfe ich, auch wenn das mal unbequem für meine Partei, die CDU, ist. Aber selbst dann gilt: Alles gleichzeitig geht nicht. Bei Investitionen müssen wir priorisieren, bei laufenden Ausgaben Maß halten. Wichtig ist, Projekte so zu planen, dass sie Akzeptanz und finanziellen Mehrwert verbinden – wie uns das in Winsen bisher bei der Windkraft gelungen ist.
Welche Gefahren lauern in der nahen Zukunft auf die Stadt?
Wir müssen die Stadtgesellschaft zusammenhalten. Unterschiedliche Meinungen dürfen nicht in unüberwindbaren Gräben enden. Das wird leider auch in Winsen schwieriger. Krisen wecken oft die Sehnsucht nach einfachen Antworten. Dass diese meist in die Irre führen, darüber müssen wir im Gespräch bleiben und sachliche Lösungen finden.
Wo liegen die größten konkreten Herausforderungen der kommenden Jahre?
Wir müssen investieren, weil wir wachsen und Sanierungen bei Straßen, Kanälen und Kitas anstehen. Gleichzeitig steigt die Verschuldung trotz starker Gewerbesteuer von Jahr zu Jahr. Die Zinslasten können zum Problem werden. Neue Wünsche kommen ständig hinzu – und da ist Ja-Sagen immer leichter als das nötige Priorisieren.
Wie sieht Ihre ganz persönliche Vision für Winsen aus?
Eine friedliche, fröhliche Stadt mit lebendiger Innenstadt, starkem Ehrenamt und liebenswerten Ortsteilen. Ein Winsen, das zudem mehr Hotelkapazitäten bietet und wirtschaftliche Entwicklung erfolgreich mit effektivem Klimaschutz verbindet.
Redakteur:Jan Filter aus Winsen |
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