Katastrophenschutz im Landkreis Harburg
Was tun beim Blackout?

Die kritische Infrastruktur, zu der Elektrizitätswerke gehören, wird in Deutschland grundsätzlich geschützt | Foto: Adobe Stock/Bluedesign
  • Die kritische Infrastruktur, zu der Elektrizitätswerke gehören, wird in Deutschland grundsätzlich geschützt
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Zehntausende Haushalte ohne Strom, Heizungen fallen aus, und das über vier Tage lang – das war vor einer Woche in Berlin die Lage nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Kann das auch im Landkreis Harburg passieren? Die Antwort der Kreisverwaltung zeigt: Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Auch wenn die Ausgangslage eine bessere ist, als in Berlin: Mehr Kabel sind unter der Erde verlegt und fast überall gibt es Ausweichmöglichkeiten, wenn einzelne Verteiler ausfallen.

Wie anfällig sind Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung im Landkreis Harburg? Kann ein tagelanger Blackout auch hier passieren? Darauf hat auch Kreissprecher Bernhard Frosdorfer keine Antwort. "Darüber kann man nur spekulieren." Ganz prinzipiell müsse man kritische Infrastrukturen wie Strom- oder andere Versorgungsnetze europaweit betrachten. "Sie sind grundsätzlich stör- und angreifbar." Darum müssten Katastrophenschutzbehörden, Hilfsorganisationen, Polizei, Feuerwehr und weitere und die Bevölkerung Vorkehrungen treffen.

Bei den Verteiler-Stromnetzbetreibern im Landkreis Harburg, der EWE Netz GmbH und der Hamburger Energienetze GmbH (Randgebiete zu Hamburg, ehemals Stromnetz Hamburg), ist man relativ entspannt, weil es weniger oberirdische Leitungen und mehr Ausweichmöglichkeiten gebe, berichtete der NDR. Die EWE fühlen sich jedenfalls laut Pressemitteilung gut aufgestellt: "Ein flächendeckender Blackout bleibt in Deutschland äußerst unwahrscheinlich. Das liegt vor allem am sehr gut ausgebauten und eng überwachten Stromnetz sowie an klaren gesetzlichen Regelungen und Sicherheitsmechanismen."

Und wie sicher ist die Trinkwasserversorgung, die ja zum Funktionieren auch Strom braucht? Das Wasserleitungsnetz im Landkreis Harburg gehört hauptsächlich dem Wasserbeschaffungsverband (WBV) Harburg für große Teile des Kreises sowie den Stadtwerken Winsen und Stadtwerken Buchholz, ergänzt durch kleinere Wasserversorger wie den Wasserbeschaffungsverband Elbmarsch und Genossenschaften. Der WBV ist dabei für die überregionale Versorgung zuständig und betreibt zahlreiche Wasserwerke, wollte sich aber bis Redaktionsschluss nicht äußern.

Bei den Stadtwerken Buchholz ist man vorbereitet: Bei einem Stromausfall werde das Wasserwerk nach zehn Sekunden automatisch über ein Notstromaggregat betrieben, berichtet Geschäftsführer Christian Kuhse. Der Dieselvorrat reiche "bis zu 90 Stunden, also fast vier Tage", wenn man den Umfang einschränke. Kuhse: "Dabei können wir den vollen Funktionsumfang 60 Stunden, also zweieinhalb Tage, gewährleisten." Die Notstromversorgung werde mit regelmäßigen Probeläufen überprüft. Markus Laudahn von den Stadtwerken Winsen: "Die Trinkwassergewinnung und -aufbereitung wird durch eine Notstromversorgung abgesichert, die auf einen Treibstoffvorrat für ca. eine Woche zurückgreifen kann." 

Wie sicher ist die Wasserversorgung in Buchholz vor Anschlägen, z. B. durch gezielte Verunreinigung? Man nehme solche aktuellen Ereignisse wie in Berlin zum Anlass, um interne Prozesse zu überdenken. "Bisher gab es aber keine Angriffe oder Angriffsversuche auf unser Versorgungsnetz." Bei Auffälligkeiten könne man schnell reagieren. Auch in Winsen gab es noch keine Anschläge. Schließlich seien die Gewinnungs- und Aufbereitungsanlagen "durch dauerhafte technische Überwachungsanlagen gesichert", so Laudahn.

Übrigens: Auch bei einem Blackout im Landkreis Harburg greift der allgemeine Katastrophenschutzplan. Außerdem gibt es Spezialpläne für besondere Lagen, z. B. einen Blackout-Plan, der auch Notunterkünfte und Versorgungspunkte vorsehe. Diese Pläne würden regelmäßig mit Übungen praktisch erprobt. Zuletzt hätten der Katastrophenschutzstab der Kreisverwaltung, die Technische Einsatzleitung der Feuerwehren und Hilfsorganisationen und alle Fachberater im November 2024 zwei Tage lang eine Blackout-Übung absolviert. Ein Plan für einen Stromausfall werde gerade weiterentwickelt, so Frosdorfer.

Gut gerüstet für den Ernstfall

Was kann man selbst tun, um bei Stromausfall oder nicht funktionierender Wasserversorgung gut vorbereitet zu sein? "Die Bürgerinnen und Bürger können sich auf den Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis Harburg verlassen", betont Frosdorfer. Aber die Helfer könnten nicht überall gleichzeitig sein. "Umso wichtiger ist es, selbst Vorkehrungen zur Eigenvorsorge zu treffen." Grundsätzlich sollten – wie das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat empfiehlt – alle Haushalte Trinkwasser für zehn Tage vorrätig haben. Man rechnet dabei mit einem Verbrauch von zwei Litern Trinkwasser pro Tag und pro Person.

Wie man sich außerdem gut auf Katastrophen vorbereiten kann, zeigt der Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Den gibt es unter anderem in den Gebäuden der Kreisverwaltung und unter www.landkreis-harburg.de/katastrophenschutz.

Neuer Ratgeber zeigt, wie Haushalte sich auf Notfälle vorbereiten
Redakteur:

Gabriele Poepleu aus Jesteburg

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